Führen auf Distanz #3: Individuelle Führung mit Janis Schulze

Individuelle Führung auf Distanz: Stärke deine Führungskompetenz – Effektiver führen im Remote-Team

TL;DR: Diese Methode unterstützt Führungskräfte dabei, ihren eigenen Führungsstil zu reflektieren und individuell auf die Bedürfnisse ihrer Remote-Teammitglieder einzugehen. Sie löst das Problem des fehlenden physischen Kontakts durch bewusste Selbstreflexion und regelmäßige, strukturierte Check-ins, um die Teamdynamik zu verstehen und die Motivation hochzuhalten. Das wichtigste Outcome ist eine adaptierte und effektivere Führung auf Distanz.

Worum geht es?

Die plötzliche Umstellung auf Remote-Arbeit stellt viele Führungskräfte vor neue Herausforderungen, da der direkte Kontakt zu Teammitgliedern fehlt. Diese Podcast-Episode beleuchtet, wie man seinen Führungsstil an die neue Situation anpasst und gleichzeitig individuell auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen im Team eingeht. Es geht darum, bewusste Entscheidungen zu treffen und proaktiv die Teamdynamik zu gestalten, anstatt davon auszugehen, dass alles wie gewohnt weiterläuft.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Führen von Remote-Teams, Personal- und Organisationsentwicklung, Führungstrainings
Zielgruppe / Größe Führungskräfte / Beliebige Teamgröße
Dauer Selbstreflexion: 30 Minuten; Regelmäßiger Check: 15 Minuten; Feedback-Termin: 10 Minuten
Material Zettel, Stift
Schwierigkeitsgrad Nicht spezifiziert

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Führungskräfte verstehen ihre eigenen Verhaltensmuster besser und können bewusster handeln.
  • Individuelles Eingehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Typen der Teammitglieder, um sie optimal zu unterstützen.
  • Aufrechterhaltung und Steigerung der Motivation durch gezieltes, positives Feedback.
  • Anpassung von Informationsflüssen und Entscheidungswegen an die Remote-Arbeitssituation für mehr Klarheit.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Schritt 1: Selbstreflexion als Führungskraft (ca. 30 Minuten)

    • Nimm dir 30 Minuten Zeit, schnapp dir Zettel und Stift.
    • Stelle dir Fragen über dich selbst: „Wie geht es mir gerade auf einer Skala von 1 bis 10?“, „Was macht die gegenwärtige Situation mit mir?“, „Was für ein Typ bin ich?“, „Zu welchem Verhalten neige ich gerade?“
    • Nutze das Riemann-Thoman-Modell (Nähe, Distanz, Dauer, Wechsel), um deinen eigenen Typ zu verstehen und zu erkennen, wie sich deine Neigungen in der Remote-Situation verstärken könnten.
    • Leite konkrete Ableitungen für dein Führungsverhalten ab.
  2. Schritt 2: Regelmäßiger Check-in mit dem Team (z.B. Freitagnachmittag, ca. 15 Minuten)

    • Plane regelmäßig (z.B. wöchentlich) eine kurze Zeit für eine „kleine Retrospektive mit dir selbst“ als Führungskraft.
    • Frage 1: Bestandsaufnahme
      Was und wie viel habe ich diese Woche von meinen einzelnen Leuten mitbekommen? Wie glaube ich, geht es den Einzelnen? Wie läuft es insgesamt im Team?
    • Frage 2: Maßnahmen ableiten
      Leite daraus konkrete, kleine Maßnahmen ab.
    • Beispiel (Kollege 1): Wenn ein autonomer Typ zu wenig Updates gegeben hat, stelle ihm einen 10-Minuten-Feedback-Termin für die kommende Woche ein.
    • Maßnahme (Informationsfluss): Definiere neue Regeln zum Informationsfluss. Nutze Tools wie Delegation Poker, um Entscheidungsebenen anzupassen (z.B. von „Du entscheidest, ich erkundige mich im Nachgang“ (Stufe 6) zu „Wir entscheiden gemeinsam, nachdem wir darüber diskutiert haben“ (Stufe 4)).
    • Wähle kurze Zyklen, um regelmäßig und kurzfristig auf Veränderungen zu reagieren.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Der größte Fehler, den man machen kann, ist davon auszugehen, dass im Remote-Setting alles so weiterläuft wie im Büro. Sei dir bewusst, dass die Situation die Teamdynamik und die einzelnen Mitarbeiter beeinflusst, und sei bereit, Anpassungen vorzunehmen.

Führe verstärkt über Feedback. Gib Feedback kurzfristiger, nicht nur kritisches, sondern vor allem auch positives, um die Motivation hochzuhalten. Insbesondere öffentliches Lob kann dazu beitragen, dass sich Mitarbeiter – auch digital – gesehen und wertgeschätzt fühlen, was im Remote-Arbeiten oft eine Herausforderung ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist das Riemann-Thoman-Modell?

Das Riemann-Thoman-Modell beschreibt vier grundlegende Pole menschlichen Verhaltens und Bedarfs: Nähe (Austausch, Harmonie, Teamarbeit), Distanz (Autonomie, Eigenständigkeit), Dauer (Routinen, Regeln, Ordnung, Kontrolle) und Wechsel (Abwechslung, Abenteuer, Spontaneität). Jeder Mensch hat unterschiedliche Neigungen zu diesen Polen, die sich in Stresssituationen verstärken können.

Welcher Fehler sollte beim Führen auf Distanz unbedingt vermieden werden?

Der größte Fehler ist, davon auszugehen, dass im Remote-Setting alles so weiterläuft wie im Büro. Es ist entscheidend, sich bewusst zu machen, wie die neue Situation die Teamdynamik und die einzelnen Mitarbeiter beeinflusst, und entsprechend Anpassungen vorzunehmen.

Warum ist Feedback in Remote-Teams besonders wichtig?

Feedback ist entscheidend, um die Motivation im Team hochzuhalten, besonders wenn die Zusammenarbeit über längere Zeiträume verteilt stattfindet. Es sollte kurzfristiger erfolgen und nicht nur kritisch, sondern vor allem auch positiv sein, um den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, gesehen und wertgeschätzt zu werden, was im Remote-Arbeiten oft fehlen kann.

Wie kann ich meine Teammitglieder effektiv einbinden, auch wenn ich sie nicht sehe?

Führe einen regelmäßigen, kurzen Check-in (z.B. 15 Minuten wöchentlich) durch, um zu reflektieren, was du von jedem Einzelnen mitbekommen hast und wie es ihm geht. Leite daraus konkrete Maßnahmen ab, wie das Definieren neuer Regeln für den Informationsfluss oder die Anpassung von Entscheidungsebenen (z.B. mit Delegation Poker), und stelle bei Bedarf 10-Minuten-Feedback-Termine ein.

Der Kopf hinter dem Impuls

Janis Schulze arbeitet bei Gruner + Jahr im HR, in der Personal- und Organisationsentwicklung. Er beschäftigt sich insbesondere mit den Themen Führung, Coaching und Zusammenarbeit. Als „Buddy des agilen Arbeitens“ betreut er Führungstrainings, berät zu Coaching und ist Ansprechpartner für agile Coaches und Führungskräfte.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Führen auf Distanz #3: Individuelle Führung mit Janis Schulze

Auch für Führungskräfte hat sich der Alltag plötzlich verändert. Was sollte ich nun als Chefin oder Chef beachten? Wie kann ich mein Team unterstützen? Antworten kennt Janis aus dem Team der Personalentwicklung bei Gruner + Jahr, der auch einige sehr konkrete und gut umsetzbare Methoden mitgebracht hat.

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