Die Schlussfolgerungsleiter mit Julia Dorandt

Die Schlussfolgerungsleiter: Missverständnisse auflösen & Kommunikation verbessern

TL;DR: Die Schlussfolgerungsleiter ist ein Modell, das aufzeigt, wie wir von einer anfänglichen Wahrnehmung zu festen Überzeugungen gelangen, die unser Handeln bestimmen. Sie hilft Teams und Einzelpersonen, Interpretationen von Fakten zu unterscheiden, Konflikte zu entschärfen und eine tiefere Reflexion zu ermöglichen, um effektiver zu kommunizieren.

Worum geht es?

In dieser Episode stellt Julia Dorandt, Agile Coachin und Organisationsentwicklerin bei der Beratung Judith Andresen, ihr absolutes Lieblingsmodell vor: die Schlussfolgerungsleiter von Avery. Dieses Modell beleuchtet, wie unsere Annahmen entstehen und unser Handeln sowie unsere Entscheidungen prägen. Von der reinen Wahrnehmung bis zur festen Überzeugung – auf jeder Stufe filtern und interpretieren wir Informationen, was oft zu Missverständnissen und Konflikten führt. Die Methode bietet einen Rahmen, um diese Prozesse bewusst zu machen und zu reflektieren.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Konfliktsituationen, Veränderungsprozesse, Umgang mit Widerständen, Coaching, Teamentwicklung, Förderung der Reflexionsfähigkeit
Zielgruppe / Größe Einzelpersonen, Teams, Führungskräfte
Dauer Nicht spezifiziert
Material Nicht spezifiziert (Visualisierung des Modells wird empfohlen)
Schwierigkeitsgrad Nicht spezifiziert

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Konflikte entschärfen: Hilft, die Wurzel von Aussagen wie „Das machst du immer“ oder „Das ist ständig so“ zu verstehen und gemeinsam zu reflektieren.
  • Widerstände in Veränderungsprozessen überwinden: Ermöglicht es, hinter starren Haltungen wie „Das funktioniert bei uns nicht“ oder „Das haben wir schon probiert“ die zugrundeliegenden Annahmen zu erkennen.
  • Missverständnisse aufklären: Fördert die Unterscheidung zwischen beobachtbaren Fakten und persönlichen Interpretationen, was zu klarerer Kommunikation führt.
  • Reflexionsfähigkeit stärken: Bietet einen strukturierten Weg, eigene Überzeugungen zu hinterfragen und die ursprünglichen Wahrnehmungen zu überprüfen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die Schlussfolgerungsleiter beschreibt einen Prozess in sechs Stufen, wie wir von einer Wahrnehmung zu einer Überzeugung gelangen:

  1. Wahrnehmung: Wir nehmen zunächst verfügbare Informationen objektiv wahr (die „Sachebene“).
  2. Datenfilter: Wir filtern Daten heraus, die unserer Lebensrealität, Emotionen oder prominenten Aspekten entsprechen.
  3. Interpretation: Aus den gefilterten Daten ziehen wir erste Schlüsse und interpretieren die Situation („Ich habe das gehört, also muss es so sein“).
  4. Annahme (allgemeingültige Überzeugung/Muster): Wir machen aus der Interpretation ein Muster oder eine allgemeingültige Annahme („Alle Menschen, die das sagen, glauben das von uns“).
  5. Schlussfolgerung: Aus der Annahme leiten wir eine Schlussfolgerung ab.
  6. Überzeugung: Die Schlussfolgerung manifestiert sich als feste Überzeugung, die unser Handeln und unsere Entscheidungen bestimmt.

Anwendung im Team oder Coaching:

  • In Workshops: Startet man oft bei der Überzeugung und fragt, was konkret zu dieser Überzeugung geführt hat. Dies hilft, die Leiter „herunterzusteigen“ und die ursprünglichen Wahrnehmungen zu identifizieren.
  • Im Coaching/Supervision: Geht man von unten nach oben, beginnend mit der Beobachtung/Wahrnehmung, um die Hypothesenbildung und Interpretationen zu reflektieren.
  • Zentrale Fragen: „Was waren denn eigentlich ursprünglich mal die Informationen, die ich hatte?“, „Was habe ich denn wirklich beobachtet und wahrgenommen?“, „Wo auf dem Weg zu meiner Überzeugung habe ich vielleicht auch einfach interpretiert, ohne es wirklich genau zu wissen?“

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Es ist eine Herausforderung, Menschen dazu zu bringen, ihre Überzeugungen zu hinterfragen, da dies oft als Angriff empfunden wird und das Gehirn in die Defensive geht. Um dies zu vermeiden, sollte man nicht direkt die Überzeugung anfechten. Stattdessen kann man einladen, die Schlussfolgerungsleiter als Modell zu betrachten: „Guck mal, da gibt es so ein Modell und das läuft so. Hast du Lust, mal mit mir auf diese Stufe zu gucken, was du wahrgenommen hast?“ Dies ermöglicht es Menschen, ihre Überzeugung besser loszulassen, da der Fokus auf der Reflexion des Prozesses und nicht auf der Richtigkeit der Überzeugung liegt. Überzeugungen loszulassen ist oft „Trauerarbeit“ und erfordert Geduld. Wenn jemand nicht sofort bereit ist, die Leiter hinabzusteigen, ist es in Ordnung abzuwarten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist die Schlussfolgerungsleiter?

Die Schlussfolgerungsleiter ist ein Modell von Avery und hilft zu verstehen, wie wir aus einer anfänglichen Wahrnehmung über mehrere Stufen zu einer festen Überzeugung gelangen, die unser Handeln bestimmt. Es verdeutlicht, wie subjektive Filter und Interpretationen die „Realität“ formen.

Wie viele Stufen hat die Schlussfolgerungsleiter?

Das Modell hat sechs Stufen: 1. Wahrnehmung der verfügbaren Informationen, 2. Filtern von Daten, 3. Interpretation, 4. Bildung allgemeingültiger Annahmen/Muster, 5. Schlussfolgerung, und 6. Manifestation als Überzeugung.

Wann wende ich die Schlussfolgerungsleiter an?

Sie ist besonders hilfreich in Konfliktsituationen, um starre Widerstände in Veränderungsprozessen aufzubrechen und die Reflexionsfähigkeit von Einzelpersonen und Teams zu stärken. Überall dort, wo unterschiedliche „Wahrheiten“ aufeinandertreffen, kann sie für Klarheit sorgen.

Steigt man die Leiter rauf oder runter?

Im Coaching geht man oft von der Wahrnehmung nach oben, um die Entwicklung einer Hypothese zu verstehen. In Workshops oder zur Bearbeitung von Problemen beginnt man meist bei der geäußerten Überzeugung und steigt die Leiter „herunter“, um die zugrundeliegenden Beobachtungen und Interpretationen zu finden, die zu dieser Überzeugung geführt haben.

Der Kopf hinter dem Impuls

Julia Dorandt ist eine erfahrene Agile Coachin und Organisationsentwicklerin bei der Beratung Judith Andresen. Mit einem vielfältigen Hintergrund, der von einer Kochausbildung über ein Studium der Wirtschaftsrechtswissenschaften bis hin zu einer Führungskarriere in Industrie und Handel reicht, bringt sie eine breite Perspektive in ihre Arbeit ein. Sie begleitet Menschen und Organisationen dabei, mit Veränderungen umzugehen und bessere Beziehungen zu finden, wobei der Übergang vom Beraten zum Coachen ihr Schwerpunkt ist.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Die Schlussfolgerungsleiter mit Julia Dorandt

Warum sind wir manchmal so sicher, dass unsere Interpretation stimmt – obwohl sie vielleicht nur eine Annahme ist? In dieser Folge stellt Julia Dorandt, Agile Coachin und Organisationsentwicklerin bei der Beratung Judith Andresen, ihr Lieblingsmodell vor: die Schlussfolgerungsleiter. Florian und Jan sprechen darüber, wie aus Beobachtungen schnell Überzeugungen werden – und wie das Modell hilft, Konflikte, Missverständnisse und vorschnelle Interpretationen in Teams zu reflektieren.

🎧 Hier geht es direkt zur Episode

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert