Die Lautlose Retro – Achtsamkeit und Überraschung für dein Team
TL;DR: Die Lautlose Retro ist eine ungewöhnliche und humorvolle Methode, bei der Teammitglieder schweigend schriftliche Anweisungen befolgen, die einen überraschenden „Twist“ enthalten. Sie fördert Achtsamkeit im Umgang mit Aufgaben, bricht alte Retrospektiven-Routinen auf und regt zur Reflexion über vorschnelles Handeln an, während sie für viel Erheiterung im Team sorgt.
Worum geht es?
Manchmal sind die besten Methoden jene, die von unerwarteter Seite kommen. So geschehen in der Geschichte von Markus Trbojevic, der als Teilnehmer einer von einem Teammitglied moderierten Retrospektive saß. Ihm wurde ein Zettel mit dem Titel „Die Lautlose Retro“ gereicht – eine Anleitung zu einer ganz besonderen Art der Reflexion, die zunächst für Verwirrung, dann aber für umso mehr Spaß und tiefere Erkenntnisse sorgte. Diese Methode ist ein Experiment, das spielerisch aufzeigt, wie wir mit Anweisungen umgehen und wie wichtig es ist, erst zu lesen und dann zu handeln.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
| Einsatzgebiet | Retrospektiven, Icebreaker für Team-Offsites |
| Zielgruppe / Größe | Teams |
| Dauer | 5 Minuten (für die Übung selbst) |
| Material | Zettel mit schriftlichen Anweisungen |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert (einfach für Moderator, herausfordernd für Teilnehmer) |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Fördert Achtsamkeit und Reflektion: Die Übung regt dazu an, Anweisungen vollständig zu lesen und zu durchdenken, bevor man ins Handeln kommt.
- Bricht Routinen auf: Als ungewöhnliche Retro oder Icebreaker sorgt sie für Abwechslung und eine aufgelockerte Atmosphäre.
- Regt zur Selbstbeobachtung an: Teilnehmer können im Nachhinein beobachten und reflektieren, wie sie oder andere mit den Anweisungen umgegangen sind.
- Ermutigt zu Experimenten: Die Methode selbst entstand aus dem Zulassen von Team-Experimenten und zeigt den Wert der Eigeninitiative.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Moderator auswählen: Erlaube einem Teammitglied, die Retrospektive zu moderieren und eine neue Methode einzubringen.
- Anweisungszettel vorbereiten: Erstelle einen Zettel mit einer Reihe von Aufgaben. Beginne mit scheinbar „sinnlosen“ Anweisungen wie „Schreibe deinen Namen in die obere rechte Ecke und unterstreiche ihn zweimal.“
- Den „Twist“ einbauen: Füge am Ende des Zettels eine Anweisung ein, die alles Vorherige ignoriert oder eine übergeordnete Anweisung gibt (z.B. „Lies zuerst alle Aufgaben durch und beantworte dann nur die allererste Aufgabe.“ oder „Ignoriere alle vorherigen Anweisungen und verbleibe sitzen, nachdem du alles gelesen hast.“). Der Kern ist, dass die Teilnehmer alles lesen MÜSSEN, um die eigentliche Aufgabe zu verstehen.
- Zeitlimit setzen: Gib den Teilnehmern eine knappe Zeitvorgabe (z.B. 5 Minuten) und betone die Lautlosigkeit der Übung.
- Beobachten und Reflektieren: Beobachte die Reaktionen der Teammitglieder. Nach der Übung kannst du gemeinsam reflektieren, wie unterschiedlich die Anweisungen interpretiert und befolgt wurden und welche Erkenntnisse daraus entstehen.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Ein häufiger „Stolperstein“ ist, dass viele Teammitglieder dazu neigen, Aufgaben direkt nacheinander abzuarbeiten, ohne den gesamten Zettel zuerst zu lesen. Dies führt zu amüsanten Situationen, wenn sie die „sinnlosen“ Aufgaben brav erledigen, während andere, die den Dreh verstanden haben, kichernd zusehen.
Tipp: Ermutige dein Team, selbst neue Methoden einzubringen und Experimente zuzulassen. Die Lautlose Retro ist ein perfektes Beispiel dafür, dafür, wie innovative und bereichernde Ansätze entstehen können, wenn man Teammitgliedern den Raum für eigene Gestaltung gibt. Es fördert Kreativität und Engagement, wenn nicht immer der gleiche Moderator die gleichen Abläufe vornimmt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum „lautlos“?
Die Lautlosigkeit verstärkt den Fokus auf die schriftlichen Anweisungen und auf die eigene Interpretation. Sie verhindert, dass sofort Fragen gestellt werden, und zwingt die Teilnehmer, sich intensiv mit dem Text auseinanderzusetzen, was den Lerneffekt des „Durchlesens vor dem Handelns“ verstärkt.
Was ist der Kerngedanke hinter dem „Twist“?
Der „Twist“ am Ende der Anweisungen dient dazu, die Bedeutung des vollständigen Lesens und Verstehens hervorzuheben, bevor man mit der Ausführung beginnt. Er entlarvt die Tendenz, vorschnell zu handeln, und sorgt gleichzeitig für einen Aha-Moment und viel Humor im Team.
Ist die Methode für jedes Team geeignet?
Ja, die Lautlose Retro ist prinzipiell für jedes Team geeignet. Sie dient als leichter und humorvoller Einstieg, um über das Einhalten von Regeln, die Arbeitsweise im Team oder das Verhältnis von „agil und schnell“ versus „durchdacht und achtsam“ zu reflektieren, ohne dabei zu tief analysieren zu müssen.
Der Kopf hinter dem Impuls
Markus Trbojevic ist Teamentwickler und Coach. Er verbindet dabei die Welten der Festanstellung und Freiberuflichkeit. Markus moderiert Teamworkshops, gibt Trainings zum Thema Teamentwicklung und ist Co-Autor des Buches „Jedes Team ist anders“, das Impulse aus der nachhaltigen Teamentwicklung bietet.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Lautlose Retro mit Markus Trbojevic
Stell dir vor, ein Teammitglied möchte die nächste Retro selber gestalten – wie würdest du dich als Teambegleiter:in fühlen? Markus ist das passiert und in dieser Folge berichtet er über das großartige Ergebnis.