Remote Retro Special #3 – Generate Insights

„Wenn ich du wäre“ – Erkenntnisse gewinnen in Remote Retrospektiven

TL;DR: Die Methode „Wenn ich du wäre“ ist ein innovativer Ansatz für Remote Retrospektiven, um in der Phase „Erkenntnisse gewinnen“ effektiv die Kernprobleme zu identifizieren. Sie nutzt die Vorteile der digitalen Umgebung, indem sie Teams ermöglicht, asynchron die Fremdwahrnehmung über eigene Herausforderungen zu erarbeiten, zu bewerten und so schnell zu konkreten Lösungsansätzen zu kommen.

Worum geht es?

In der dritten Phase einer Retrospektive, dem „Generate Insights“, hakt es oft. Besonders in Remote-Szenarien kann dies eine Herausforderung sein. Doch genau hier bietet das digitale Umfeld unerwartete Vorteile, die über herkömmliche Retros hinausgehen: unbegrenzte virtuelle Räume, Platz für Dokumentation und die Möglichkeit zur asynchronen Zusammenarbeit. Die Methode „Wenn ich du wäre“ macht sich diese Vorteile zunutze, um Teams auf neue Weise die Augen für bestehende Probleme zu öffnen.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Retrospektiven, insbesondere die Phase „Generate Insights“
Zielgruppe / Größe Teams und ihre Unterteams (z.B. QA, Backend, Frontend, Product Owner)
Dauer Asynchron über einen Zeitraum von mehreren Tagen möglich
Material Virtuelle Meetingräume, geteilte Dokumente (z.B. Word-Dokumente), Whiteboards, Dokumentationsmöglichkeiten (Videos, Gigabytes an Daten)
Schwierigkeitsgrad Nicht spezifiziert

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Optimaler Remote-Einsatz: Nutzt die Stärken der Remote-Umgebung voll aus, anstatt sie als Einschränkung zu sehen – durch die Möglichkeit unbegrenzter virtueller Räume, Dokumentationsmöglichkeiten und flexible Zeitfenster.
  • Asynchrone Arbeitsweise: Erlaubt Teams, Teile der Retrospektive zeitversetzt zu bearbeiten, was besonders für verteilte oder zeitsouveräne Teams vorteilhaft ist.
  • Schnelle Kernproblem-Identifikation: Ermöglicht eine zügige und tiefgehende Identifikation der Wurzel des Problems, indem die Fremdwahrnehmung von anderen Teams gespiegelt wird.
  • Gezielte Lösungsfindung: Fördert die gemeinsame Lösungsentwicklung durch ein klares Verständnis der gegenseitigen Perspektiven und Problembereiche.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Unterteams identifizieren: Der Moderator (Scrum Master) ermittelt die verschiedenen Unterteams innerhalb des Hauptteams (z.B. QA, Backendentwickler, Frontendentwickler, Product Owner).
  2. Problem benennen: Das gesamte Team einigt sich auf ein übergeordnetes Thema oder Problem, das in der Retrospektive behandelt werden soll (z.B. „Wir haben unser Sprintziel gerissen“).
  3. Fremdwahrnehmung antizipieren (Phase 1, asynchron): Jedes Unterteam zieht sich in seinen virtuellen Meetingraum zurück. Dort überlegt es, was die anderen Unterteams wohl über ihre Rolle im Kontext des Problems denken würden. (Beispiel: Frontendentwickler überlegen, was die QA, die Backendentwickler und die Product Owner über die Frontend-Arbeit denken würden.)
  4. Ergebnisse dokumentieren: Die gesammelten Annahmen werden in einem geteilten Dokument (z.B. Word-Dokument) festgehalten, wobei jedes Team seine Einschätzungen über die anderen Teams notiert.
  5. Fremdwahrnehmung spiegeln (Moderator-Aufgabe): Der Moderator (Scrum Master) sammelt die Thesen der Unterteams und verteilt sie umgekehrt. Das bedeutet, was Team A über Team B gedacht hat, wird in das Dokument von Team B eingefügt. Jedes Team erhält so gespiegelt, was die anderen Teams über es denken.
  6. Bewertung der Fremdwahrnehmung (Phase 2, asynchron): Jedes Unterteam diskutiert intern die gespiegelten Punkte und bewertet jeden Punkt auf einer Skala von 0 (überhaupt kein Problem) bis 10 (tatsächlich ein Problem). Das Team einigt sich auf eine gemeinsame Bewertung.
  7. Ergebnisse präsentieren und Lösungen erarbeiten (synchron/asynchron): Die Unterteams kommen wieder im großen Raum (virtuell) zusammen und präsentieren ihre bewerteten Punkte. Es wird diskutiert, welche Punkte tatsächlich Kernprobleme sind und wie gemeinsam Lösungen dafür gefunden werden können. Dies kann synchron oder durch weitere asynchrone Arbeit in kleineren Gruppen erfolgen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welches Problem löst die Methode „Wenn ich du wäre“?

Die Methode löst das häufige Problem, in der „Generate Insights“-Phase von Retrospektiven die tatsächlichen Kernprobleme zu erkennen. Sie ermöglicht es Teams, eine effektive Selbstreflexion durch die Brille der Fremdwahrnehmung durchzuführen, insbesondere in Remote-Umgebungen.

Wie nutzt diese Methode die Vorteile von Remote-Settings?

Sie nutzt die unbegrenzte Verfügbarkeit virtueller Räume, unendlich viel digitalen Platz für Dokumentation (Whiteboards, Shared Docs, Videos) und die Flexibilität asynchroner Arbeitsweisen. Dies erlaubt es, komplexe Diskussionen in Kleingruppen zu führen und über einen längeren Zeitraum zu verteilen.

Kann die Methode vollständig asynchron durchgeführt werden?

Ja, wesentliche Teile der Methode, wie das Antizipieren der Fremdwahrnehmung und das Bewerten der gespiegelten Punkte, können von den Unterteams völlig asynchron und zeitversetzt über mehrere Tage hinweg durchgeführt werden. Nur die finale Abstimmung und Lösungsfindung kann synchron oder ebenfalls in Teilen asynchron erfolgen.

Was ist die Rolle des Scrum Masters bei dieser Methode?

Der Scrum Master agiert als Moderator und Koordinator. Er identifiziert die Unterteams, sorgt für die Bereitstellung der geteilten Dokumente und ist dafür verantwortlich, die von den Teams formulierten Thesen über die anderen Teams korrekt in die entsprechenden Dokumente zu kopieren, um die Fremdwahrnehmung zu spiegeln.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Remote Retro Special #3 – Generate Insights

Wie können wir spannende Retrospektiven gestalten, wenn alle Teilnehmenden im Homeoffice sind? Indem wir die Bedingungen nicht als Einschränkung wahrnehmen, sondern als Chance. Was das für Generate Insights, die dritte Phase der Retro bedeutet, erfahrt ihr in dieser Folge.

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