Geocaching für Strategieentwicklung – Strategie erlebbar machen und emotional verankern
TL;DR: Geocaching transformiert trockene Strategiearbeit in ein interaktives Outdoor-Erlebnis. Es löst das Problem fehlender emotionaler Bindung und aktiver Umsetzung, indem Führungskräfte durch spielerische Bewegung Strategie hautnah erleben, Prioritäten setzen und gemeinsam Lösungen erarbeiten.
Worum geht es?
Strategiekommunikation scheitert oft an ihrer Trockenheit und Starrheit. Wie lässt sich Begeisterung für neue Initiativen entfachen, wenn das Verständnis und die emotionale Bindung fehlen? Dieser Methodenmontag stellt eine innovative Lösung vor: Strategie-Geocaching. Eine Methode, die Führungskräfte aus ihrem Alltag herausreißt, sie in Bewegung bringt und Strategiearbeit auf einer tiefen, emotionalen Ebene verankert, um echte Veränderung und Umsetzungsbereitschaft zu fördern.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Strategieentwicklung, Führungsentwicklung, Organisationsentwicklung, Teambuilding, Veränderungsmanagement |
| Zielgruppe / Größe | Führungskräfte (von Geschäftsführung bis Teamleitung), ca. 50 Personen insgesamt, aufgeteilt in Gruppen von je ca. 6 Personen |
| Dauer | Ca. 70 Minuten für die Geocaching-Phase (ohne Vor- und Nachbereitung) |
| Material | Koordinaten (in Umschlägen), Smartphones (für Navigation via Google Maps), Aufgabenstellungen für jede Station, optionale Verstecke (z.B. Filmdosen, Tupperdosen für Hinweise) |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Emotionales Erleben: Strategie wird nicht nur kognitiv verarbeitet, sondern auf einer affektiven Ebene gefühlt, was Neugier, Freude oder auch einen gesunden Ärger entfachen kann und somit die Bindung erhöht.
- Bewegung und Embodiment: Körperliche Aktivität unterstützt die kognitive Verarbeitung und symbolisiert den Fortschritt. Das Nervensystem registriert Bewegung als Vorankommen, was die Umsetzungsmotivation steigert.
- Reduzierter Druck & Kollaboration: Der spielerische Modus senkt Konkurrenzdruck und Angst vor Fehlern. Teams müssen sich kollektiv einlassen, zusammenfinden und gemeinschaftlich Ziele erreichen, was den Austausch fördert.
- Verlassen der Komfortzone: Das Verlassen des gewohnten Arbeitsumfelds (Straße, schlechtes Wetter) wirkt symbolisch für das Verlassen der Komfortzone und signalisiert, dass Führung auch in herausfordernden Situationen gefragt ist.
- Neue Perspektiven: Durch die Veränderung von Arbeitsweise, Arbeitsmitteln und Arbeitsort wird die Strategie aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachtet und bearbeitet.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vorbereitung der Stationen und Aufgaben:
- Wählt vier Orte mit symbolischer Bedeutung aus, die zur Strategie passen (z.B. „alte Schmiede“ für Herkunft/Zukunft, „Stellwerk“ für datengetriebene Steuerung/Weichenstellung).
- Formuliert für jede Station eine Aufgabe, die eine aktive Auseinandersetzung mit den strategischen Elementen (Purpose, Strategie, Jahresziele, Prinzipien) erfordert.
- Definiert einen klaren, prägnanten Output pro Station (z.B. „Wenn wir konsequent X tun, dann zahlen wir auf Y ein.“ – mit Verben formuliert; eine Entscheidung; ein Transfer in den Alltag). Setzt auf radikale Verknappung der Diskussionszeit.
- Bereitet Umschläge mit den Koordinaten aller vier Stationen vor.
- Gruppenbildung:
- Teilt die Führungskräfte in Gruppen von etwa sechs Personen auf. Ermutigt zu einer Durchmischung, die im Arbeitsalltag nicht üblich ist (z.B. von GF bis Teamleiter).
- Briefing der Gruppen:
- Händigt jeder Gruppe einen Umschlag mit den Koordinaten aller vier Stationen aus.
- Gebt die Anweisung, in jeder Gruppe vier Rollen zu definieren: Navigator, Timekeeper, Sprecher und Dokumentator.
- Kommuniziert die Gesamtzeit für das Geocaching (z.B. 70 Minuten) und den Endzeitpunkt.
- Betont, dass es keine traditionellen „Schatzkisten“ gibt, sondern die Lösung der strategischen Aufgaben im Fokus steht. Erklärt, dass Nachfragen bei Unklarheiten ein erwünschter Teil des Prozesses ist.
- Macht keine Vorgaben zur Reihenfolge der Stationen, um Eigenverantwortung und Priorisierung zu fördern.
- Durchführung des Geocachings:
- Die Teams nutzen ihre Smartphones (z.B. Google Maps), um zu den Stationen zu navigieren.
- An jeder Station lösen sie die strategische Aufgabe und erarbeiten den definierten Output (Satz, Entscheidung, Transfer).
- Nachbereitung und Auswertung:
- Die Gruppen kehren zum vereinbarten Treffpunkt zurück.
- Die erarbeiteten Outputs und Erfahrungen werden gemeinsam ausgewertet und reflektiert.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Ein möglicher „Stolperstein“ ist das Fehlen einer physischen „Schatztruhe“ am Zielort, was zu Verunsicherung führen kann. Hier ist es wichtig, den Führungskräften im Vorfeld zu vermitteln, dass Nachfragen bei Unklarheiten – genau wie in der Strategiearbeit – essenziell ist und gewünscht wird. Es ist ein Test, ob sie blind Anweisungen folgen oder proaktiv Klarheit suchen. Zudem kann es vorkommen, dass Gruppen versuchen, die Aufgaben „im Büro“ oder digital zu lösen, um nicht „in den Regen“ zu müssen. Hier kann darauf hingewiesen werden, dass der Kern der Methode in der Bewegung, dem veränderten Arbeitsort und der kollektiven Erfahrung liegt, die nicht am Schreibtisch repliziert werden kann. Diese Wahlfreiheit kann genutzt werden, um zu reflektieren, ob man blind Anweisungen folgt oder in der Lage ist, loszulassen und neu zu konstruieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist Geocaching?
Geocaching ist eine Art moderne Schnitzeljagd, bei der Teilnehmer mittels GPS-Koordinaten bestimmte Punkte im Gelände suchen, an denen sich ein „Cache“ (ein Behälter) oder, wie in diesem Fall, eine spezifische Aufgabe befindet. Ziel ist es, diese Punkte zu finden und die damit verbundenen Herausforderungen zu lösen, um zum nächsten Punkt oder zum finalen Ziel zu gelangen.
Warum sollte man Geocaching für Strategieentwicklung einsetzen?
Geocaching hilft, eine sonst oft trockene und starre Strategie „erlebbar“ und „fühlbar“ zu machen. Durch die Kombination aus Bewegung, spielerischen Elementen und dem Verlassen des gewohnten Umfelds wird eine emotionale Bindung zur Strategie aufgebaut (Affektivität), was die Umsetzungswahrscheinlichkeit und das Engagement der Führungskräfte erheblich steigert. Es fördert zudem Teamarbeit und unkonventionelles Denken.
Welche Orte eignen sich gut als Stationen für das Strategie-Geocaching?
Idealerweise wählt man Orte, die eine metaphorische oder symbolische Verbindung zum jeweiligen strategischen Thema haben. Beispiele aus dem Podcast sind eine „alte Schmiede“ für die Frage nach Herkunft und Zukunft oder ein „ehemaliges Stellwerk“ für Themen wie datengetriebene Steuerung, Weichenstellungen und Priorisierung von Pfaden.
Wie stelle ich sicher, dass die Teams die Strategie bei dieser Methode auch wirklich verstehen und verinnerlichen?
Das Verständnis wird durch gezielte Aufgabenstellungen geförd, die eine aktive Auseinandersetzung mit den strategischen Kernkomponenten (Purpose, Strategie, Jahresziele, Prinzipien) erfordern. Der geforderte Output pro Station (z.B. ein prägnanter Satz, eine klare Entscheidung, ein Transfer in den Alltag) zwingt die Teams, die Essenz der Diskussionen herauszuarbeiten und die Strategie für sich greifbar zu machen, oft sogar durch die Verwendung dynamischer Verben.
Der Kopf hinter dem Impuls
Tobias „Tobi“ Hänsel, ehemaliger Agile Coach bei RTL, ist heute als Senior Organisational Development Expert bei der BFS (Bertelsmann Finance Solution) tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf der strategischen Führungsentwicklung, wo er sich mit Führungsleitbildern, neuer Führungskultur, verteilter Führung und der Etablierung von Rollen befasst, sowie mit klassischen Organisationsentwicklungsthemen.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Strategiearbeit als Geocaching-Abenteuer mit Tobias Hänsel
Wie wird aus trockener Strategie echte Bewegung im Unternehmen? Gemeinsam mit Tobi sprechen Jan und Florian darüber, wie Führungskräfte durch ein Geocaching-Format Strategie nicht nur verstehen, sondern emotional erleben konnten. Eine Folge über Embodiment, Symbolik, Gamification und darüber, warum gute Strategie manchmal einfach im Regen beginnt.