Stärkenpoker – Spielerisch Teamstärken entdecken und priorisieren
TL;DR: Stärkenpoker ist ein von Tobias Ranft entwickeltes Kartenspiel, das Teams dabei hilft, auf spielerische und niedrigschwellige Weise über ihre gegenseitigen Stärken ins Gespräch zu kommen. Es fördert echte Zusammenarbeit und ermöglicht es, durch Handeln und Interagieren wertschätzende Erkenntnisse über individuelle und kollektive Stärken zu gewinnen und zu priorisieren.
Worum geht es?
Tobias Ranft, agiler Coach bei Judith Andresen, stellt in dieser Folge Stärkenpoker vor – ein innovatives Spiel, das er entwickelt hat, um Teams spielerisch in die Diskussion über ihre Stärken zu bringen. Statt über Probleme zu reden, konzentriert sich die Methode darauf, das Miteinander zu stärken und Zusammenarbeit durch positive Zuschreibung und Reflexion zu ermöglichen. Im Spiel wird deutlich mehr und einfacher klar, als im rationalen Überlegen und Diskutieren.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Einsatzgebiet | Kennenlernen und Starten von Teams, Norming- und Performing-Phasen, Teamentwicklung, Workshops, Meetings und Retrospektiven |
| Zielgruppe / Größe | Teams, Führungskräfte. Funktioniert gut zu dritt; ab sechs Personen empfiehlt sich eine Vorbefüllung mit Karten, um schneller ins Spiel zu kommen. |
| Dauer | Nicht spezifiziert |
| Material | Stärkenpoker-Karten (48 Stärkenkarten + 2 leere Karten zum Ergänzen). Verfügbar als Download auf GitHub zum Selberausdrucken. Ein Mural-Template ist vorhanden; ein Miro-Board ist in Arbeit. Haptische Kartensets sollen bis Ende September erhältlich sein. |
| Schwierigkeitsgrad | Niedrigschwellig, sehr intuitiv und einfach |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Fördert das wertschätzende Gespräch über gegenseitige Stärken statt über Probleme.
- Ermöglicht ein spielerisches und niedrigschwelliges Kennenlernen, auch in neuen Teamkonstellationen.
- Schafft Klarheit über vorhandene Stärken im Team und die Wahrnehmung dieser Stärken durch andere.
- Anregung zur Selbstreflexion: Spieler entscheiden, ob sie eine zugewiesene Stärke bei sich sehen.
- Fördert die Priorisierung von Stärken durch das Limit und regt zur Selbstkundgabe an.
- Kann als Variante genutzt werden, um über fehlende, aber benötigte Stärken im Team zu reflektieren.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vorbereitung: Bereite das Spielfeld vor. Im Podcast wird ein 3×3 Raster mit einem Stapel für die Stärkenkarten, einem Ablagestapel und reservierten Feldern für die Spieler beschrieben (z.B. auf einem Mural Board oder Tisch).
- Karte ziehen: Die erste Person zieht eine Stärkenkarte vom Stapel (z.B. „vielfältig“, „verspielt“, „verlässlich“, „verbindend“).
- Karte verteilen: Der Spieler entscheidet, wem aus der Runde er diese Stärke zuteilen möchte. Dies kann auch er selbst sein.
- Begründung hinzufügen: Der Spieler begründet kurz und prägnant, warum er diese Stärke der gewählten Person zuteilt.
- Bestätigung oder Ablehnung: Die Person, die die Karte erhält, kann entweder bestätigen („Ja, das passt zu mir“) oder ablehnen („Nein, das ist nicht meine Karte“). Im Falle einer Ablehnung wird die Karte auf den Ablagestapel gelegt.
- Runde fortsetzen: Das Spiel wird reihum fortgesetzt, wobei die nächste Person (unabhängig davon, ob sie eine Karte erhalten hat) an der Reihe ist, eine neue Karte zu ziehen.
- Limit beachten (optional, aber empfohlen): Wird ein zuvor definiertes Kartenlimit pro Person (z.B. Limit 2) erreicht oder überschritten, muss der Spieler entscheiden, welche der Karten er behält und welche er an eine andere Person weitergibt oder auf den Ablagestapel legt. Dies fördert Priorisierung und Selbstreflexion.
- (Variante für größere Gruppen): Bei größeren Gruppen (ab sechs Spielern) kann das Spiel durch eine Vorbefüllung starten, bei der bereits ein oder zwei Karten zufällig an jeden Spieler ausgeteilt werden, um das Limit schneller zu erreichen und die Priorisierungsphase einzuleiten.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Einsatz in der richtigen Teamphase: Die Methode ist nicht für die „Storming-Phase“ eines Teams geeignet, wenn Konflikte schwelen oder viel Ungesagtes im Raum ist. Sie entfaltet ihren vollen Wert in Phasen des Kennenlernens oder wenn das Team bereits im „Norming“ oder „Performing“ ist und gut miteinander umgehen kann.
Druck beim Zuteilen nehmen: Haben Sie nicht den Anspruch, dass eine Karte unbedingt dorthin geht, wo sie am „meisten“ sein muss. Es geht nicht um Vergleiche oder darum, wer „mehr“ Stärken hat, sondern darum, zu sehen, dass die Stärke bei jemandem wiedergefunden wird. „Ist am Ende ja egal. Mach es erstmal irgendwo hin.“
Das Limit nutzen: Das Kartenlimit (z.B. Limit 2) ist ein entscheidendes Spielelement. Es führt zu Priorisierung, fördert die Selbstkundgabe und verhindert, dass eine Person am Ende mit den meisten Karten „gewinnt“, was dem wertschätzenden Charakter des Spiels widersprechen würde.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele Stärkenkarten gibt es im Spiel Stärkenpoker?
Es gibt insgesamt 48 vorgegebene Stärkenkarten. Zusätzlich sind in der Ausgabe zum Selberausdrucken zwei freie Karten enthalten, die für eigene Ergänzungen genutzt werden können.
Kann ich Stärkenpoker auch online mit meinem Team spielen?
Ja, Stärkenpoker kann hervorragend online gespielt werden. Es gibt ein vorbereitetes Mural-Template. Ein Miro-Board ist in Arbeit und soll zeitnah verfügbar sein. Die Materialien zum Selberausdrucken sind ebenfalls online verfügbar.
Wo finde ich die Materialien und weitere Informationen zum Stärkenpoker?
Alle Materialien, inklusive der Druckbögen zum Selberausdrucken und Informationen zur Weiterentwicklung, finden sich im GitHub-Repository von Tobias Ranft. Die Links werden in den Shownotes zur Episode bereitgestellt. Eine haptische Version der Karten soll bis Ende September verfügbar sein.
Darf ich die Regeln oder Karten des Stärkenpokers anpassen und weiterentwickeln?
Absolut! Stärkenpoker ist unter einer Creative Commons Lizenz frei verfügbar. Du bist explizit dazu eingeladen, die Quellen herunterzuladen, dich an der Weiterentwicklung zu beteiligen, eigene Varianten oder neue Eigenschaften zu ergänzen oder Anmerkungen zum Regelwerk zu machen.
Der Kopf hinter dem Impuls
Tobias Ranft ist agiler Coach bei der Beratung Judith Andresen. Er begleitet Teams und Führungskräfte in der Frage, wie sie in echte Zusammenarbeit finden und diese ermöglichen können. Seine Leidenschaft gilt dem spielerischen Ansatz, da im Handeln und Intervenieren deutlich mehr und einfacher klar wird als im Diskutieren. Er ist der Entwickler des Stärkenpokers.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Stärkenpoker spielen mit Tobias Ranft
Spielend erleben, was uns als Team ausmacht – das ist möglich mit Stärkenpoker. Erfinder des Kartenspiels ist Tobias, der heute wieder im Methoden Montag ist und uns alles zum Stärkenpoker erzählt. Link zu GitHub: https://github.com/devtop/capability-poker