Führen auf Distanz #2: Remote Kommunikation mit Clarissa Rackow

Effektive Remote Kommunikation im Team – Virtuelle Nähe trotz Distanz schaffen

TL;DR: In Zeiten des Homeoffice geht viel nonverbale und informelle Kommunikation verloren. Diese Anleitung zeigt Teams und Führungskräften, wie sie durch explizite Absprachen, klare Kanalnutzung und feste Kommunikationsroutinen eine starke Teamverbindung aufrechterhalten, Unsicherheiten reduzieren und die Zusammenarbeit effektiv gestalten können.

Worum geht es?

Die Art und Weise, wie wir kommunizieren, hat sich in der Remote-Arbeit grundlegend verändert. Während zuvor vieles implizit oder im Vorbeigehen geschah, stellt das Fehlen nonverbaler Kommunikation und informeller Austausche Teams und Führungskräfte vor große Herausforderungen. Es ist entscheidend, Kommunikation bewusster und expliziter zu gestalten, um trotz räumlicher Distanz eine effektive Zusammenarbeit und ein starkes Teamgefühl zu bewahren. Wie Paul Watzlawick sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ In der aktuellen Situation bedeutet das: „Man darf nicht nicht kommunizieren.“

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Remote Teams, Homeoffice, Workshops, Meetings, Retrospektiven
Zielgruppe / Größe Teams, Führungskräfte, Abteilungen
Dauer Nicht spezifiziert (Tägliche Updates: halbe Stunde)
Material Teams, WhatsApp, Slack, Skype, E-Mail, Telefon, Mentimeter, Video
Schwierigkeitsgrad Nicht spezifiziert

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Schafft Klarheit und Struktur in der Remote-Kommunikation, um Missverständnisse zu vermeiden.
  • Stärkt das Teamgefühl und den Zusammenhalt der Mitarbeiter trotz räumlicher Distanz.
  • Reduziert Unsicherheiten und Ängste durch transparente Informationsweitergabe und verlässliche Routinen.
  • Fördert eine offene Feedbackkultur, die es ermöglicht, auf Fragen und Sorgen des Teams einzugehen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Kommunikationskanäle festlegen: Vereinbart im Team, welche Kommunikationskanäle (z.B. Teams, WhatsApp, Slack, Skype, E-Mail, Telefon) für welche Art von Austausch genutzt werden. Trennt bewusst fachliche Kommunikation von informellen Gesprächen, z.B. durch einen separaten Chat für GIFs und Links.
  2. Video-Kommunikation priorisieren: Schaltet die Kamera bei Calls ein. Video ist besser als Telefon, das wiederum besser ist als Chat oder E-Mail, um nonverbale Signale zu erfassen und virtuelle Nähe zu schaffen.
  3. Grenzen ziehen und Erwartungen klären: Trefft Absprachen zur Erreichbarkeit und zur Abgrenzung zwischen privater und dienstlicher Kommunikation. Dies hilft, das ständige Verschwimmen von Arbeits- und Freizeit zu verhindern und das Abschalten zu ermöglichen.
  4. Feste Kommunikationsroutinen etablieren: Führt einen täglichen, kurzen Update-Call (z.B. 30 Minuten, immer zur gleichen Zeit) ein. Hier werden neue Entscheidungen und Informationen geteilt, was Transparenz schafft und dem Team Sicherheit gibt, selbst wenn es nichts Neues gibt.
  5. Aktives Feedback einholen: Nutzt die etablierten Routinen, um einen echten Dialog zu führen und aktiv nach Fragen, Unsicherheiten oder Sorgen im Team zu fragen. Bei Bedarf können Tools wie Mentimeter für anonymes Feedback genutzt werden.
  6. Stimmung im Team erfassen: Integriert regelmäßige Check-in-Fragen zum Wochenanfang und Check-out-Fragen zum Wochenende, um die Stimmung im Team zu erfassen (z.B. Highlights oder Lowlights der Woche).
  7. Gemeinsame Rituale pflegen: Startet den Tag oder die Woche mit kleinen, gemeinsamen Ritualen, wie einer morgendlichen Videobotschaft der Teamleitung mit einem Motto oder Spruch, um den Teamspirit und den Zusammenhalt zu stärken.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Ein zentraler Stolperstein in der Remote-Arbeit ist die Annahme, dass Kommunikation von allein geschieht. Im Gegenteil: „Wenn man nichts macht, passiert es automatisch, dass man nicht kommuniziert.“ Um dies zu überwinden, ist es essenziell, explizit zu kommunizieren und das Motto „Reden hilft“ bzw. „Viel reden hilft viel“ zu leben. Führungskräfte sollten viele Dinge expliziter machen, als sie es gewohnt sind, da der informelle Austausch fehlt.

Das Einführen von institutionalisierten Kommunikationsroutinen, wie täglichen Update-Calls, verhindert, dass Mitarbeiter bei einem Anruf der Führungskraft Panik bekommen, da sie wissen, dass regelmäßige Updates normal sind. Bei kritischem Feedback empfiehlt es sich, dieses in Einzelgesprächen zu geben. Größere Themen können in Retrospektiven besprochen werden, und anonyme Feedback-Tools helfen, eine offene Feedbackkultur auch im Remote-Kontext zu etablieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum ist explizite Kommunikation im Homeoffice entscheidend?

Im Homeoffice fehlen nonverbale Hinweise und informeller Austausch im Vorbeigehen. Explizite Kommunikation ist notwendig, um Missverständnisse zu vermeiden, Informationen transparent zu teilen und den Zusammenhalt zu gewährleisten.

Wie kann ein Team trotz räumlicher Distanz zusammenbleiben?

Durch die Schaffung von Kommunikationsroutinen wie täglichen Update-Calls, die Priorisierung von Video für Gespräche, klare Kanalabsprachen und gemeinsame Rituale wird virtuelle Nähe geschaffen und der Teamspirit gestärkt.

Welche Rolle spielt Feedback in der Remote-Kommunikation?

Feedback ist entscheidend, um die Stimmung im Team zu erfassen, Unsicherheiten zu adressieren und einen echten Dialog zu fördern. Es sollte aktiv eingeholt werden, beispielsweise durch Check-in/Check-out-Fragen oder anonyme Tools.

Wie trennt man private und dienstliche Kommunikation im Remote-Modus?

Das Team sollte klare Absprachen über Kommunikationskanäle und Erreichbarkeit treffen. Die Nutzung unterschiedlicher Kanäle für fachliche und informelle Inhalte (z.B. separater Chat für Privates) kann helfen, Grenzen zu ziehen und das Abschalten nach Feierabend zu erleichtern.

Der Kopf hinter dem Impuls

Clarissa Rackow arbeitet bei Gruner & Jahr in der Personal- und Organisationsentwicklung. Dort beschäftigt sie sich intensiv mit dem Thema neues Arbeiten und der damit verbundenen Kommunikation, wozu sie in dieser Folge wertvolle Tipps und Tricks teilt.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Führen auf Distanz #2: Remote Kommunikation mit Clarissa Rackow

Seit Tagen und Wochen sehen wir uns nur noch bei Videokonferenzen – doch was müssen Teams und Führungskräfte nun beachten in Sachen Kommunikation? Das haben wir Clarissa aus der Personalentwicklung von Gruner + Jahr gefragt – und sie hat ihre besten Tipps verraten.

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