Safe Space Station Simulation – Psychologische Sicherheit im Team erlebbar machen
TL;DR: Die Safe Space Station Simulation ist eine spielerische Methode, um psychologische Sicherheit für Teams erfahrbar zu machen. Unter künstlich erzeugtem Druck müssen die Teilnehmenden Werkzeuge nachbauen und lernen dabei, welche Auswirkungen Offenheit und Hilfsbereitschaft auf den Teamerfolg haben.
Worum geht es?
Psychologische Sicherheit – ein Herzensthema vieler agiler Coaches und Führungskräfte – ist oft schwer greifbar. Es geht darum, dass sich Menschen frei fühlen, ihre Meinungen, Ideen und Bedenken ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu äußern. Doch wie macht man dieses theoretische Konzept in der Praxis erlebbar? Lana Knödler von WIAD Spark bringt eine innovative Lösung mit: die “Safe Space Station Simulation”. Statt Fragebögen oder theoretischer Beispiele tauchen Teams in eine fiktive, druckvolle Situation ein, die ihnen aktiv vor Augen führt, wie psychologische Sicherheit im Arbeitsalltag entsteht oder untergraben wird.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Workshops (vor Ort), Teamentwicklung, Führungskräfteentwicklung |
| Zielgruppe / Größe | Teams, Führungskräfte, Menschen, die sich noch nie gesehen haben; 6 bis 8 Mitspielende pro Tisch |
| Dauer | Simulation: 45 Minuten, Reflexion: 45 Minuten bis 1 Stunde |
| Material | Spielplan (Umriss von Werkzeugen), kleine Plättchen (Dreiecke in verschiedenen Farben und Größen), Sauerstoffplättchen. Material kostenfrei online herunterladbar und zum Basteln gedacht. |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Psychologische Sicherheit wird nicht nur theoretisch besprochen, sondern direkt erlebbar und fühlbar.
- Teams erkennen aktiv, wie ihr eigenes Verhalten (z.B. bei Fehlern oder Hilfsanfragen) die Teamdynamik und den Erfolg beeinflusst.
- Die Simulation fördert die Reflexion über den Umgang mit Unsicherheit und die Bereitschaft, sich der Gruppe gegenüber zu „outen“.
- Sie verdeutlicht, dass ein psychologisch sicherer Raum kein Zufallsprodukt ist, sondern aktives Engagement und positive Reaktionen erfordert.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Einführung in die Story: Stelle die Hintergrundgeschichte vor: Ein Forscherteam arbeitet auf der Raumstation “Safe Space Station”. Durch einen Meteoriteneinschlag ist ein Leck entstanden, Sauerstoff entweicht, und die Zeit wird knapp. Um das Leck zu schließen, müssen Werkzeuge nachgebaut werden. Eine Notfallkapsel steht als letzte Option zur Verfügung, um ein Trauma zu vermeiden.
- Vorbereitung und Rollenverteilung: Platziere die Spielmaterialien (Spielplan mit Werkzeugumriss, kleine Dreiecksplättchen, Sauerstoffplättchen) in der Mitte. Benenne eine Teamleitung und eine Spielleitung für jede Gruppe von sechs bis acht Mitspielenden. Die Spielmaterialien sollten zuvor ausgedruckt und gebastelt werden.
- Start der Simulation (Rundenbasiert): Die Simulation läuft in mehreren Runden, die jeweils sieben Minuten dauern. Die Spielleitung überwacht den Sauerstoffvorrat. In der ersten Runde dürfen sich die Teilnehmenden nicht absprechen.
- Aktionen im Spiel: Jeder Spielende muss eine Aktion pro Zug ausführen. Die primäre Aktion ist das Legen von Plättchen, um die Werkzeuge auf dem Spielplan nachzubauen (basiert auf Tangram). Wenn ein Spielender nicht weiterweiß, hat er folgende Optionen, die aber Sauerstoff kosten:
- Spielplan nochmals sehen: Um sich an die korrekte Anordnung zu erinnern.
- Gruppe fragen: Um Hilfe oder Ideen von den anderen zu erhalten.
- Korrigieren: Einen offensichtlichen Fehler eines Mitspielers ansprechen und korrigieren (dies ist die teuerste Option im Spiel).
- Umgang mit Druck: Die Simulation ist so konzipiert, dass die Runden meist nicht vollständig geschafft werden können und der Sauerstoff begrenzt ist, was einen stetigen Druck erzeugt. Das “Outen” von Unsicherheit zu Beginn des Spiels, wenn noch wenig Sauerstoff verbraucht wurde, erzeugt soziale Konsequenzen und macht die psychologische Unsicherheit spürbar.
- Reflexion und Transfer: Nach 45 Minuten Spielzeit folgt eine 45-minütige bis einstündige Reflexionsphase. Nutze die unterstützenden Fragen aus der Anleitung, um folgende Punkte zu beleuchten:
- Wie hat die Gruppe reagiert, als jemand sich unsicher zeigte oder einen Fehler zugab? Gab es Stöhnen, Humor oder aktive Hilfe?
- Welche Mechanismen haben die Gruppe daran gehindert, sich gegenseitig zu helfen oder offen zu kommunizieren?
- Welche Parallelen gibt es zum Arbeitsalltag? Was bedeutet es, dass „nicht anschreien“ nicht ausreicht und aktive Beiträge zur psychologischen Sicherheit notwendig sind?
- Wie können Teams und Führungskräfte aktiv einen sicheren Raum schaffen, in dem das Äußern von Bedenken und Fehlern gefördert wird?
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Die Spielleitung hat die Möglichkeit, den Druck im Spiel durch die Menge des zur Verfügung gestellten Sauerstoffs oder die Komplexität der Aufgaben (in späteren Runden) zu skalieren. Bei Gruppen, die sehr gut eingespielt sind, kann der Druck erhöht werden, um die Erfahrung der Herausforderung zu gewährleisten. Bei Gruppen, bei denen man bereits beim Reinkommen Widerstände vermutet, kann der Druck reduziert werden, um einen sanfteren Einstieg zu ermöglichen. Eine weitere Option zur Steigerung des Drucks ist der Einsatz von zeitkritischer Musik im Hintergrund.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was genau bedeutet psychologische Sicherheit in der Simulation?
Psychologische Sicherheit bedeutet in der Simulation, dass sich die Teilnehmenden trauen, zuzugeben, wenn sie nicht weiterwissen, oder Fehler anderer zu korrigieren, ohne negative Konsequenzen (wie den Verlust von Sauerstoff oder soziale Ablehnung) zu fürchten. Die Simulation macht erlebbar, welche Kosten entstehen, wenn dies nicht der Fall ist.
Ist die Safe Space Station Simulation auch online spielbar?
Aktuell ist die Simulation für einen Workshop vor Ort konzipiert. Eine Online-Version existiert noch nicht, könnte aber bei Interesse entwickelt werden.
Wo finde ich die Materialien für die Safe Space Station Simulation?
Die Spielmaterialien können kostenfrei heruntergeladen werden. Die genaue Quelle wird in den Show Notes der Podcast-Folge erwähnt, ist aber im Transkript nicht spezifisch benannt.
Wie viele Personen können an der Simulation teilnehmen?
Pro Spieltisch werden sechs bis acht Mitspielende empfohlen, zusätzlich eine Teamleitung und eine Spielleitung.
Der Kopf hinter dem Impuls
Lana Knödler ist Teil des Kernleitungsteams bei WIAD Spark. Sie berät im Bereich Organisationsentwicklung und ist in den Bereichen Transformation und Innovationsmanagement tätig. Ihr ist es besonders wichtig, gemeinsam mit Menschen zu verstehen, was sie brauchen, um gut arbeiten zu können, und Organisationen hin zu lebendigen Systemen zu begleiten.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Psychologische Sicherheit erlebbar machen mit Lana Knödler
In dieser Episode dreht sich alles um psychologische Sicherheit – und wie man sie für Teams erfahrbar macht. Gemeinsam mit Lana Knödler tauchen Jan und Florian in eine innovative Simulation ein, bei der Teams auf einer Raumstation unter Zeitdruck Werkzeuge bauen müssen. Warum diese spielerische Methode mehr bewirkt als jeder Fragebogen, erfährst du in dieser Folge.