Scheinriesen im Team formulieren – Psychologische Sicherheit durch Angstbewältigung
TL;DR: Die Methode „Scheinriesen im Team formulieren“ hilft Teams, diffuse Ängste zu verbalisieren und in handhabbare Sorgen umzuwandeln. Indem Teammitglieder ihre Bedenken in einem geschützten Rahmen teilen, schaffen sie psychologische Sicherheit, stärken den Zusammenhalt und entwickeln gemeinsame Handlungsoptionen.
Worum geht es?
Psychologische Sicherheit ist ein essenzielles Fundament für effektive Teamarbeit. Sie beschreibt einen Zustand, in dem Teammitglieder sich sicher fühlen, Kritik zu äußern, Bedenken mitzuteilen und Fragen zu stellen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Dieses Konzept, maßgeblich geprägt durch Amy Edmondsons Buch „The Fearless Organization“ und von Studien wie der Google-Untersuchung „Project Aristotle“ untermauert, fördert nicht nur das Wohlbefinden im Team, sondern auch die Innovationsfähigkeit und Problemlösungskompetenz. Es geht nicht um Konfliktfreiheit, sondern um die Fähigkeit, angstfrei miteinander zu kommunizieren und Bedenken wertschätzend zu behandeln. Eine bewährte Methode, um diese Sicherheit zu schaffen, ist das Formulieren von „Scheinriesen“ – diffusen Ängsten, die bei näherer Betrachtung ihre Bedrohlichkeit verlieren.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Retrospektiven, Teamentwicklung, Workshops zur Stärkung der psychologischen Sicherheit |
| Zielgruppe / Größe | Teams (erfordert eine bereits enge Bindung zum Team für die volle Wirksamkeit) |
| Dauer | Nicht spezifiziert |
| Material | Nicht spezifiziert |
| Schwierigkeitsgrad | Hoch (erfordert eine enge Bindung zum Team und die Fähigkeit des Moderators, die Situation zu halten). Alternativ gibt es niedrigschwelligere Einstiege. |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Transformation von Ängsten zu Sorgen: Durch das Verbalisieren verlieren diffuse Ängste an Macht und werden zu rational erklärbaren Sorgen, mit denen das Team besser umgehen kann.
- Stärkung des Zusammenhalts: Das Erkennen gemeinsamer Ängste oder die Erkenntnis, dass jeder im Team Ängste hat, schafft eine neue Ebene der Verbundenheit und psychologischen Sicherheit.
- Förderung offener Kommunikation: Die Methode etabliert einen sicheren Raum für das Äußern von Zweifeln und Unsicherheiten, was zu einer transparenten und wertschätzenden Feedback-Kultur führt.
- Gemeinsame Problemlösung: Sichtbar gemachte Unsicherheiten ermöglichen es dem Team, gemeinsam Handlungsoptionen zu entwickeln und proaktiv auf Herausforderungen zu reagieren.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vorbereitung eines Safe Space: Schaffen Sie in einer Retrospektive oder einem Team-Meeting einen geschützten Rahmen, in dem Offenheit und Vertrauen gefördert werden. Die „Gather Data“-Phase einer Retrospektive ist hierfür ideal.
- Fragestellung zur Identifizierung der Scheinriesen: Stellen Sie dem Team die Frage: „Was macht mir gerade Angst?“ oder „Was erzeugt in mir ein schlechtes Gefühl?“. Ermutigen Sie die Teammitglieder, ihre persönlichen „Scheinriesen“ zu identifizieren.
- Verbalisieren und Teilen der Ängste: Lassen Sie jedes Teammitglied seine Ängste formulieren und im Team teilen. Schon das Aussprechen einer Angst kann deren bedrohliche Wirkung reduzieren.
- Erkennen von Gemeinsamkeiten und Validierung: Achten Sie auf ähnliche Ängste oder Bedenken im Team. Die Erkenntnis, dass andere ähnliche Gefühle teilen, schafft eine gemeinsame Basis und reduziert das Gefühl der Isolation. Selbst bei unterschiedlichen Ängsten wird die Gemeinsamkeit geschaffen, dass jeder Ängste hat.
- Transformation und Handlungsoptionen: Unterstützen Sie das Team dabei, die formulierten Ängste (Scheinriesen) in konkrete Sorgen umzuwandeln. Diskutieren Sie gemeinsam, welche Handlungsoptionen existieren, um mit diesen Sorgen umzugehen.
- (Optional) Niedrigschwelligere Alternativen: Für Teams mit weniger ausgeprägter psychologischer Sicherheit oder bei frischen Teams können Fragen wie „Das habe ich gelernt“ oder „Das verstehe ich nicht“ einen guten Einstieg bieten, um Offenheit zu fördern.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Die Methode, „Scheinriesen im Team“ zu formulieren, ist sehr mächtig und erfordert eine hohe Sensibilität des Moderators. Es ist entscheidend, dass der Moderator eine enge Bindung zum Team hat und die Fähigkeit besitzt, die Situation zu halten – also auch mit starken Emotionen umgehen und einen sicheren Rahmen gewährleisten zu können. Bei frisch gebildeten Teams oder wenn das Vertrauenslevel noch nicht ausreichend hoch ist, empfiehlt es sich, mit niedrigschwelligeren Fragen zu starten. Alternativen wie „Das habe ich gelernt“ oder „Das verstehe ich nicht“ reduzieren die Hürde für die Offenbarung von Unsicherheiten und können schrittweise den Weg für tiefere Auseinandersetzungen mit Ängsten ebnen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was genau bedeutet psychologische Sicherheit?
Psychologische Sicherheit ist ein Zustand, in dem sich Teammitglieder sicher fühlen, Risiken einzugehen, Fehler zuzugeben, Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern, ohne Angst vor Bestrafung oder negativen Konsequenzen. Es geht darum, dass die eigenen Bedenken wertgeschätzt werden und eine angstfreie Kommunikation möglich ist.