Lösungsauswahl mit der Widerstandsabfrage – Schnelle Entscheidungen in Retrospektiven
TL;DR: Die Widerstandsabfrage ist eine effektive Methode für Retrospektiven, um schnell eine Lösungsidee zu identifizieren, die den geringsten Widerstand im Team hervorruft. Sie löst das Problem endloser Diskussionen und ermöglicht eine zügige Umsetzung von Maßnahmen durch interaktive Abstimmung und sofort sichtbare Ergebnisse.
Worum geht es?
In der vierten Phase einer Retrospektive – „Decide what to do“ – steht das Team vor der Herausforderung, aus gesammelten Lösungsideen die besten für die Umsetzung auszuwählen. Insbesondere in Remote-Retrospektiven bietet sich hier die Chance, Abstimmungen interaktiv zu gestalten und Ergebnisse unmittelbar sichtbar und lebendig werden zu lassen. Die Widerstandsabfrage nutzt diesen Vorteil, um festzustellen, welche Idee nicht nur auf Zustimmung trifft, sondern vor allem den geringsten Widerstand innerhalb des Teams hervorruft.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Entscheidungsfindung in Retrospektiven, besonders bei der Auswahl von Lösungsansätzen. |
| Zielgruppe / Größe | Teams |
| Dauer | Nicht spezifiziert |
| Material | Geschertes Dokument (z.B. Word, Excel), interaktive Umfragetools (z.B. Mentimeter, Microsoft Forms). |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Abstimmungsergebnisse sind sofort sichtbar und „fühlen sich lebendig an“, was die Interaktion fördert.
- Vermeidet lange und festgefahrene Diskussionen über einzelne Maßnahmen.
- Hilft Teams, die sich im „Storming“ befinden, schnell ein Erfolgserlebnis zu erzielen.
- Jedes Teammitglied hat die Möglichkeit, Bedenken und Widerstände klar zu äußern und gehört zu werden.
- Führt zu einem klaren Bild, welche Idee den geringsten Widerstand hat und direkt umgesetzt werden kann.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Ideen sammeln: Erfasst alle gesammelten Lösungsideen, beispielsweise in einem gescherten Dokument oder einem Umfragetool.
- Widerstand abfragen: Jedes Teammitglied bewertet für jede Lösungsidee, wie viel Widerstand es dagegen empfindet. Nutzt dabei eine Skala von 1 bis 10:
- 1: Ganz wenig Widerstand – die Idee wird locker durchgewunken.
- 10: Maximaler Widerstand – „eher würde ich meine Kündigung einreichen, als dass wir das ausprobieren.“
- Ergebnisse sichtbar machen: Die individuellen Bewertungen werden aggregiert und die Ergebnisse der Widerstandsabfrage umgehend sichtbar gemacht (z.B. als Diagramm im Umfragetool).
- Entscheidung treffen: Die Lösungsidee mit dem geringsten Widerstand wird ausgewählt und zur Umsetzung priorisiert.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Die Methode bietet Raum, starke Ablehnung (eine „10“) auszudrücken. Dies ist wichtig, damit sich alle gehört fühlen. Sollte es bei einer Idee nur eine oder wenige Personen mit sehr hohem Widerstand geben, kann dies zu einem Umdenken führen, wenn klar wird, dass der Rest des Teams die Idee durchaus für gut befindet. Ein hoher Widerstand kann aber auch ein Indikator für ein bisher unbedachtes, verdammt gutes Argument sein, das die anderen noch nicht erkannt haben. Es ist entscheidend, den Raum für diese Argumente zu öffnen, auch wenn die Abstimmung selbst verdeckt erfolgt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet ein Widerstandswert von 1?
Ein Widerstandswert von 1 bedeutet, dass es kaum Widerstand gegen die Idee gibt und sie problemlos akzeptiert wird.
Was bedeutet ein Widerstandswert von 10?
Ein Wert von 10 signalisiert den höchstmöglichen Widerstand; die betreffende Person lehnt die Idee vehement ab.
Kann diese Methode nur remote angewendet werden?
Nein, die Methode der Widerstandsabfrage kann sowohl in Remote- als auch in analogen Retrospektiven angewendet werden.
Welche Tools eignen sich für die Durchführung der Methode im Remote-Kontext?
Für die Remote-Anwendung eignen sich geschärfte Dokumente (wie Word oder Excel) oder interaktive Umfragetools wie Mentimeter, Microsoft Forms oder ähnliche.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Remote Retro Special #4 – Decide what to do
Wie können wir spannende Retrospektiven gestalten, wenn alle Teilnehmenden im Homeoffice sind? Indem wir die Bedingungen nicht als Einschränkung wahrnehmen, sondern als Chance. Was das für „Decide what to do“, die vierte Phase der Retro bedeutet, erfahrt ihr in dieser Folge.
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