Krisenmanagement eines Sozialunternehmens: Hinz & Kunzt in der Corona-Krise – Überleben und Ankommen
TL;DR: Das Hamburger Straßenmagazin „Hinz & Kunzt“ berichtet über die radikalen Veränderungen durch die Corona-Pandemie. Chefredakteurin Birgit Müller schildert die Herausforderungen bei Redaktion, Vertrieb und der Aufrechterhaltung des Kontakts zu den Verkäufern sowie die Entwicklung kreativer Lösungen, um die existenzielle Not der Obdachlosen zu lindern.
Worum geht es?
Die Corona-Kise stellt Organisationen weltweit vor beispiellose Herausforderungen. Besonders betroffen sind Sozialunternehmen, die auf direkten Kontakt und öffentliche Präsenz angewiesen sind. In dieser Episode sprechen wir mit Birgit Müller, Chefredakteurin des Hamburger Straßenmagazins „Hinz & Kunzt“, darüber, wie ihr Team und die 530 Verkäufer – oft Obdachlose oder ehemals Obdachlose – von der Krise getroffen wurden. Sie gibt Einblicke, wie das Magazin auf die erzwungene Schließung von Redaktion und Vertrieb reagierte und welche innovativen Ansätze entwickelt wurden, um sowohl die journalistische Arbeit als auch die Unterstützung der Verkäufer aufrechtzuerhalten.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Krisenmanagement, Sozialunternehmertum, Redaktionelle Arbeit, Vertrieb in Notzeiten |
| Zielgruppe / Größe | Sozialunternehmen, Redaktionsteams, Non-Profit-Organisationen, Vertriebsmitarbeiter; ca. 530 Verkäufer und Redaktionsteam |
| Dauer | Langfristige Anpassung (Corona-Pandemie) |
| Material | Telefonkonferenzen (Skype), Online-Magazin, Corona-Fonds, Schutzmechanismen (Exit-Strategie) |
| Schwierigkeitsgrad | Hoch (radikales Umdenken und Umbauen erforderlich) |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Verständnis für die Dringlichkeit und Vielschichtigkeit von Krisen im Sozialbereich.
- Erkenntnisse über die Anpassung von Printmedien an digitale Kanäle unter Druck.
- Beispiele für die schnelle Etablierung von Solidaritäts- und Hilfsfonds.
- Einblick in die Herausforderungen und Bedeutung der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte und Strukturen für vulnerable Gruppen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Sofortige Maßnahmen ergreifen: Nach der Merkel-Rede Redaktion und Verkauf schließen, um die Sicherheit zu gewährleisten, trotz der schweren Auswirkungen auf die Verkäufer.
- Interne Kommunikation anpassen: Tägliche Skype-Telefonkonferenzen um 10 Uhr für das gesamte Redaktionsteam einführen, um Themen zu besprechen und den Austausch zu sichern.
- Digitale Präsenz stärken: Das Print-Magazin online stellen, um es weiterhin zugänglich zu machen und Spenden zu generieren, auch wenn der Download zunächst nicht den erhofften Erfolg brachte.
- Neue Rollen und Zuständigkeiten schaffen: Einen „Online-CVD“ (Chef vom Dienst) zusätzlich zum Print-CVD etablieren, um der gestiegenen Bedeutung der Online-Nachrichten gerecht zu werden.
- Solidarität und Hilfsfonds initiieren: Einen Corona-Fonds auflegen, um Verkäufern direkte finanzielle Überlebenshilfe zukommen zu lassen (z.B. 100 Euro im Monat), ermöglicht durch großzügige Spenden.
- Alternativen für soziale Kontakte prüfen: Versuchen, den Kontakt zu Verkäufern durch Telefonate und persönliche Treffen (unter Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen) aufrechtzuerhalten, auch wenn der physische Ankerpunkt wegfällt.
- Exit-Strategie entwickeln: Pläne für die Wiederaufnahme des Verkaufs auf der Straße erarbeiten, inklusive notwendiger Schutzmechanismen für die Verkäufer.
- Öffentlichkeit und Spender aktivieren: Zum Kauf des Magazins, zur Unterstützung der Verkäufer beim Wiederankommen an ihren Standplätzen und zu Spenden aufrufen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie hat sich die Arbeit in der Redaktion von Hinz & Kunzt durch Corona verändert?
Die Redaktion arbeitet komplett im Homeoffice und nutzt tägliche Skype-Telefonkonferenzen zur Abstimmung. Die Online-Präsenz hat stark an Bedeutung gewonnen, wodurch sogar ein zusätzlicher Online-CVD geschaffen wurde. Der direkte Kontakt zu den Verkäufern, der früher alltäglich war, ist weitgehend weggefallen.
Welche finanziellen Auswirkungen hatte die Krise für die Verkäufer von Hinz & Kunzt?
Durch die Einstellung des Straßenverkaufs hatten die 530 Verkäufer, viele von ihnen obdachlos oder ehemals obdachlos und nur vom Verkauf lebend, keine Einnahmen mehr. Hinz & Kunzt hat daraufhin einen Corona-Fonds eingerichtet, durch den jedem Verkäufer finanzielle Überlebenshilfe (z.B. 100 Euro monatlich) gezahlt werden kann, ermöglicht durch großzügige Spenden.
Welche Bedeutung hatte der Verkaufsraum für die Hinz & Kunzt-Verkäufer und wie wird dies kompensiert?
Der Verkaufsraum diente als zentrale Anlaufstelle in der Innenstadt, als Pausenraum, Treffpunkt, Ort für Beratung durch Sozialarbeiter und für den Austausch von Geschichten. Sein Wegfall ist ein großer Verlust an Struktur und Kontakt. Derzeit gibt es keine adäquate Alternative; Hinz & Kunzt versucht, den Kontakt telefonisch und durch vereinzelte persönliche Treffen aufrechtzuerhalten.
Wie kann man Hinz & Kunzt und die Verkäufer unterstützen?
Man kann helfen, indem man das Magazin kauft (insbesondere wenn der Verkauf wieder startet), digital die Online-Ausgabe herunterlädt oder spendet. Besonders wichtig ist es, die Verkäufer beim Wiederankommen an ihren Standplätzen zu unterstützen, wenn sie wieder auf der Straße verkaufen dürfen.
Der Kopf hinter dem Impuls
Birgit Müller ist Chefredakteurin von „Hinz & Kunzt“, dem Hamburger Straßenmagazin. Mit 63 Jahren führt sie die Redaktion, die sich auf soziale und kulturelle Themen konzentriert. Sie verantwortet ein Magazin, das von Obdachlosen und ehemals Obdachlosen auf der Straße verkauft wird und somit eine wichtige Einkommensquelle und Anlaufstelle für diese Menschen darstellt. Sie ist eine prägende Figur im Hamburger Sozialjournalismus und setzt sich leidenschaftlich für die Belange der Verkäufer ein.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Mein neuer alter Job – Straßenmagazin in Not, mit Birgit Müller
Die Coronakrise ändert unser aller Leben. Besonders getroffen sind auch die Macher und Verkäufer des Hamburger Straßenmagazins „Hinz und Kunzt“. Wir haben mit Chefredakteurin Birgit Müller über die aktuellen Herausforderungen gesprochen und darüber, wie es das Magazin für alle Beteiligten verändert.Hier findet ihr „Hinz und Kunzt“ online: https://www.hinzundkunzt.de/Hier könnt ihr das Projekt unterstützen: https://www.hinzundkunzt.de/helfen/online-spenden/Unsere allgemeinen Datenschutzrichtlinien finden Sie unter https://art19.com/privacy. Die Datenschutzrichtlinien für Kalifornien sind unter https://art19.com/privacy#do-not-sell-my-info abrufbar.