Das erste Team mit Chris Böhmer

Das First Team – Schaffe Alignment in Führungsteams

TL;DR: Die „First Team“-Methode von Patrick Lencioni deckt auf, dass Führungskräfte oft ihr operatives Team als ihr primäres Team betrachten, was zu Lobbyismus führt. Sie schärft das Bewusstsein, dass das eigentliche „erste Team“ das Führungsteam auf der nächsthöheren Ebene ist, um gemeinsame Ziele zu fördern und unternehmensweite Ausrichtung zu schaffen.

Worum geht es?

In agilen Organisationen ist es entscheidend, dass Führungskräfte nicht nur ihre direkten Teams optimal unterstützen, sondern auch gemeinsam an einem Strang ziehen. Die „First Team“-Methode bietet einen einfachen, aber tiefgreifenden Impuls, um Führungsteams zur Selbstreflexion anzuregen. Sie hilft dabei, ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln, wer ihr „erstes Team“ wirklich ist, um so Silodenken zu überwinden und eine übergeordnete Ausrichtung zu etablieren. Eine scheinbar einfache Frage löst oft eine halbstündige Diskussion aus, die zu wertvollen Erkenntnissen führt.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Führungsteams, Führungskräfte-Veranstaltungen (Offsite-Training, Workshop)
Zielgruppe / Größe Führungskräfte (Teamleiter, Abteilungsleiter, Bereichsleiter, Vorstand), ab 4 Personen, auch größere Mannschaft
Dauer Vorstellung: ca. 5 Minuten; Diskussion: ca. 30 Minuten
Material Flipchart, Farben (z.B. Pink, Blau, Grün, Gelb) zur Visualisierung
Schwierigkeitsgrad Nicht spezifiziert

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Schafft Bewusstsein im Führungsteam, dass sie das Führungsteam der nächsthöheren Ebene sind und nicht primär die Führungspersonen ihrer direkten Untergebenen.
  • Fördert die Ausrichtung der Teams auf gemeinsame Abteilungs- oder Unternehmensziele und reduziert Lobbyismus.
  • Überwindet Silodenken und das „Jeder kämpft für sein Team“-Prinzip, um eine kohärente Gesamtstrategie zu ermöglichen.
  • Verbessert die Arbeitsbedingungen und die Klarheit für die operativen Teams, da widersprüchliche Richtungsentscheidungen von oben reduziert werden.
  • Ermöglicht eine flexiblere Ressourcennutzung (z.B. Verschieben von Ressourcen zwischen Teams), wenn das übergeordnete Ziel im Fokus steht.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Szenario vorstellen: Beschreibe eine hypothetische Situation mit mehreren Teamleitern (z.B. vier Personen).
  2. Die entscheidende Frage stellen: Frage einen dieser Teamleiter: „Hey, Teamleitung A, was ist denn dein Team? Wer ist denn dein Team?“
  3. Erste Antwort provozieren: Erwarte und bestätige die natürliche Antwort, dass das eigene Team die direkten Mitarbeiter sind („Mein Team sind die Menschen, die ich führe“).
  4. Problem benennen: Erkläre, warum diese natürliche Antwort – obwohl verständlich – ein Problem darstellt. Bei mehreren Teamleitern führt dies zu Lobbyismus, da jeder das Beste für sein eigenes Team herausholen will, was die übergeordnete Ebene (z.B. Abteilung) in verschiedene Richtungen zieht.
  5. Leidtragende identifizieren: Verdeutliche, dass die operativen Teams (die direkt geführten Teams) am meisten unter dieser fehlenden Ausrichtung leiden, da sie die Konsequenzen der uneinigen Führung ausbaden müssen.
  6. Die gewünschte Haltung etablieren: Erläutere, dass die „richtige“ Antwort sein sollte: „Mein Team ist die Abteilung“ (oder die nächsthöhere Führungsebene, bei der man Mitglied ist, nicht die, die man führt).
  7. Konsequenzen aufzeigen: Diskutiert, was dies bedeutet – z.B. die Bereitschaft, Ressourcen (Menschen) zwischen Teams zu verschieben oder gemeinsame Ziele der Abteilung über die eigenen Teamziele zu stellen.
  8. Skalierung verdeutlichen: Zeige auf, dass die Methode auf alle Führungsebenen angewendet werden kann (Abteilungsleitung, Bereichsleitung, Vorstand).
  9. Visualisierung nutzen (Tipp): Zeichne das Szenario live am Flipchart, gib den Teams und Abteilungen verschiedene Farben, um die Strukturen und die neue Perspektive leicht visualisierbar zu machen. Dies hilft, die Diskussion zu verankern und später auf reale Organisationsstrukturen zu übertragen.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Die Methode ist bewusst provokativ, da die „natürliche“ Antwort der Führungskräfte direkt das Problem aufzeigt. Sei bereit für eine intensive Diskussion nach der Einführung, die oft 30 Minuten oder länger dauert. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Frage einen Nerv trifft und wichtige Erkenntnisse generiert. Nutze die Visualisierung mit Farben am Flipchart, um die verschiedenen Teams und Ebenen greifbar zu machen und die Assoziation von Farben mit realen Strukturen zu erleichtern. Dies hilft, die neue Perspektive zu verankern und das Verständnis zu vertiefen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist das „First Team“ nach Patrick Lencioni?

Das „First Team“ ist das erste Team, das einem in den Sinn kommt, wenn man gefragt wird: „Wer ist dein Team?“. Die Methode zielt darauf ab, dass Führungskräfte intuitiv das Führungsteam der nächsthöheren Ebene als ihr primäres Team ansehen, anstatt das operative Team, das sie direkt führen.

Warum ist es wichtig, sein „First Team“ zu erkennen?

Wenn jede Führungskraft primär das Wohl des eigenen operativen Teams verfolgt, führt dies zu Lobbyismus und unterschiedlichen Richtungen innerhalb der Organisation. Das Erkennen des übergeordneten Führungsteams als „First Team“ fördert Alignment, gemeinsame Zielverfolgung und eine kohärente Strategie, was letztlich allen Teams zugutekommt.

Wer ist das „First Team“ für eine Führungskraft?

Für eine Führungskraft ist das „First Team“ das Management-Team, dem sie selbst angehört. Zum Beispiel ist für einen Teamleiter das Abteilungsleiter-Team sein „First Team“, nicht die Mitarbeiter seines eigenen Teams.

Wie kann man die „First Team“-Methode visualisieren?

Es empfiehlt sich, die verschiedenen Teams und Ebenen am Flipchart mit unterschiedlichen Farben zu skizzieren. So kann man zum Beispiel das Team Rot, Team Grün und Team Blau haben, die alle Teil des „Gelben Teams“ (der Abteilung) sind. Dies macht die Konzepte greifbar und erleichtert die Übertragung auf die reale Organisationsstruktur.

Der Kopf hinter dem Impuls

Chris Böhmer ist Co-Founder von Hello Agile. Sein Schwerpunkt liegt auf Business Agilität, insbesondere im Aufbau und der Steuerung agiler Unternehmen. Die Methode des „First Teams“ wurde von Patrick Lencioni entwickelt, dessen Arbeiten Chris Böhmer bei seinen Kunden einsetzt.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Das erste Team mit Chris Böhmer

Diese Woche bringt uns Chris eine besondere Methode mit, um Führungs-Teams in eine gemeinsame Reflexion zu bringen – mit einer sehr simplen, aber wirksamen Frage.

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