Perspektivwechsel-Übung für Teams – Versteht eure gemeinsamen Herausforderungen aus jedem Blickwinkel
TL;DR: Diese Methode nutzt Alltagsgegenstände, die in einem Haufen angeordnet und aus verschiedenen Blickwinkeln beobachtet werden, um aufzuzeigen, wie individuelle Perspektiven das Verständnis prägen. Sie hilft Teams zu begreifen, dass ein vollständiges Bild eines Problems nur durch die Berücksichtigung aller Sichtweisen entsteht, fördert Empathie und eine kollaborative Problemlösung.
Worum geht es?
Kennt ihr das? Auch in gut eingespielten Teams können sich unterschiedliche Sichtweisen auf ein und dasselbe Problem entwickeln. Manchmal führt das zu Unverständnis oder dazu, dass der Wert vielfältiger Blickwinkel übersehen wird. Die hier vorgestellte Übung ist darauf ausgelegt, Teams erlebbar zu machen, wie der eigene Standpunkt die Wahrnehmung von Fakten beeinflusst und wie essenziell es ist, alle Perspektiven zusammenzuführen, um ein vollständiges Bild einer Herausforderung zu erhalten und gemeinsam wirksame Lösungen zu finden.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Workshops, Meetings, Retrospektiven |
| Zielgruppe / Größe | Teams / Nicht spezifiziert |
| Dauer | Beobachtung: 30 Sekunden; Gesamt: Nicht spezifiziert |
| Material | Eine Kiste voller unterschiedlich großer, kleiner Gegenstände (z.B. Bilderrahmen, Glas, Portemonnaie, Tasse, Kerze, Flasche); Eine Decke |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Perspektivwechsel aktiv erleben: Die Übung macht greifbar, wie der physische Standpunkt die Wahrnehmung einer Situation verändert.
- Ganzheitliches Problemverständnis: Sie demonstriert, dass wichtige Informationen oder Problemfacetten übersehen werden, wenn nicht alle Blickwinkel berücksichtigt werden.
- Empathie und Wertschätzung fördern: Teams lernen, dass jede Sichtweise ihre Berechtigung hat und zur vollständigen Wahrheit beiträgt.
- Grundlage für kollaborative Lösungen: Erst das 360-Grad-Bild der Herausforderung ermöglicht es dem Team, gemeinsam die bestmöglichen Lösungen zu erarbeiten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vorbereitung des Materials: Plündert ein Kinderzimmer oder eine Rumpelkammer und sammelt eine Kiste voller unterschiedlich großer und kleiner Gegenstände (z.B. Bilderrahmen, Glas, Portemonnaie, Tasse, Kerze).
- Szenerie aufbauen: Legt die gesammelten Gegenstände in einem Haufen in die Mitte des Workshop-Raumes. Wichtig ist, die Sachen nicht nebeneinander, sondern so aufzuhäufen, dass nicht alle Elemente von jeder Seite vollständig sichtbar sind. Deckt den Haufen mit einer Decke ab.
- Teilnehmer platzieren: Alle Teilnehmer setzen sich im Kreis um den abgedeckten Haufen herum.
- Beobachtung freigeben: Entfernt die Decke und gebt den Teilnehmern 30 Sekunden Zeit, um die Szenerie so ausführlich wie möglich zu beobachten und zu beschreiben.
- Szenerie abdecken: Nach den 30 Sekunden wird der Gegenstandshaufen wieder abgedeckt.
- Individuelle Beschreibung: Die Teilnehmer schreiben ihre Beobachtungen und Beschreibungen der Szenerie nieder.
- Perspektiven teilen: Lasst die Teilnehmer nacheinander ihre aufgeschriebenen Beobachtungen vorlesen. Häufig werden sich hier bereits die ersten Unterschiede zeigen (z.B. „Die Tasse stand in der Mitte und rechts daneben eine Kerze“ vs. „Die Flasche stand in der Mitte und links daneben eine Kerze“).
- Diskussion anstoßen: Führt ein Gespräch darüber, wie der Blickwinkel die Wahrnehmung der Anordnung der Elemente beeinflusst. Zeigt auf, dass Elemente, die von einer Seite sichtbar waren, von einer anderen Seite möglicherweise gar nicht gesehen wurden.
- Erkenntnisse vertiefen: Betont, dass es nicht darum geht, eine Sichtweise als „falsch“ abzustempeln, sondern darum, zu erkennen, dass „aus meiner Perspektive zeigt sich das gerade so und so“ und „aus deiner Perspektive zeigt sich das gerade so und so“.
- 360-Grad-Bild schaffen: Arbeitet heraus, dass nur die Kombination aller unterschiedlichen Blickweisen ein vollständiges, 360-Grad-Bild einer Herausforderung liefert und somit die beste Grundlage für eine gemeinsame Lösungsfindung bietet.
- Optionale Erweiterung: Um den Teamgedanken zu stärken, kann eine „Schatzkiste“ integriert werden, deren „Schlüssel“ nur von einer anderen Seite sichtbar ist, um zu zeigen, dass das Problem nur gemeinsam gelöst werden kann.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Ein häufiger Stolperstein ist die Tendenz, eine Sichtweise als „richtig“ und eine andere als „falsch“ zu bewerten. Als Moderator ist es entscheidend, hier frühzeitig einzugreifen und zu betonen, dass es keine universell richtige Perspektive gibt. Fördert stattdessen die Formulierung „Aus meiner Perspektive zeigt sich das gerade so und so…“ und macht deutlich, dass jede Perspektive einen wertvollen Beitrag zum Gesamtbild leistet. Die Aufgabe ist es, alle Puzzleteile zusammenzusetzen, nicht, eines als fehlerhaft zu eliminieren.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum sind unterschiedliche Sichtweisen im Team so wichtig?
Unterschiedliche Sichtweisen sind essenziell, weil sie erst ein vollständiges, sogenanntes „360-Grad-Bild“ einer Herausforderung oder eines Problems ermöglichen. Ohne die Kombination verschiedener Blickwinkel würden wichtige Details oder Aspekte des Systems unentdeckt bleiben, was die Lösungsfindung erschwert.
Wie hilft diese Methode bei der Problemlösung im Team?
Die Methode hilft, indem sie visuell und erlebbar macht, dass jeder Teammitglied aus seiner spezifischen Position und Erfahrung eine andere Facette des Problems wahrnimmt. Dies fördert das Verständnis füreinander und die Erkenntnis, dass komplexe Probleme nur durch die Integration aller Perspektiven umfassend verstanden und gelöst werden können.
Gibt es eine „richtige“ Perspektive auf das Problem?
Nein, die Methode verdeutlicht, dass es keine einzelne „richtige“ Perspektive gibt. Jede Sichtweise ist aus dem jeweiligen Blickwinkel valide. Das Ziel ist nicht, eine Sichtweise als überlegen zu definieren, sondern die Vielfalt der Perspektiven zu nutzen, um ein umfassenderes und objektiveres Gesamtbild zu schaffen.
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