Die Faust ballen mit Jens

Konsent-Methode: Schnelle & effektive Entscheidungsfindung im Team

TL;DR: Die Konsent-Methode, ursprünglich aus der Soziokratie, ermöglicht es Teams, schnell und effizient Entscheidungen zu treffen, indem sie nicht nach allgemeiner Zustimmung (Konsens) sucht, sondern nach validen Einwänden. Dies fördert eine lösungsorientierte Zusammenarbeit, minimiert unnötige Diskussionen und führt zu Entscheidungen, die „good enough for now and safe enough to try“ sind.

Worum geht es?

Die Art und Weise, wie Teams Entscheidungen treffen, ist entscheidend für ihre Produktivität und Zufriedenheit. Während der traditionelle Konsens oft langwierig sein kann, stellt die Konsent-Methode einen agilen Ansatz dar. Sie fokussiert sich darauf, ob jemand einen validen Einwand gegen einen Vorschlag hat, anstatt zu versuchen, einen „Sweetspot“ zu finden, mit dem sich alle zu 100% wohlfühlen. Diese Unterscheidung ist fundamental für selbstorganisierte Teams und Workshops, um zielgerichteter und effizienter zu agieren.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Entscheidungsfindung in selbstorganisierten Teams, Workshops, Governance Meetings (rahmenbezogene Entscheidungen)
Zielgruppe / Größe Teams (z.B. 7 Personen), Gruppen
Dauer Nicht spezifiziert (Ziel ist schnellere Entscheidungsfindung als Konsens)
Material Nicht spezifiziert (nonverbale Handzeichen werden genutzt)
Schwierigkeitsgrad Nicht spezifiziert (erfordert Moderation und Verständnis der Prinzipien)

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Effizientere Entscheidungen: Der Fokus auf valide Einwände beschleunigt den Entscheidungsprozess erheblich, besonders in Remote-Settings.
  • Fokus auf Relevanz: Es werden nur Einwände berücksichtigt, die einen potenziellen Schaden für die Organisation oder das Team bedeuten, wodurch Diskussionen sachlicher werden.
  • Förderung wertvoller Beiträge: Das Prinzip der „Artful Participation“ ermutigt Teilnehmer, nur dann Beiträge zu leisten, wenn diese die Gruppe wirklich weiterbringen.
  • Agile Haltung: Entscheidungen sind „good enough for now and safe enough to try“ und werden regelmäßig überprüft, um flexibel auf Veränderungen reagieren zu können.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Treiber identifizieren: Eine Person spürt eine „Spannung“ – etwas ist nicht so, wie es sein sollte, oder die Rahmenbedingungen haben sich verschoben. Dies ist der zugrunde liegende Treiber für eine Entscheidung.
  2. Vorschlag formulieren: Die Person, die den Treiber spürt, formuliert einen konkreten Vorschlag zur Lösung oder Verbesserung.
  3. Verständnisfragenrunde: Der Moderator lädt die Gruppe ein, Verständnisfragen zum Vorschlag zu stellen, um Klarheit zu schaffen.
  4. Reaktionsrunde: Die Teilnehmer können auf den Vorschlag reagieren und erste Gedanken äußern.
  5. Konsent-Runde mittels Handzeichen:
    • Alle Teilnehmer ballen zunächst die Faust.
    • Der Moderator fragt: „Möchten wir diesen Vorschlag konsentieren?“
    • Daumen aufrichten: Kein Einwand. Die Entscheidung kann getroffen werden.
    • Offene Hand (wie ein Geschenk reichen): Ein valider Einwand wird geäußert. Dieser Einwand muss begründen, warum der Vorschlag der Organisation oder dem Team einen Schaden zufügen würde (z.B. Budgetüberschreitung, Beeinträchtigung der Zusammenarbeit).
    • Wackelnde Hand (Welle): Es besteht ein Bedenken. Die Person würde es vielleicht anders machen, kann aber mit dem Vorschlag mitgehen. Es ist kein Einwand, sondern eine zusätzliche Information, die bei der Umsetzung beachtet werden sollte.
  6. Umgang mit Einwänden: Bei einem validen Einwand wird darüber gesprochen, um den Vorschlag anzupassen oder eine alternative Lösung zu finden. Bedenken werden notiert und in der Umsetzung berücksichtigt.
  7. Metrik und Review-Datum festlegen: Jede Entscheidung wird mit einer Metrik versehen und ein Datum für die Überprüfung festgelegt, um die Relevanz und Wirksamkeit in der Zukunft zu gewährleisten.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Ein wesentlicher Aspekt des Konsent ist die „Artful Participation“: Jede Wortmeldung sollte darauf abzielen, die Gruppe weiterzubringen, und nicht nur dem Reden willen erfolgen. Moderatoren sollten dies transparent machen und darauf achten, dass Einwände als wertvolle „Geschenke“ betrachtet werden, die die Gruppe vor möglichen Schäden schützen, anstatt als bloße Kritik. Es ist wichtig, zwischen einem Bauchgefühl und einem objektiv begründbaren, validen Einwand zu unterscheiden, der einen konkreten Schaden für das Team oder die Organisation belegen kann. Die Rolle des Moderators ist entscheidend, um den Prozess klar zu führen und die Prinzipien des Konsents im Team zu verankern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Hauptunterschied zwischen Konsens und Konsent?

Konsens sucht nach einem „Sweetspot“, bei dem sich alle wohlfühlen und einverstanden sind. Konsent hingegen fragt, ob jemand einen validen Einwand gegen eine Entscheidung hat, was bedeutet, dass niemand „hart etwas dagegen hat“, auch wenn es nicht die persönlich präferierte Lösung ist.

Warum ist die Konsent-Methode besonders gut für Remote-Meetings geeignet?

Die nonverbalen Handzeichen (Faust, Daumen hoch, offene Hand, wackelnde Hand) ermöglichen eine schnelle und klare Abfrage der Meinungen, ohne dass jeder einzeln sprechen muss. Dies spart Zeit und reduziert die Tendenz, Meinungen zu wiederholen, was Remote-Meetings effizienter macht.

Was genau gilt als „valider Einwand“ im Konsent-Kontext?

Ein valider Einwand liegt vor, wenn der vorgeschlagenen Entscheidung ein Schaden für die Organisation, das Team oder dessen Fähigkeit, seinen Zweck zu erfüllen, entstehen würde. Er sollte nicht aus einem Bauchgefühl heraus formuliert werden, sondern begründbar sein, beispielsweise durch finanzielle Auswirkungen oder die Unfähigkeit, Ziele zu erreichen.

Welche Prinzipien liegen dem Konsent zugrunde?

Dem Konsent liegen die Prinzipien der „Artful Participation“ (wertvolle Beiträge leisten) und „good enough for now and safe enough to try“ (Entscheidungen sind gut genug für den Moment und sicher genug, um ausprobiert zu werden) zugrunde. Dies fördert eine pragmatische und iterative Herangehensweise an Entscheidungen.

Der Kopf hinter dem Impuls

Jens Springmann meldet sich aus Hildesheim in Niedersachsen. Er ist Innovation Coach bei Queer Effective. Seine Arbeit umfasst nicht nur Innovation, sondern auch New Work und agile Methoden. Er beschäftigt sich damit, wie Innovation intern von der Organisation und Struktur aufgestellt sein muss, da Kreativität und Innovation einen fruchtbaren Boden im Unternehmen finden sollen.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Die Faust ballen mit Jens

Im Meeting eine Faust machen? Das klingt erstmal wenig produktiv. Heute haben wir Jens zu Besuch im Podcast – und er verrät uns, wie man mit der geballten Faust schneller zum Ziel kommen kann.

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