Domino in Teams mit Nadja Stielau

Domino in Teams – Teamdynamiken unter Druck verstehen

TL;DR: „Domino in Teams“ ist ein interaktives Simulationsspiel, das unter Zeitdruck die internen Teamdynamiken, Kommunikationsmuster und impliziten Erwartungen an Führungskräfte aufdeckt. Es hilft Teams und Moderatoren, verborgene Verhaltensweisen und Annahmen schnell sichtbar zu machen und bietet eine hervorragende Grundlage für tiefgehende Auswertungen zu Zusammenarbeit und Führung.

Worum geht es?

In dieser Episode des Methodenmontags stellt Nadja Stielau, agile Coachin und Organisationsentwicklerin bei der Beratung Judith Andresen, eine packende Methode vor, die den Arbeitsalltag vieler Unternehmen auf spielerische Weise simuliert: „Domino in Teams“. Ursprünglich suchte Nadja nach Wegen, eine bessere Führungskraft zu werden, und fand über die agile Coaching-Ausbildung ihre Berufung. Das Spiel, das sie uns mitbringt, ist ein ideales Tool, um innerhalb kürzester Zeit komplexe Teamdynamiken und die Rolle von Führung unter die Lupe zu nehmen. Es verdeutlicht, wie Kommunikation unter Druck funktioniert, welche Annahmen Teams treffen und wie Erwartungen an die Führungsebene das Handeln beeinflussen.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Workshops, Ausbildungen, Teambegleitung, Retrospektiven (implizit)
Zielgruppe / Größe Zwei Teams mit jeweils einer Teamleitung; oberste Führungsebene (TrainerInnen); Teamgröße nicht spezifiziert
Dauer Ca. 15-20 Minuten reines Spiel (2x 7 Minuten Bauzeit + Statusmeeting) zzgl. intensiver Auswertung
Material Moderationskarten (Buchstaben A, E, Zahlen 1, 2, 3), 5 Säcke mit verschiedenfarbigen Dominosteinen
Schwierigkeitsgrad Nicht spezifiziert

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Macht Muster und Dynamiken im Team sichtbar, die sonst unentdeckt bleiben würden.
  • Deckt implizite und explizite Annahmen auf, die das Handeln im Team und mit der Führung beeinflussen.
  • Klärt Erwartungen an Führungskräfte (sowohl Teamleitung als auch obere Führungsebene) und zeigt, welche davon erfüllt oder nicht erfüllt werden.
  • Ermöglicht Moderatoren eine schnelle Beobachtung und Analyse von Teamthemen unter „Brennlas“-Bedingungen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Vorbereitung: Legen Sie Moderationskarten (A, E, 1, 2, 3) und fünf Säcke mit verschiedenfarbigen Dominosteinen im Raum aus. Stellen Sie sicher, dass bewusst mehr Farben vorhanden sind, als in der Aufgabenstellung für die Teams vorgesehen.
  2. Rollenverteilung: Teilen Sie die Gruppe in zwei Teams mit jeweils einer Teamleitung auf. Die TrainerInnen übernehmen die Rolle der „Geschäftsführung“ oder „Vorstände“.
  3. Briefing der TeamleiterInnen: Instruieren Sie ausschließlich die TeamleiterInnen mit der Aufgabe: „In möglichst kurzer Zeit alle Bausteine nutzen, um die Punkte A, E, 1, 2, 3 zu verbinden. Alle Farben restlos ausnutzen.“ Formulieren Sie die Aufgabe bewusst missverständlich und mit Lücken, um klassischen Unternehmensalltag zu simulieren. Betonen Sie den Zeitdruck und lassen Sie wenig Zeit für Fragen.
  4. Erste Bauphase (7 Minuten): Die Teams beginnen mit dem Bau der Dominokette. Als TrainerInnen gehen Sie umher und stören bewusst den Prozess durch provokative Aussagen oder Fragen (z.B. „Ob das wirklich alle Steine sind?“, „Das dauert aber ganz schön lange!“, „Ich hätte das anders gemacht, wenn die mich mal gefragt hätten.“). Schieben Sie ggf. aktiv die zusätzlichen Säcke mit Dominosteinen in den Fokus der Teams.
  5. Statusmeeting (nach 7 Minuten): Halten Sie ein kurzes Statusmeeting mit den TeamleiterInnen in getrennten Räumen ab. Wehren Sie den Wunsch der TeamleiterInnen ab, ihre Teams hinzuzuziehen, mit der Begründung, es sei „zu operativ“.
  6. Zweite Bauphase: Die Teams setzen ihre Arbeit fort.
  7. Abschluss und Test: Nach der zweiten Bauphase sollten die Teams ihre gemeinsame Kette fertiggestellt haben. Die Kette wird angestoßen und soll durchlaufen.
  8. Auswertung: Führen Sie eine detaillierte Auswertung durch. Besprechen Sie, welche Rollen aufgefallen sind, was gut lief, welche impliziten und expliziten Aussagen und Annahmen getroffen wurden und welche Erwartungen an Führung (Teamleitung und obere Führung) bestanden und ob diese erfüllt wurden. Als Moderator ist es entscheidend, die Beobachtungen klar und wertschätzend zu spiegeln.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Die Stärke der Methode liegt in ihren eingebauten „Stolpersteinen“. Die bewusst missverständliche Aufgabenstellung und die bewusste Platzierung von mehr Farben, als in der Aufgabenstellung genannt, fordern die Teams heraus. Beobachten Sie genau, wie Teams mit diesen Widersprüchen umgehen – werden die zusätzlichen Farben ignoriert, aktiv versteckt oder doch integriert? Das „Stören“ durch die TrainerInnen in der Rolle der Geschäftsführung verstärkt den Druck und offenbart, wie Teams und Teamleitungen mit toxischer Führung oder unnötigem Mikromanagement umgehen.

Ein häufiger Diskussionspunkt ist das Verhalten der TeamleiterInnen: Bauen sie mit oder ziehen sie sich zur Strategieplanung zurück? Da diese Regel bewusst vage gehalten ist, können sich unterschiedliche Führungsstile zeigen. Achten Sie darauf, die Beobachtungen während des Spiels festzuhalten, um sie in der Auswertung gezielt ansprechen und reflektieren zu können. Die Auswertung ist der Schlüssel zum Erfolg der Methode, da sie den Teilnehmenden hilft, ihre eigenen Verhaltensweisen und die dahinterliegenden Muster zu erkennen und zu verstehen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Spielen die Teams gegeneinander oder miteinander?

Die Teams spielen miteinander. Ziel ist es, eine gemeinsame Dominokette zu bauen und die Punkte A, E, 1, 2, 3 zu verbinden sowie alle Bausteine und Farben restlos zu verbauen.

Bauen die Teamleiter selbst mit oder leiten sie nur an?

Diese Regel ist bewusst vage formuliert, um unterschiedliche Dynamiken sichtbar zu machen. Einige Teamleiter bauen mit, andere ziehen sich zurück. Dies führt oft zu interessanten Beobachtungen in der Auswertung bezüglich Führungsstil und Rollenverständnis.

Was ist, wenn nicht alle Dominosteine oder Farben verbaut werden, obwohl es die Aufgabe war?

Die Aufgabe beinhaltet bewusst einen Widerspruch, da mehr Farben als in den expliziten Anweisungen erwähnt, bereitliegen. Das bewusste Platzieren und ggf. „Verstecken“ von zusätzlichen Säcken soll aufzeigen, wie Teams mit unklaren oder widersprüchlichen Informationen umgehen und ob sie die Annahme treffen, nur die explizit genannten Farben zu nutzen, oder aktiv nach Lösungen für die widersprüchliche Anforderung suchen.

Was ist das zentrale Lernziel der Methode?

Das Hauptziel ist es, schnell und unterhaltsam Muster und Dynamiken in der Teamarbeit sowie implizite Annahmen und Erwartungen an Führung sichtbar zu machen, um daraus Erkenntnisse für eine wirksamere Zusammenarbeit und Führung abzuleiten.

Der Kopf hinter dem Impuls

Nadja Stielau ist agile Coachin und agile Organisationsentwicklerin bei der Beratung Judith Andresen. Ihre Reise begann in der Werbebranche, wo sie als Beraterin, Projektmanagerin, Führungskraft und stellvertretende Geschäftsführung tätig war. Aus dem Wunsch heraus, eine bessere Führungskraft zu werden, absolvierte sie Ausbildungen zum agilen Coach und zur agilen Organisationsentwicklerin. Heute begleitet sie Teams und Organisationen in ihrer Entwicklung und teilt ihr Wissen auch gerne im Podcast.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Domino in Teams mit Nadja Stielau

Wie verhalten sich Teams unter Zeitdruck – und welche Rolle spielt Führung dabei? Gemeinsam mit Nadja sprechen Florian und Jan über die Methode „Domino in Teams“, ein Spiel, das Teamdynamiken, Erwartungen an Führung und implizite Rollen innerhalb weniger Minuten sichtbar macht. Eine einfache Übung mit überraschend tiefen Erkenntnissen für Teams, Führungskräfte und Facilitator.

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