Ein Film und zwei Zuschauer

Ein Film und zwei Zuschauer – Perspektivwechsel für tiefere Retrospektiven

TL;DR: Diese Retrospektiven-Methode kombiniert einen spielerischen Filmeinstieg mit einem dynamischen Rollenspiel für die Datensammlung. Sie löst Probleme in Teams, die sich schwer mit offenem Feedback tun oder in denen ein starker Wortführer dominiert, indem sie tiefe Einblicke und ein Verständnis für unterschiedliche Wahrnehmungen ermöglicht und alle zur aktiven Teilnahme zwingt.

Worum geht es?

Starte deine nächste Retrospektive mit einer innovativen Methode, die nicht nur für Unterhaltung sorgt, sondern auch tiefgreifende Erkenntnisse über die Teamzusammenarbeit liefert. Die Methode „Ein Film und zwei Zuschauer“ kombiniert eine bekannte Einstiegsfrage mit einem cleveren Rollenwechsel, um das Team dazu anzuregen, sowohl positive als auch negative Aspekte der Zusammenarbeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und offen zu kommunizieren, ohne dass sich jemand angegriffen fühlen muss.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Retrospektiven, Teamentwicklung, Förderung offener Kommunikation
Zielgruppe / Größe Teams, besonders geeignet für Teams, die sich noch finden müssen, Schwierigkeiten mit offener Meinungsäußerung haben oder in denen es dominante Wortführer gibt. Nicht für „allzu große Teams“ bei kurzer Dauer.
Dauer Dauert „sehr viel länger, als man jetzt vielleicht beim Zuhören denkt“. Für eine umfassende Retrospektive ist ausreichend Zeit einzuplanen (keine 1,5 Stunden).
Material Geteiltes Word-Dokument (oder ähnliches Tool für Remote-Arbeit)
Schwierigkeitsgrad Mittel (erfordert aktive Moderation und das Einlassen auf Rollenwechsel)

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Fördert das Verständnis, dass jede Botschaft unterschiedlich wahrgenommen werden kann und wie wichtig es ist, sich abzusichern, dass man richtig verstanden wird.
  • Ermöglicht es Teammitgliedern, kritische Punkte anzusprechen, ohne die Person angreifen zu müssen, da die Rolle des „kritischen Zuhörers“ vorgegeben ist.
  • Bringt auch die stilleren Teammitglieder in die aktive Kommunikation, indem jeder Teilnehmer nacheinander alle drei Rollen einnimmt.
  • Sensibilisiert für die Tatsache, dass selbst in scheinbar rein negativen oder positiven Aussagen immer auch andere Aspekte stecken, die es zu entdecken gilt.
  • Bietet eine spaßige und abwechslungsreiche Alternative zu traditionellen Retrospektiv-Methoden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Einstieg (Film-Titel finden): Beginnt mit der Frage: „Wenn unsere Zusammenarbeit ein Film wäre, denkt euch mal einen Filmtitel und beschreibt kurz, was in der Handlung passiert.“
  2. Vorstellung der Filme: Jedes Teammitglied stellt kurz seinen Film und die damit verbundene Sicht auf die Zusammenarbeit vor.
  3. Rollenverteilung und Datensammlung:
    1. Definiert eine Reihenfolge, wer wann dran ist (z.B. im Kreis).
    2. Person A (Vortragender): Liest den Filmtitel und die Beschreibung noch einmal vor und beschreibt erneut den eigenen Eindruck der Teamarbeit.
    3. Person B (Kritischer Zuhörer): Hört nur die negativen Aspekte aus Person As Vortrag heraus und formuliert diese. Dies geschieht bewusst aus einer „zickigen und angepissten“ Perspektive.
    4. Person C (Positiver Zuhörer): Hört nur die positiven Aspekte aus Person As Vortrag heraus und formuliert diese.
    5. Die herausgearbeiteten positiven und negativen Punkte werden in einem geteilten Dokument (z.B. Word-Dokument) gesammelt.
  4. Rollenwechsel: Die Rollen rotieren für die nächste Person in der Reihenfolge. Person B wird zum Vortragenden, Person C zum kritischen Zuhörer, und die nächste Person in der Reihe (z.B. Person D) wird zum positiven Zuhörer. Dieser Wechsel setzt sich fort, bis jeder Teilnehmer alle drei Rollen (Vortragender, kritischer Zuhörer, positiver Zuhörer) eingenommen hat.
  5. Themen clustern und abstimmen: Die gesammelten positiven und negativen Themen werden geclustert. Das Team stimmt anschließend darüber ab, welche Themen es als Nächstes vertiefen möchte.
  6. Aktionsableitung (optional): Für eine tiefere Analyse kann für die ausgewählten Themen die 5-Why-Methode angewendet werden, um die Ursachen zu ergründen und konkrete Maßnahmen abzuleiten.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Planen Sie ausreichend Zeit ein, da diese Methode länger dauern kann, als man initial erwartet, aber sie liefert „ganz tolle Insights“. Besonders bei Teams, die noch nicht lange zusammenarbeiten, hilft die Methode zu verdeutlichen, dass Aussagen unterschiedlich wahrgenommen werden können. Ermutigen Sie die Teilnehmer, sich abzusichern, ob ihre Botschaft so verstanden wurde, wie sie gemeint war. Die Methode ist auch sehr hilfreich, um das Redegewicht in Teams auszugleichen, in denen es einen oder mehrere starke Wortführer gibt, da alle in festen Rollen zu Wort kommen müssen. Als Anknüpfungspunkt für die Ursachenanalyse der identifizierten Themen eignet sich die „5-Why-Methode“ hervorragend.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Für welche Teamgröße ist diese Methode geeignet?

Die Methode ist gut für Teams geeignet, die vielleicht noch nicht so lange zusammenarbeiten oder in denen ein sehr starker Wortführer dominiert. Sie ist weniger ideal für „allzu große Teams“, wenn die Zeit für die Retrospektive begrenzt ist, da der Prozess pro Person drei Wortmeldungen umfasst.

Was, wenn ein Team keine negativen oder nur positive Punkte in einem „Film“ findet?

Die Methode zwingt die Teilnehmer dazu, sowohl negative als auch positive Aspekte in jeder Botschaft zu erkennen. Sie verdeutlicht, dass selbst in einem „Katastrophenfilm“ ein Lichtblick oder in einer rein positiven Darstellung doch ein „Körnchen im Getriebe“ stecken kann, was die Perspektivwechsel-Fähigkeit schult.

Welche Phase der Retrospektive deckt diese Methode ab?

Diese Methode deckt effektiv die Phasen „Set the Stage“ (Einstieg mit dem Film) und insbesondere „Gather Data“ (Datensammlung durch das Rollenspiel) ab, indem sie auf spielerische Weise Themen und Meinungen sichtbar macht.

Wie geht es nach der Datensammlung und Clusterung weiter?

Nachdem die Themen geclustert und das Team über die Prioritäten abgestimmt hat, können Sie für die Tiefenanalyse der ausgewählten Punkte die „5-Whys“-Methode einsetzen, um zu den eigentlichen Ursachen vorzudringen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Ein Film und zwei Zuschauer

Unsere Zusammenarbeit ist ein Film und alle, die zuschauen, sehen etwas anderes. Wie daraus eine Methode werden kann, erfährst du in dieser Folge.

Unsere allgemeinen Datenschutzrichtlinien finden Sie unter https://art19.com/privacy. Die Datenschutzrichtlinien für Kalifornien sind unter https://art19.com/privacy#do-not-sell-my-info abrufbar.

🎧 Hier geht es direkt zur Episode

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert