Restorative Circles – Konflikte klären und nachhaltig lösen
TL;DR: Restorative Circles sind eine strukturierte Methode, um Konflikte in Teams durch die Einbeziehung aller Betroffenen zu klären und nachhaltig zu lösen. Sie ermöglichen es, hinter den Konflikt zu blicken und Bedürfnisse sowie Gefühle sichtbar zu machen, um konkrete Lösungspläne zu erarbeiten und die Zusammenarbeit zu verbessern.
Worum geht es?
Im heutigen Methodenmontag tauchen wir tief in eine wirkungsvolle Methode ein, die Teams dabei hilft, Konflikte nicht nur oberflächlich zu behandeln, sondern sie von Grund auf zu klären und nachhaltig zu lösen: die Restorative Circles. Gast Dana Hoffmann stellt uns diese Profimethode vor, die weit über herkömmliche Konfliktmanagementansätze hinausgeht und alle Beteiligten aktiv in den Lösungsprozess einbezieht. Es geht darum, den „Nebel wegzupusten“ und die eigentlichen Ursachen von Konflikten sichtbar zu machen.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Konfliktklärung und -lösung in Teams oder anderen Gruppenkonstellationen, die von einem Konflikt direkt oder indirekt betroffen sind. |
| Zielgruppe / Größe | Teams; alle direkt oder indirekt vom Konflikt betroffenen Personen sowie jene, die zur Klärung beitragen möchten (z.B. Betriebsrätin, Betriebsratsmitglied). |
| Dauer | Pre-Circles: Nicht spezifiziert; Main Circle: 2-4 Stunden (bei Bedarf kann ein weiterer Kreis einberufen werden); Post-Circle: Nach ca. 8 Wochen. |
| Material | Stuhlkreis. Nicht spezifiziert darüber hinaus. |
| Schwierigkeitsgrad | Level 3 (Profimethode). Erfordert erfahrene Faszilitatoren mit Hintergrund in Mediation, Coaching-Ausbildung oder bedürfnisorientierter/gewaltfreier Kommunikation. |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Ermöglicht eine nachhaltige Konfliktlösung, indem die tieferliegenden Bedürfnisse, Ängste, Vorurteile und Gefühle aller beteiligten Personen geklärt werden.
- Schafft einen geschützten Raum, in dem auch hitzige Emotionen erlaubt sind und sich das System selbst regulieren kann.
- Bezieht alle relevanten Stakeholder ein, die direkt oder indirekt vom Konflikt betroffen sind oder zur Lösung beitragen können.
- Führt zur Erarbeitung konkreter und getragener Handlungs- oder Lösungspläne, deren Umsetzung im Post-Circle überprüft wird.
- Fördert eine tiefgreifende Verständigung und verbessert die zukünftige Zusammenarbeit im Team.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Pre-Circles: Einzelgespräche mit der Person, die den Kreis einberufen möchte. Dies kann jemand sein, der etwas gesagt/getan hat, dem etwas gesagt/getan wurde, oder ein Beobachter, der indirekt betroffen ist. In diesen Pre-Circles wird erfragt, wer aus Sicht der betroffenen Partei zur Klärung der Angelegenheit unbedingt anwesend sein muss. Die Teilnahme an den nachfolgenden Kreisen ist freiwillig.
- Main Circle: Alle benannten Personen kommen in einem Stuhlkreis zusammen. Der Faszilitator sorgt dafür, dass der Dialogprozess läuft und der Raum gehalten wird. Es gibt keine festen Gesprächsregeln; das System reguliert sich selbst. Der Faszilitator stellt nur gezielte Fragen (z.B. „An wen ist das gerichtet?“, „Was ist bei dir angekommen?“), um sicherzustellen, dass die Kommunikation verstanden wird und alle Aspekte des Konflikts auf den Tisch kommen. Ziel ist es, einen Lösungs- oder Handlungsplan zu erarbeiten.
- Post-Circle: Etwa acht Wochen nach dem Main Circle findet ein erneutes Treffen mit allen Teilnehmern statt. Hier wird überprüft, ob die im Main Circle erarbeiteten Lösungs- oder Handlungspläne noch passen oder ob Nachsteuerungsbedarf besteht.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Restorative Circles sind eine intensive Methode, die trotz ihrer scheinbaren Einfachheit („Stuhlkreis“) viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordert. Ein zentraler Stolperstein ist die Rollenverteilung: Der Faszilitator darf unter keinen Umständen Teil des betroffenen Systems sein, um Neutralität zu gewährleisten. Idealerweise sind in einem Unternehmen mehrere Personen auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Teams dafür ausgebildet, sodass sie sich gegenseitig faszilitieren können, oder es wird eine externe Unterstützung hinzugezogen.
Als Faszilitator ist es die Hauptaufgabe, den Raum zu halten und sicherzustellen, dass der Dialogprozess weiterläuft, ohne aktiv in den Inhalt oder die Art der Kommunikation einzugreifen – auch wenn es laut wird oder Emotionen hochkochen. Der geschützte Rahmen erlaubt es, dass „alles passieren darf“. Die Stärke der Methode liegt darin, dass sich das System selbst reguliert und die Klarheit der Kommunikation durch gezielte Nachfragen des Faszilitators sichergestellt wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sind Restorative Circles?
Restorative Circles sind eine Methode zur umfassenden Klärung und nachhaltigen Lösung von Konflikten in Teams. Sie bestehen aus mehreren Phasen (Pre-, Main- und Post-Circles) und beziehen alle direkt und indirekt betroffenen Personen ein, um die Ursachen und Emotionen hinter einem Konflikt aufzudecken.
Wie lange dauert ein Restorative Circle im Schnitt?
Der zentrale Main Circle dauert in der Regel zwischen zwei und vier Stunden. Längere Sitzungen sind aufgrund der Intensität selten; bei Bedarf würde ein zweiter Main Circle einberufen werden. Pre- und Post-Circles sind zusätzliche Termine.
Wer kann einen Restorative Circle faszilitieren?
Die Faszilitation sollte von einer neutralen Person übernommen werden, die nicht Teil des Konflikts oder des direkt betroffenen Systems ist. Es wird eine fundierte Ausbildung (z.B. Mediator, Coach) und Erfahrung mit bedürfnisorientierter Kommunikation als „Level 3 Profimethode“ vorausgesetzt.
Gibt es feste Gesprächsregeln im Main Circle?
Nein, es gibt keine festen Gesprächsregeln im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation oder ähnlichem. Das System und der Prozess sollen sich selbst regulieren. Die Rolle des Faszilitators ist es, den Raum zu halten und mit gezielten Fragen den Dialog aufrechtzuerhalten, ohne den Inhalt zu steuern.
Der Kopf hinter dem Impuls
Dana Hoffmann ist Moderatorin, Teamcoach, Teamentwicklerin und systemische Organisationsentwicklerin. Sie ist auf vielen Bühnen unterwegs und Co-Autorin des Buches über Restorative Circles, gemeinsam mit Hendrik Mustert. Ihre Expertise liegt in der Begleitung von Teams und Organisationen bei der Klärung und Lösung komplexer Themen.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Restorative Circles mit Dana Hoffmann
Diese Kreise lösen alle deine Konflikte auf: Dana bringt uns in der heutigen Episode eine Methode mit um den Nebel wegzupusten und die Zusammenarbeit zu verbessern.