Künstliche Harmonie überwinden mit dem Kartenset der Lernenden Teams – Psychologische Sicherheit in Retrospektiven fördern
TL;DR: Viele Teams neigen in Retrospektiven zu künstlicher Harmonie, wenn psychologische Sicherheit fehlt. Diese Methode nutzt das Kartenset der Lernenden Teams, um sanft Konflikte zu erzeugen und ein Systemverständnis zu fördern. Ziel ist es, die Eigenreflexion zu stärken und das Team dazu zu befähigen, über echte Herausforderungen zu sprechen und gemeinsam zu wachsen.
Worum geht es?
Stehst du manchmal vor der Herausforderung, dass dein Team in Retrospektiven eine „künstliche Harmonie“ an den Tag legt? Das passiert oft, wenn die psychologische Sicherheit im Team gering ist und Konflikte aus dem Weg gegangen werden. Das Ergebnis: Wichtige Themen bleiben unangesprochen, und die Teamentwicklung stagniert. Mit dem Kartenset der Lernenden Teams gibt es eine elegante Methode, um diesen Zustand behutsam aufzubrechen, ein tieferes Systemverständnis zu schaffen und das Team schrittweise zur offenen Reflexion zu führen. Anstatt mit dem „Vorschlaghammer“ reinzugehen, werden zuerst die Stärken anerkannt, um dann die „Wachstumsfelder“ gemeinsam zu identifizieren.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Retrospektiven mit Teams, die künstliche Harmonie zeigen oder geringe psychologische Sicherheit haben. |
| Zielgruppe / Größe | Team |
| Dauer | Länger als üblich, mehr Zeit bei Gather Data und Generate Insights. (Nicht spezifiziert) |
| Material | Kartenset der Lernenden Teams (downloadbar auf lernende-teams.de) |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Überwindet künstliche Harmonie und fördert die Konfliktbereitschaft auf behutsame Weise.
- Entwickelt ein klares Systemverständnis für Stärken und Wachstumsfelder des Teams.
- Stärkt die Eigenreflexion und die Fähigkeit, über eigene Probleme zu sprechen.
- Führt zu einer nachhaltigeren Teamentwicklung und effektiveren zukünftigen Retrospektiven.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Einstieg über Kernwerte: Beginnt die Retro, indem ihr die Kernwerte des Kartensets der Lernenden Teams (Gemeinschaft, Autonomie, Orientierung) mit dem Team betrachtet.
- Druck rausnehmen: Schafft das Bild, dass es sich um „Muskeln“ handelt, die man trainieren muss. Nehmt den Druck raus, „schlecht“ zu sein oder sich gegenseitig zu kritisieren, aber schafft gleichzeitig die Awareness, dass man aneinander arbeiten muss, um besser zu werden.
- Stärken identifizieren: Fragt das Team: „Wo drin sind wir am besten?“ Bestärkt dieses Bild der vorhandenen Stärken.
- Kompetenzkarten priorisieren (pro Kernwert): Teilt für einen der Kernwerte (z.B. Orientierung) alle Kompetenzkarten an das Team aus (jeder erhält eine oder zwei Karten). Lasst sie eine priorisierte Liste erstellen, indem sie die Karten nebeneinanderlegen und diskutieren: „Können wir das besser oder können wir da mehr wachsen als das, was da schon liegt?“
- Wiederholung für alle Kernwerte: Wiederholt Schritt 4 für alle drei Kernwerte (Gemeinschaft, Autonomie, Orientierung), sodass ihr drei sortierte Listen nebeneinander habt.
- Blitzlicht und Belohnung: Führt ein Blitzlicht durch: „Was fällt euch jetzt auf, was haben wir schon geleistet?“ Belohnt das Team für die bisherige Arbeit.
- Große priorisierte Liste erstellen: Erstellt eine einzelne, große, priorisierte Liste aus allen Karten. Jede Person nimmt eine Karte und sortiert sie in die neue Liste ein. Die nächste Person kann entweder eine neue Karte hinzufügen oder eine bestehende Karte umsortieren, wenn sie meint, dass die Reihenfolge nicht stimmt. Wird eine Karte ein zweites Mal umsortiert, legt ihr sie zur Seite für eine separate Diskussion.
- Wachstumsfelder identifizieren: Betrachtet die lange priorisierte Liste. Lobt das Team für die Bereiche, in denen es besonders gut ist (Anfang der Liste). Identifiziert die zwei bis drei Karten am Ende der Liste als die größten „Wachstumsfelder“, wo das Team am meisten wachsen kann. Legt alle anderen Karten beiseite.
- Generate Insights mittels Speed-Dating: Wählt drei „Anwälte“ aus, die jeweils eines der Wachstumsfelder vertreten. Ihre Aufgabe ist es, mittels Speed-Dating (in Zweier- oder Dreiergruppen) mit jedem Teammitglied über ihr Thema zu sprechen und herauszufinden: „Was führt dazu, dass wir da drin nicht so gut sind?“ Hier sammelt ihr tiefergehende Erkenntnisse (Generate Insights).
- Pitch der Wachstumsfelder: Die drei Anwälte pitchen dem Team, warum ihr jeweiliges Wachstumsfeld gerade das größte Problem bzw. das größte Wachstumspotenzial hat.
- Konkrete Maßnahme ableiten: Das Team schnappt sich ein ausgewähltes Wachstumsfeld und überlegt sich eine konkrete, wenn auch kleine, Maßnahme. Der Haupthebel liegt hier im Systemverständnis und der Entwicklung der Bereitschaft, über Probleme zu sprechen, nicht zwingend in einer großen Maßnahme.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Bei Teams, denen psychologische Sicherheit fehlt, neigen sie dazu, Konflikte zu vermeiden und „gute“ Ergebnisse an den Anfang der Listen zu schieben. Seid als Moderator*in darauf vorbereitet, dass das Umsortieren von Karten zögerlich erfolgen kann und eine Karte möglicherweise nur einmal verschoben wird, anstatt eine tiefergehende Diskussion anzustoßen. Ein wichtiger Tipp ist es, bewusst mehr Zeit in die Phasen „Gather Data“ und „Generate Insights“ zu investieren. Anerkennt immer wieder, „was das Team schon alles kann“, bevor ihr die „Wachstumsfelder“ in den Blick nehmt. Selbst eine kleine Maßnahme am Ende ist ein Erfolg, denn der eigentliche Mehrwert liegt in der gestärkten Eigenreflexion und dem entwickelten Systemverständnis, das zukünftige Retrospektiven effektiver machen wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist psychologische Sicherheit im Team?
Psychologische Sicherheit bedeutet, dass Teammitglieder sich sicher fühlen, Risiken einzugehen, ihre Meinung zu äußern, Fragen zu stellen oder Fehler zuzugeben, ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Fehlt sie, können Konflikte vermieden und „künstliche Harmonie“ entstehen.
Was bedeutet „Künstliche Harmonie“?
Künstliche Harmonie ist ein Zustand, in dem ein Team Konflikte und Meinungsverschiedenheiten unterdrückt, um den Anschein von Einigkeit zu wahren. Dies geschieht oft aus Unsicherheit oder Angst vor Konfrontation und verhindert die offene Auseinandersetzung mit Problemen.
Wo finde ich das Kartenset der Lernenden Teams?
Das Kartenset der Lernenden Teams und alle zugehörigen Informationen finden Sie auf der Webseite lernende-teams.de. Dort können Sie es herunterladen und ausdrucken.
Warum ist es wichtig, dass Teams über Probleme reden?
Das Ansprechen von Problemen und Wachstumsfeldern ist essenziell für die kontinuierliche Verbesserung eines Teams. Wenn Teams lernen, Probleme offen zu diskutieren und zu reflektieren, können sie gemeinsam Lösungen finden, ihr Systemverständnis vertiefen und ihre Zusammenarbeit effektiver gestalten.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Künstliche Harmonie überwinden in der Retro
In Teams, die wenig oder keine psychologische Sicherheit haben, kann manchmal künstliche Harmonie dafür sorgen, dass niemand über Probleme sprechen möchte. Diese Woche verraten wir, mit welcher Methode ihr die Teams doch in die Reflexion bringt. Alle Infos zum Modell der lernenden Teams und die angesprochenen Karten bekommt ihr unter: https://lernendeteams.de/