Orientierung im Team in Ausnahmesituationen
– Klarheit schaffen und Fokus legen
TL;DR: In Zeiten großer Veränderungen laufen Teams oft Gefahr, sich „wundzulaufen“, indem sie versuchen, alles wie gewohnt fortzuführen. Diese Methode bietet einen strukturierten Ansatz, um gemeinsam im Team innezuhalten, Prioritäten zu überprüfen und den Fokus auf die wirklich wichtigen Aufgaben zu legen. Das Ergebnis sind gesteigertes Commitment und eine effektivere Nutzung der Ressourcen.
Worum geht es?
Die aktuelle Lage stellt viele Teams und Führungskräfte vor große Herausforderungen. Anstatt sich in blinden Aktionismus zu stürzen und zu versuchen, „alles so gut wie vorher zu erledigen“, ist es entscheidend, einen Schritt zurückzutugehen. Dieser Artikel, basierend auf den Impulsen von Vera Geiger (Gruner & Jahr), zeigt auf, wie Teams in Ausnahmesituationen wie dem mobilen Office oder Kurzarbeit Orientierung finden, Sinn stiften und ihren Fokus neu ausrichten können, um effektiv und zielgerichtet zu bleiben.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Ausnahmesituationen, Veränderungszeiten, mobile Office, Kurzarbeit, Priorisierung im Alltagsgeschäft |
| Zielgruppe / Größe | Führungskräfte und Teams |
| Dauer | Für einen Workshop: 90 Minuten bis zweieinhalb Stunden. Einzelne Fragen können in kürzeren Formaten (z.B. Teammeeting) bearbeitet werden. |
| Material | Microsoft Teams (oder ähnliches Tool für Remote-Meetings), Whiteboard/virtuelles Board für Brainstorming und Notizen |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Schärft das Verständnis für das gemeinsame „Why“: Warum gibt es uns gerade jetzt, und was ist unsere Kernaufgabe?
- Identifiziert und eliminiert unwichtige Aufgaben, die keinen Sinn mehr machen oder nicht gebraucht werden.
- Fokussiert auf die elementaren Aufgaben, die die Geschäftsfähigkeit sicherstellen und das Team wirklich voranbringen.
- Stärkt das Kundenverständnis durch die aktive Auseinandersetzung mit internen und externen Kundenbedürfnissen.
- Ermöglicht eine klare Aufteilung von Aufgaben in „Pflicht“ (essenziell) und „Kür“ (optional/Backlog).
- Steigert das Commitment und die Motivation der Teammitglieder durch gemeinsame Erarbeitung der Orientierung.
- Entlastet Führungskräfte, indem die Verantwortung für die Orientierung im Team geteilt wird.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Termin blocken: Nehmen Sie sich als Team bewusst Zeit. Idealerweise blocken Sie einen Workshop-Termin von 90 Minuten bis zweieinhalb Stunden. Ist dies nicht möglich, können Sie zentrale Fragen auch in einem regulären Teammeeting oder Showfix behandeln.
- Moderation bestimmen: Bestimmen Sie eine Person, die den Workshop moderiert. Dies kann ein Teammitglied oder die Führungskraft sein.
- „Why-Frage“ beantworten (stilles Brainstorming): Jedes Teammitglied schreibt für sich auf: „Warum ist es gerade jetzt so wichtig, dass es uns gibt?“ oder „Was ist unsere Mission in dieser Zeit?“
- Ergebnisse austauschen & diskutieren: Teilen Sie die individuellen Gedanken miteinander. Führen Sie eine offene Diskussion über die verschiedenen Perspektiven.
- Gemeinsames Verständnis festhalten: Formulieren und notieren Sie ein gemeinsames Verständnis oder eine Teammission, die das „Why“ für alle klar definiert.
- Kundenbrille aufsetzen & Bedürfnisse prüfen: Diskutieren Sie, wer Ihre internen und externen Kunden sind und welche Bedürfnisse diese aktuell haben. Führen Sie bei Bedarf ein Stakeholder-Mapping durch oder fragen Sie direkt bei Kunden nach.
- Aufgaben prüfen & priorisieren: Sortieren Sie Ihre aktuellen Tätigkeiten. Was macht wirklich Sinn? Was kann weggelassen werden? Teilen Sie Aufgaben in „Pflicht“ (Muss) und „Kür“ (Kann, Backlog) ein.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Ein häufiger Stolperstein ist die Annahme, in stressigen Zeiten „keine Zeit“ zum Innehalten und Sortieren zu haben. Doch gerade dann ist es unerlässlich, einen Schritt zurückzutreten, um sich nicht „wundzulaufen“ und in Aktionismus zu verfallen. Nehmen Sie sich diese Zeit bewusst, auch wenn es sich anfühlt, als würden Sie Arbeit aufschieben. Die gemeinsame Erarbeitung der Orientierung ist entscheidend, da das Commitment und die Motivation der Teammitglieder signifikant höher sind, wenn sie aktiv an der Definition ihrer Mission und Prioritäten beteiligt waren. Dies entlastet auch die Führungskraft, die nicht alles alleine vordenken muss.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum ist es gerade jetzt wichtig, Orientierung zu schaffen?
In Ausnahmesituationen neigen viele dazu, sich „wundzulaufen“, indem sie versuchen, alles wie bisher zu erledigen. Innehalten hilft, zu prüfen, was wirklich Sinn macht und das Team voranbringt, besonders wenn Themen wie Kurzarbeit eine Reduzierung und einen Fokus auf elementare Aufgaben erfordern.
Sollte die Führungskraft die Orientierung alleine vorgeben?
Nein, es wird dringend empfohlen, die Orientierung gemeinsam im Team zu erarbeiten. Die Expertise liegt im Team, und das Commitment sowie die Motivation sind viel höher, wenn die Teammitglieder aktiv an der Definition ihrer Mission und Prioritäten beteiligt sind. Die Führungskraft kann sich dadurch auch entlasten.
Wie gehe ich vor, wenn ich denke, keine Zeit für einen Workshop zu haben?
Gerade dann ist es wichtig, sich die Zeit zu nehmen. Wenn ein ganzer Workshop nicht möglich ist, können einzelne, zentrale Fragen (wie die „Why-Frage“) auch in kürzeren Formaten, z.B. in einem klassischen Teammeeting oder einem Showfix, bearbeitet werden. Es geht darum, aus dem reinen „Machen“ herauszukommen und zu priorisieren.
Wie frage ich meine Kunden nach ihren Bedürfnissen?
Setzen Sie die „Kundenbrille“ auf, führen Sie ein Stakeholder-Mapping durch oder sprechen Sie im „äußersten Notfall“ direkt mit dem Kunden, um zu erfahren, was dieser gerade benötigt. Es ist auch hilfreich, als Führungskraft das eigene Team als „Kunden“ zu sehen und zu fragen, was sie gerade brauchen, um unterstützt zu werden.
Der Kopf hinter dem Impuls
Vera Geiger arbeitet in der personalen und organisationalen Entwicklung von Gruner & Jahr. Sie kümmert sich gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen um die Entwicklung von Menschen und der Organisation, insbesondere in Zeiten des Wandels.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Führen auf Distanz #4: Orientierung im Team mit Vera Geiger
Wir finden uns in bewegten Zeiten wieder, plötzlich ist alles anders. Warum wir uns in diesem neuen Arbeitsalltag nicht „wundlaufen“ sollten, sondern einmal innehalten und Orientierung suchen, verrät Vera aus dem Team der Personalentwicklung von Gruner + Jahr in der heutigen Sonderfolge zum Thema Führen auf Distanz. Unsere allgemeinen Datenschutzrichtlinien finden Sie unter https://art19.com/privacy. Die Datenschutzrichtlinien für Kalifornien sind unter https://art19.com/privacy#do-not-sell-my-info abrufbar.