Lights Out Methode – Nähe in der Distanz schaffen und ehrliches Feedback fördern
TL;DR: „Lights Out“ ist eine innovative Feedback-Methode, die insbesondere in Remote-Settings psychologische Sicherheit und offenes Sprechen fördert. Indem eine Person ihre Kamera ausschaltet, während andere über sie Feedback geben, wird eine Umgebung geschaffen, die ehrlichen Austausch ermöglicht und den Beziehungsboden im Team stärkt.
Worum geht es?
Die „Lights Out“ Methode ist eine Adaption des Zwiegesprächs aus der Paartherapie, entwickelt für agile Teams und Führungskreise, um die Herausforderungen der Remote-Zusammenarbeit zu meistern. Sie zielt darauf ab, Nähe in der Distanz zu schaffen und den sozialen Austausch zu fördern, der in virtuellen Umgebungen oft zu kurz kommt. Insbesondere in Retrospektiven hilft sie, blinde Flecken zu beleuchten und den Teammitgliedern, sich gegenseitig konstruktives Feedback zu geben.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Retrospektiven, Feedback-Runden, Teamentwicklung |
| Zielgruppe / Größe | Führungskräfte (z.B. Koordinatoren, Product Owner), Teams |
| Dauer | Nicht spezifiziert |
| Material | Remote-Meeting-Tool (mit Kamera-Funktion) |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert (erfordert jedoch Grundvertrauen im Team) |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Förderung der Kollaboration: Durch den offenen Austausch über die Zusammenarbeit wird die gemeinsame Arbeit effektiver gestaltet.
- Stärkung des Empowerments: Teammitglieder können Einfluss nehmen und Wertschöpfung anstoßen.
- Aufbau von Nähe in der Distanz: Insbesondere in Remote-Settings hilft die Methode, soziale Verbindungen zu stärken und die Distanz zu überwinden.
- Ehrliches und freies Feedback: Das Ausschalten der Kamera ermöglicht es Feedbackgebenden, freier zu sprechen, und Empfangenden, sich unvoreingenommen auf das Gesagte einzulassen.
- Beleuchten blinder Flecken: Durch die Perspektive der anderen können bisher unerkannte Aspekte der eigenen Rolle oder Zusammenarbeit sichtbar werden.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Vorbereitung: Als Moderator stelle sicher, dass ein Grundvertrauen im Team vorhanden ist, da die Methode Verletzlichkeit erfordert. Erkläre den Ablauf und den Zweck der Methode.
- Kamera aus: Eine ausgewählte Person schaltet ihre Kamera aus und nimmt die Rolle des Zuhörenden ein.
- Feedback geben: Die verbleibenden Teammitglieder sprechen offen und ehrlich über die Person, deren Kamera ausgeschaltet ist. Das Feedback konzentriert sich auf deren Rolle, Zusammenarbeit und Wirkung im Team.
- Auf sich wirken lassen: Die Person mit ausgeschalteter Kamera hört zu, ohne zu kommentieren oder direkt zu reagieren. Sie lässt das Gesagte auf sich wirken.
- Kamera ein & Reflektion: Nach der Feedback-Runde schaltet die Person ihre Kamera wieder ein. Sie teilt mit, wie das Gehörte auf sie gewirkt hat, was sie daraus mitnimmt und welche Erkenntnisse sie gewonnen hat (Parallele zum Zwiegespräch).
- Kurze Reaktion der Feedback-Geber: Die Feedback-Gebenden können kurz auf die Reflektion der Person eingehen.
- Rundenwechsel: Der Prozess wird wiederholt, bis jedes Teammitglied die Rolle des Zuhörenden mit ausgeschalteter Kamera eingenommen hat.
- Nachbereitung: Fasse die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und frage das Team nach dem Wirken der Methode und ob sie ihnen geholfen hat, miteinander in den Dialog zu kommen.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Ein zentraler Stolperstein ist der notwendige Vertrauensboden im Team. Die Methode erfordert von den Teilnehmenden, sich verletzlich zu zeigen, da sie während des Feedbacks keine Kontrolle über die Reaktionen der anderen haben. Wenn das Vertrauen nicht ausreichend groß ist, kann dies zu Misstrauen führen und die Offenheit beim Feedback einschränken. Führungskräfte tun sich oft schwer, sich gegenseitig Feedback zu geben, daher ist hier eine sorgfältige Moderation besonders wichtig.
Ein Tipp zur Weiterentwicklung: Man könnte die Feedback-empfangende Person dazu anregen, nicht nur die Kamera auszuschalten, sondern auch die Augen zu schließen, um sich noch stärker auf das Gehörte zu konzentrieren und interne Reaktionen ohne äußere Ablenkung wahrzunehmen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist das Hauptziel der Lights Out Methode?
Das Hauptziel ist es, einen sicheren Raum für ehrliches Feedback zu schaffen, insbesondere in Remote-Arbeitsumgebungen, um die Kollaboration, das Empowerment und die psychologische Sicherheit im Team zu stärken.
Warum wird die Kamera ausgeschaltet?
Das Ausschalten der Kamera ermöglicht den Feedback-Gebenden, freier zu sprechen, da sie nicht direkt mit den Reaktionen der empfangenden Person konfrontiert werden. Für die empfangende Person fördert es das unvoreingenommene Zuhören und die Innenschau.
Ist ein hohes Vertrauen im Team für diese Methode notwendig?
Ja, ein gewisses Grundvertrauen und ein tragfähiger Beziehungsboden sind essenziell. Da sich die Feedback-empfangende Person verletzlich zeigt, kann fehlendes Vertrauen Misstrauen erzeugen und die Wirksamkeit der Methode mindern.
Kann ich die Methode auch in Präsenz-Meetings anwenden?
Die Methode wurde primär für Remote-Settings entwickelt, um Nähe in der Distanz zu schaffen. Eine Adaption für Präsenz, z.B. durch Wegdrehen oder Augen schließen, wäre denkbar, wurde im Transkript jedoch nicht explizit thematisiert.
Der Kopf hinter dem Impuls
Tobi Hänsel ist Agile Coach bei RTL im Data-Bereich. Er betreut verschiedene Teams, fördert die Kollaboration und stärkt das Empowerment, um Teammitgliedern zu ermöglichen, Einfluss zu nehmen und Wert zu schaffen. Er setzt sich leidenschaftlich für die Unterstützung von Menschen nach bestem Wissen und Gewissen ein.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Lights out mit Tobi Hänsel
Lichter aus, damit uns ein Licht ausgeht: Wie man durch Dunkelheit die ein oder andere Erkenntnis ans Tageslicht ziehen kann, verrät uns diese Woche Tobi.