FOLGE 100 mit Michael Trautmann (On the Way to New Work)

New Work Führung: Psychologische Sicherheit und Engagement durch bewusste Kommunikation

TL;DR: New Work erfordert ein menschenorientiertes Führungsverständnis. Methoden wie „Skip-Level Communication“ und gezielte Check-ins fördern psychologische Sicherheit und intrinsische Motivation, indem Führungskräfte bewusst den Kontakt zu ihren Mitarbeitenden suchen, deren Perspektiven verstehen und eine offene Atmosphäre schaffen.

Worum geht es?

Diese Episode beleuchtet die wahre Bedeutung von New Work jenseits oberflächlicher Trends wie Metaplanwänden oder Bürohunden. Im Kern geht es um einen fundamentalen Wandel im Führungsverständnis, basierend auf der Annahme, dass Menschen intrinsisch motiviert, konstruktiv und kreativ sind (Theory Y). Es wird betont, dass Arbeit Menschen stärken und über sich hinauswachsen lassen kann, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Moderne Führungskräfte müssen eine Atmosphäre der psychologischen Sicherheit schaffen und Expertenwissen im Team erkennen und nutzen, da Mitarbeitende oft mehr über ihr Fachgebiet wissen als ihre Vorgesetzten.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Führungskräfte-Entwicklung, Team-Engagement, Remote-Arbeit, Meetings, Workshops, Retrospektiven
Zielgruppe / Größe Führungskräfte (für Skip-Level Communication), Teams (für Check-ins / Check-outs)
Dauer Skip-Level Communication: Regelmäßig, z.B. einmal im Monat für ca. eine Stunde. Check-in / Check-out: Kurz (z.B. ein Wort pro Person).
Material Nicht spezifiziert (Virtuell: Videokonferenz-Tools für „Zoom-Kaffee“; Physisch: Orte der Begegnung im Büro)
Schwierigkeitsgrad Mittel (erfordert Aufbau von Vertrauen und bewusste Moderation)

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Fördert psychologische Sicherheit, sodass sich Mitarbeitende trauen, ihre Meinung zu äußern und Probleme anzusprechen.
  • Ermöglicht intrinsische Motivation, Gestaltungswillen und die Entfaltung des vollen Potenzials der Teammitglieder.
  • Hilft Führungskräften, das Expertenwissen und die Talente im Team zu erkennen und gezielt einzusetzen.
  • Schafft informelle Kommunikationswege und fördert eine bessere Verständigung über Hierarchieebenen hinweg.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Skip-Level Communication etablieren:
    • Als Führungskraft suchen Sie bewusst und regelmäßig den Kontakt zu Mitarbeitenden, die zwei Ebenen unter Ihnen angesiedelt sind.
    • Ziel ist es, die Lebenswirklichkeit, Motivation und Träume dieser Personen zu verstehen, nicht deren Leistung zu kontrollieren oder Projekte zu besprechen.
    • Stellen Sie offene Fragen wie „Wie siehst du unsere Firma?“, „Was macht dir Spaß?“, „Was treibt dich an?“ oder „Wovon träumst du?“.
    • Gestalten Sie diese Gespräche niedrigschwellig und informell, z.B. als „Zoom-Kaffee“ während der Remote-Arbeit oder zufällige Begegnungen im Büro. Nehmen Sie von Anfang an den Druck heraus, indem Sie betonen, dass es um einen lockeren Austausch geht.
  2. Check-in und Check-out in Meetings nutzen:
    • Check-in (One-Word-Opening): Beginnen Sie jedes Meeting, indem jeder Teilnehmende in einem einzigen Wort seinen aktuellen Zustand oder seine Stimmung beschreibt.
    • Stimmungs-Anpassung: Wenn mehrere Personen beispielsweise „müde“ äußern, integrieren Sie eine kurze, belebende Gruppenaktivität: Alle stehen auf, öffnen die Fenster (falls im Raum), atmen dreimal tief durch und schütteln sich kurz, bevor sie sich wieder setzen.
    • Check-out: Beenden Sie Meetings mit einem kurzen Check-out, um zu erfassen, wie die Teilnehmenden das Meeting verlassen und ob sich ihre Stimmung oder Energie verbessert hat.
  3. Orte der Begegnung schaffen:
    • Gestalten Sie physische Büroräume so, dass Menschen unterschiedlicher Hierarchie-Ebenen und Abteilungen zufällig miteinander ins Gespräch kommen können.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Die Einführung von Methoden zur psychologischen Sicherheit und zum Engagement kann insbesondere während einer Pandemie, in der der persönliche Kontakt fehlt, eine Herausforderung sein. Es ist entscheidend, diese neuen Formate bewusst und transparent anzumoderieren. Führungskräfte sollten proaktiv den informellen Kontakt suchen und deutlich kommunizieren, dass es nicht um fachliche Kontrolle geht, sondern um den Austausch und das Verständnis füreinander. Das Abbauen von Respekt oder Skepsis erfordert Zeit und authentisches Verhalten. Vertrauen muss aufgebaut und kontinuierlich gepflegt werden, um sicherzustellen, dass sich alle Mitarbeitenden sicher fühlen, ihre Meinung frei zu äußern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Kern von New Work?

New Work ist eine Kombination aus der Suche nach Sinn bei der Arbeit, modernen Organisationsformen (sowohl Aufbau- als auch Ablauforganisation) und der Nutzung von Tools, die die Arbeit erleichtern. Es basiert auf dem Menschenbild, dass Menschen intrinsisch motiviert, konstruktiv und kreativ sind (Theory Y).

Was bedeutet psychologische Sicherheit im Kontext von New Work?

Psychologische Sicherheit bezeichnet eine Atmosphäre im Unternehmen, in der sich jeder Mensch traut, seine Meinung zu sagen, halt zu rufen oder auf übersehene Themen hinzuweisen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Führungskräfte müssen diese Atmosphäre aktiv erzeugen und pflegen.

Ist New Work für jeden geeignet?

Obwohl es Menschen gibt, die behaupten, nicht fürs Mitdenken bezahlt zu werden, glaubt Michael Trautmann, dass jeder Mensch die Vorzüge von New Work schätzen lernt, wenn er richtig angesprochen und seine inneren Antriebe erkannt werden. Es geht darum, das gesamte Potenzial und die Motivation der Menschen zu erkennen und sie in Rollen einzusetzen, die ihren Talenten entsprechen.

Wie weit sind wir auf dem Weg zu New Work?

Michael Trautmann zitiert Mark Zuckerberg und schätzt, dass die Mission von New Work erst zu „zwei oder ein Prozent erfüllt“ ist. Er ist der Ansicht, dass wir immer „on the way“ sein werden, da sich Herausforderungen und die Welt stetig weiterentwickeln und die Arbeit nie ausgehen wird.

Der Kopf hinter dem Impuls

Michael Trautmann ist seit 17 Jahren Unternehmer. Er war zunächst Unternehmensberater, später in der Werbebranche bei Springer & Jacobi tätig und weltweit für das Marketing bei Audi verantwortlich. Er gründete die Werbeagentur „Think“ (Vorsetzen 32) und später die Sport-Event-Serie „High Rocks“, eine Mischung aus Laufen und funktionellem Fitnesstraining. Michael Trautmann ist zudem Co-Host des Podcasts „On the Way to New Work“ mit Christoph Magnussen. Kürzlich hat er erneut im Bereich New Work Coaching und Beratung gegründet.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

FOLGE 100 mit Michael Trautmann (On the Way to New Work)

Die Jubiläumsfolge – extralang mit einem ganz besonderen Gast: Michael Trautmann vom Podcast „On the Way to New Work“ spricht mit uns vielleicht ein bisschen über Methoden – aber ganz viel über all das, was dahinter steckt.

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