Das Seil der Wahrheit: Teams verstehen lernen mit Judith Andresen

Timeline- und Symbolarbeit in Retrospektiven – Gefühle und Wahrheiten sichtbar machen

TL;DR: Die Timeline- und Symbolarbeit ist eine kreative Methode für Retrospektiven und Post-Mortem-Analysen. Sie hilft Teams, unterschiedliche Perspektiven und tiefere Gefühle sichtbar zu machen, um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und konkrete nächste Schritte abzuleiten.

Worum geht es?

In dieser Episode stellt Judith Andresen eine einzigartige Methode vor, die „Timeline-Arbeit oder Symbolarbeit für Retrospektive und Post-Mortem-Analysen“. Dieses wirksame Tool ermöglicht es Teams, Gefühle, „Schwingungen“ und Nichtgesagtes zu klären, insbesondere in Situationen, in denen viele unterschiedliche Wahrheiten oder Perspektiven auf ein Projekt oder einen Prozess existieren. Durch die Abstraktion mittels Seilen und Symbolen wird es möglich, selbst komplexeste Teamdynamiken und individuelle Erfahrungen greifbar und besprechbar zu machen, um so zu einem tieferen, gemeinsamen Verständnis zu gelangen.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Retrospektiven, Post-Mortem-Analysen, Teamentwicklungskontexte, schwierige Situationen mit vielen Wahrheiten und unterschiedlichen Perspektiven
Zielgruppe / Größe Teams (ab 8 Personen), auch Großprojekte (bis zu 20 Personen erwähnt)
Dauer Nicht spezifiziert
Material
  • Koffer mit vielen bunten, greifbaren Symbolen (z.B. Puppen, Legosteine, Sonne, Mond, Tierfiguren wie Spinnen, Schlangen, Kaninchen; Postkarten). Wichtig: Symbole sollten eine bestimmte Größe haben, um im Raum erkennbar zu sein.
  • Vier unterschiedliche Taue/Seile (z.B. aus Hanf, gestrickt, Plastik).
  • Zettel und Stift für den Moderator.
  • Optional: Schere (als Symbol).
Schwierigkeitsgrad Leicht im Tun, aber tief in der Wirkung

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Macht tiefe Gefühle, „Schwingungen“ und unausgesprochene Intuitionen greifbar und sichtbar.
  • Ermöglicht das Erkennen und Verstehen vielfältiger, nebeneinander existierender Wahrheiten innerhalb des Teams.
  • Fördert die Sprachfähigkeit der Teammitglieder, um über komplexe Erlebnisse und persönliche Perspektiven zu kommunizieren.
  • Schafft ein gemeinsames Verständnis für den Projektverlauf und die Teamdynamik, selbst wenn unterschiedliche Perspektiven bestehen bleiben.
  • Leitet zu konkreten Handlungsempfehlungen für die zukünftige Zusammenarbeit und Projektgestaltung.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Vorbereitung: Stellen Sie einen Koffer mit einer breiten Palette an bunten, greifbaren Symbolen (z.B. Spielfiguren, Naturmaterialien, Alltagsgegenstände) und vier unterschiedlichen Tauen (z.B. aus Hanf, gestrickt, Plastik) bereit. Achten Sie darauf, dass die Symbole im Raum gut erkennbar sind.
  2. Tau wählen und legen: Bitten Sie die erste Person, ein Tau auszuwählen, das das zu reflektierende Projekt oder den Prozess symbolisiert. Die Person legt das Tau auf den Fußboden. Die Art des Legens (gerade, verworren, mit Schleifen) visualisiert bereits das erste Gefühl zum Projektverlauf.
  3. Anfang und Ende festlegen: Die Person definiert den Anfang und das Ende der symbolischen Zeitlinie. Der Moderator schreibt „Der Anfang“ auf einen Zettel und legt ihn am Startpunkt des Taus ab.
  4. Symbole für Meilensteine: Die Person wählt nun ein Symbol aus dem Koffer, das den Anfang oder den ersten wichtigen Schritt repräsentiert, und platziert es beim entsprechenden Zettel. Der Moderator fragt nach dem nächsten großen Schritt oder Ereignis und wiederholt den Prozess (Zettel mit Beschreibung, Auswahl eines Symbols).
  5. Andere Perspektiven einbeziehen: Nachdem die erste Person ihre Timeline skizziert hat, werden die anderen Teammitglieder eingeladen, ihre Sichtweise einzubringen. Sie können ergänzen, ob etwas fehlt, Symbole ersetzen, eigene Symbole hinzufügen oder sogar neue Taue legen, die ihre abweichenden Perspektiven darstellen (z.B. sich kreuzende Taue, symbolische „Abschnitte“ durch eine Schere).
  6. Austausch und Reflexion: Das Team erzählt und diskutiert die Geschichten anhand der ausgelegten Symbole und Taue. Dies fördert den Austausch über unterschiedliche Wahrnehmungen, Gefühle und Intuitionen.
  7. Gemeinsames Verständnis und nächste Schritte: Reflektieren Sie gemeinsam, was die visualisierten „Bilder“ über das Projekt oder den Prozess aussagen. Das Ziel ist nicht, eine einzige Wahrheit zu finden, sondern ein gemeinsames Verständnis für die verschiedenen Realitäten zu entwickeln und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die zukünftige Zusammenarbeit abzuleiten.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Diese Methode ist besonders wirkungsvoll, um in komplexen Situationen mit unterschiedlichen Wahrheiten Sprachfähigkeit zu schaffen. Achten Sie als Moderator darauf, einen sicheren Raum zu bieten, in dem alle Perspektiven Gehör finden und nebeneinander bestehen dürfen. Die Symbole dienen als mächtige Anker, um Intuitionen und Gefühle zu externalisieren und besprechbar zu machen, die sonst schwer in Worte zu fassen wären. Seien Sie offen dafür, den Symbolkoffer im Laufe der Zeit zu erweitern, basierend auf den Rückmeldungen, welche Symbole im Prozess als fehlend empfunden wurden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist das Ziel der Timeline- und Symbolarbeit?

Das Ziel ist, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, das viele unterschiedliche Perspektiven beinhaltet. Es geht darum, die verschiedenen Realitäten zu erkennen und darauf aufbauend zu entscheiden, wie das Team gemeinsam voranschreiten kann, anstatt eine einzige „Wahrheit“ zu erzwingen.

Welche Materialien benötige ich für die Methode?

Sie benötigen Taue (z.B. aus Hanf, gestrickt, Plastik – insgesamt vier Stück werden empfohlen) und einen Koffer voller vielfältiger, greifbarer Symbole. Dazu gehören beispielsweise Puppen, Legosteine, Tierfiguren, Sonne, Mond, Postkarten. Wichtig ist, dass die Symbole groß genug sind, um im Raum erkennbar zu sein.

Wie viele Personen können an dieser Methode teilnehmen?

Die Methode eignet sich für kleinere Teams (z.B. acht Personen) ebenso wie für Großprojekte mit bis zu 20 Teilnehmenden, die gemeinsam eine Timeline gebaut haben.

Woher stammt die Idee zur Symbolarbeit?

Die Referentin Judith Andresen hat Formen der Symbolarbeit ursprünglich in ihrer psychotherapeutischen Ausbildung kennengelernt und für Teamentwicklungskontexte weiterentwickelt, um Teams in die Sprachfähigkeit zu bringen.

Der Kopf hinter dem Impuls

Judith Andresen ist die Expertin, die diese faszinierende Methode in den Methodenmontag mitbringt. Sie begleitet den Podcast bereits seit langer Zeit und ist bekannt dafür, „schwere Kost“ auf spielerische und leicht zugängliche Weise zu vermitteln. Ihre Expertise in der Timeline- und Symbolarbeit hilft Teams, tiefgründige Einblicke zu gewinnen und komplexe Themen verständlich zu machen.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Das Seil der Wahrheit: Teams verstehen lernen mit Judith Andresen

In dieser Folge bringt Judith eine kreative und wirkungsvolle Methode mit: die Symbol- und Timelinearbeit für Retrospektiven und Post-Mortem-Analysen. Sie zeigt, wie Teams durch Seile und Symbole unterschiedliche Wahrheiten sichtbar machen, Sprachfähigkeit gewinnen und gemeinsam neue Wege finden können. Spielerisch, tiefgründig und voller Aha-Momente.

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