Riemann-Thomann-Modell im Team – Verständnis und Zusammenarbeit stärken
TL;DR: Die Riemann-Thomann-Methode visualisiert Teamdynamiken durch eine körperliche Aufstellung im Raum. Sie fördert gegenseitiges Verständnis und Wertschätzung, indem sie Unterschiede in Persönlichkeitstypen (Wechsel/Dauer, Nähe/Distanz) sichtbar macht und die Kommunikation über diese Differenzen anregt.
Worum geht es?
Das Riemann-Thomann-Modell, bekannt als Werkzeug für Führungskräfte zur Selbst- und Fremdeinschätzung, wird hier zu einer interaktiven Methode für Teams weiterentwickelt. Es beleuchtet, wie sich Individuen im Spektrum von Wechsel und Dauer sowie Nähe und Distanz positionieren. Durch eine einzigartige räumliche Aufstellung werden diese persönlichen Präferenzen greifbar gemacht, um Teamdynamiken zu verstehen und die Kommunikation zu verbessern.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Workshops, Meetings, Retrospektiven, Offsites; besonders für die Arbeit mit Führungskräften |
| Zielgruppe / Größe | Funktionales Team, dessen Mitglieder sich als Team verstehen und ein gemeinsames Ziel haben |
| Dauer | Nicht spezifiziert (Moderator benötigt Zeit für Vorbereitung/Auswertung der Daten) |
| Material | Zettel mit Koordinatensystem (0-10 auf beiden Achsen), Excel-Liste, Kreide/Tape für Boden, Bindschnüre/Bänder (optional) |
| Schwierigkeitsgrad | Fortgeschritten (für Coaches, Scrum Master mit Erfahrung oder in Teams, die sie sehr gut kennen) |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Fördert gegenseitiges Verständnis und Wertschätzung im Team.
- Zeigt auf, wie gut sich Teammitglieder gegenseitig einschätzen und kennen.
- Visualisiert Teamdynamiken und unterschiedliche Sichtweisen räumlich.
- Identifiziert Stärken, potenzielle Schwächen (unbesetzte Quadranten) und Entwicklungsbereiche im Team.
- Verbessert die Kommunikation, indem sie die Notwendigkeit des Austauschs über unterschiedliche Positionen verdeutlicht.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Das Riemann-Thomann-Modell vorstellen: Erklären Sie das Modell von Wechsel/Dauer und Nähe/Distanz ausführlich und nehmen Sie sich Zeit für Fragen der Teammitglieder.
- Selbst- und Fremdeinschätzung auf Zetteln: Jedes Teammitglied erhält einen Zettel mit einem leeren Koordinatensystem (z.B. von 0 bis 10 auf beiden Achsen). Jedes Mitglied trägt alle anderen Teammitglieder und sich selbst auf seinem Zettel ein. Erinnern Sie die Teilnehmer, sich Zeit zu nehmen und an konkrete Situationen zu denken.
- Datensammlung durch den Moderator: Sammeln Sie alle ausgefüllten Zettel ein. Das Team kann in dieser Zeit eine Pause machen.
- Datenauswertung in Excel: Tragen Sie alle Koordinatenschätzungen (z.B. „Florian schätzt Jan bei X/Y“) in eine Excel-Liste ein.
- Mittelwertbildung: Bilden Sie für jedes Teammitglied den Mittelwert aller erhaltenen Schätzungen. Dies zeigt, wie homogen oder heterogen die Wahrnehmung der Person im Team ist.
- Räumliche Aufstellung auf dem Boden: Malen Sie ein großes Koordinatensystem auf den Fußboden, das groß genug ist, um alle Teammitglieder entspannt aufzunehmen. Stellen Sie jedes Teammitglied an die Position, die seinem berechneten Mittelwert entspricht (z.B. „Florian, stell dich mal bei 3-3 hin“).
- Erste Reflexion und Visualisierung: Beobachten Sie die Reaktionen der Teammitglieder bei der Aufstellung. Diskussionen entstehen oft spontan. Visualisieren Sie die Distanzen zwischen den Mitgliedern bei Bedarf mit Bändern oder Schnüren, um die Notwendigkeit der Kommunikation zu verdeutlichen.
- Gruppenarbeit entlang der Achsen: Teilen Sie die Teammitglieder nach ihrer Position auf den Achsen ein (z.B. alle „Wechselmenschen“ zusammen, alle „Dauermenschen“ zusammen). Jede Gruppe überlegt, wie sie von der anderen Gruppe negativ wahrgenommen werden könnte und wie sie sich selbst in negativen Stereotypen beschreiben würde. Für Mitglieder in der Mitte: Definieren Sie ihre Rolle als Vermittler.
- Analyse der Quadranten: Betrachten Sie die vier Quadranten des Modells (Dauer/Nähe, Dauer/Distanz, Distanz/Wechsel, Wechsel/Nähe) und diskutieren Sie, welche Eigenschaften dort typischerweise zu finden sind (z.B. Teamplayer, Revisionäre, Strategen, Visionäre). Analysieren Sie, welche Quadranten im Team stark oder schwach besetzt sind und welche Implikationen dies für die Zusammenarbeit oder zukünftige Herausforderungen hat.
- Nachhaltigkeit sichern: Um die Erkenntnisse festzuhalten, machen Sie ein Foto der Aufstellung oder erstellen Sie ein Plakat (ohne Namen), das die Punkte im Raum visualisiert. Dies kann als Moderationshilfe dienen, um in zukünftigen Diskussionen auf festgefahrene Muster hinzuweisen und an das erarbeitete Verständnis zu erinnern.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Die Methode ist besonders wirkungsvoll, wenn der Moderator (Coach, Scrum Master) bereits Erfahrung hat und das Team gut kennt. Es ist entscheidend, immer wieder zu betonen, dass es keine „richtigen“ oder „falschen“ Positionen gibt und keine Wertung vorgenommen wird – alle Typen sind wertvoll für ein Team. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für die individuelle Einschätzung und die nachfolgenden Diskussionsrunden. Die räumliche Aufstellung erfordert ein Präsenztreffen und lässt sich nicht adäquat in Hybrid-Meetings umsetzen. Nutzen Sie visuelle Hilfen wie Bänder oder ein Plakat, um die Teamdynamiken dauerhaft sichtbar zu machen und das Bewusstsein dafür im Arbeitsalltag zu schärfen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist das Riemann-Thomann-Modell?
Es ist ein Persönlichkeitsmodell, das Menschen entlang zweier Achsen verortet: Wechsel vs. Dauer und Nähe vs. Distanz. Es dient dem besseren Verständnis von Verhaltensweisen und Präferenzen.
Warum ist diese Methode nur in Präsenz sinnvoll?Die Magie der Methode entfaltet sich durch die physische Aufstellung der Teammitglieder auf einem großen Koordinatensystem auf dem Boden. Diese räumliche Visualisierung macht Distanzen und Beziehungen im Team unmittelbar erlebbar und fördert spontane Erkenntnisse.
Was ist der Vorteil, wenn wir im Team sehr unterschiedlich sind?Heterogenität ist ein großer Vorteil: Unterschiedliche Persönlichkeitstypen (z.B. Dauer- und Wechselmenschen) bringen verschiedene Perspektiven und Kompetenzen ein, die sich gegenseitig bereichern und das Team voranbringen können. Wichtig ist dabei das gegenseitige Verständnis und die Kommunikation.
Was passiert, wenn sich ein Teammitglied in der Mitte befindet?
Personen, die sich in der Mitte des Koordinatensystems verorten oder dort von anderen eingeschätzt werden, können eine wichtige Brücken- und Vermittlerrolle im Team einnehmen. Sie können helfen, unterschiedliche Perspektiven zu verbinden und Missverständnisse zu klären.
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Mehr Verständnis füreinander im Team
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