TRIS Methode: Kreative Destruktion für neue Perspektiven – Probleme spielerisch aufdecken
TL;DR: TRIS (T-R-I-Z) ist eine Liberating Structure, die durch „kreative Destruktion“ Raum für Neues schafft. Teams identifizieren, was sie tun müssten, damit ein Projekt scheitert, und decken auf, welche dieser „Anti-Muster“ sie bereits unbewusst anwenden, um so neue Perspektiven zu gewinnen und konkrete Maßnahmen zu generieren.
Worum geht es?
Entdecke die TRIS-Methode, eine faszinierende Liberating Structure, die dich und dein Team dazu einlädt, Probleme auf unkonventionelle Weise anzugehen. Statt direkt nach Lösungen zu suchen, wird der Fokus zunächst auf die kreative Destruktion gelegt: Was müssten wir tun, um absichtlich zu scheitern? Diese spielerische Umkehrung der Perspektive hilft, ungesagte Wahrheiten und blinde Flecken aufzudecken, die den Fortschritt behindern könnten. TRIS ist ideal, um festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen und echte Aha-Momente im Team zu schaffen.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Retrospektiven, Problemlösung, Team-Begleitung, zur Steigerung der Selbstreflexion |
| Zielgruppe / Größe | Teams (nicht für absolute Anfänger-Teams oder Teams nach einem „krassen Fuck-up“; besonders geeignet für Teams im „Höhenflug“ oder wo es „immer gut läuft“) |
| Dauer | Nicht spezifiziert |
| Material | Nicht spezifiziert |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel (erfordert eine gewisse Reife des Teams und Moderationserfahrung) |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Öffnet neue und oft humorvolle Perspektiven auf bestehende Probleme durch eine ungewöhnliche Fragestellung.
- Deckt unangesprochene Probleme, „heilige Kühe“ und subtile Fehlentwicklungen im Team auf.
- Fördert ehrliche Selbstreflexion und den Mut, Missstände oder ineffiziente Vorgehensweisen anzusprechen.
- Schafft auf spielerische und humorvolle Weise Raum für konstruktive Kritik und die Ableitung konkreter Verbesserungsmaßnahmen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Einstieg mit der „Super-Frage“: Stelle dem Team eine kontextbezogene Frage, die darauf abzielt, wie man das jeweilige Projekt, die Firma oder die Arbeitsweise absichtlich zum Scheitern bringen könnte. Beispiele: „Was müssen wir tun, damit das Projekt an die Wand fährt?“, „Was müssen wir tun, damit die Firma pleite geht?“ oder „Was müssen wir tun, damit wir jede Woche nur noch Bugs fixen müssen?“.
- Sammeln der „Anti-Muster“: Lasse das Team (entweder in Kleingruppen oder im Plenum) alle Ideen sammeln, wie man es „richtig verkacken“ kann. Sammelt alle destruktiven Vorschläge.
- Reflexion der Realität: Frage in einer zweiten Runde: „Okay, guckt euch diese Liste mal an. Gibt es irgendetwas davon, was wir schon näherungsweise tun?“ Dies ist der Moment für Aha-Erlebnisse.
- Übergang zur Lösungsfindung: Sobald die Liste der unbeabsichtigten „Anti-Muster“ identifiziert wurde, kann das Team in den normalen Retro-Modus übergehen. Besprecht die gefundenen Punkte und leitet konkrete Maßnahmen ab, um diese unerwünschten Verhaltensweisen oder Zustände zu vermeiden. Nutzt bei Bedarf weitere Methoden aus dem Methoden-Koffer zur Maßnahmenentwicklung.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Die TRIS-Methode ist nicht für jedes Team und jede Situation geeignet. Vermeide sie bei absoluten Anfänger-Teams oder Teams, die gerade ein „krasses Fuck-up“ hinter sich haben und emotional angeschlagen sind. Sie zündet besonders gut bei Teams, die sich im „Höhenflug“ befinden oder wo es „immer gut läuft“, um sie auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen und neue Perspektiven zu eröffnen. Sei flexibel in deiner Moderation und passe die Methode an den Kontext und die Reife des Teams an. Beherrsche die Moderations-Basics, bevor du die Methode „nach eigenem Gusto würzt“. Oft werden „heilige Kühe“ oder unangesprochene Probleme, besonders im Kontext von Führungskräften, auf humorvolle und spielerische Weise angesprochen, was den Raum für offene Kommunikation öffnet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet TRIS?
TRIS (T-R-I-Z) ist eine Liberating Structure, die auf einem russischen Problemlösungsframework basiert. In den Liberating Structures bedeutet es, durch kreative Destruktion Raum für Neues zu schaffen.
Wann sollte ich TRIS nicht anwenden?
TRIS ist nicht geeignet für absolute Anfänger-Teams oder Teams, die gerade ein „krasses Fuck-up“ hinter sich hatten und emotional angeschlagen sind. Es hängt stark von der Reife des Teams ab.
Warum ist die Methode so effektiv?
Die Methode ist effektiv, weil sie eine neue Perspektive eröffnet, indem sie Teams dazu anregt, über das Scheitern nachzudenken. Dies hilft, unangesprochene Probleme und „heilige Kühe“ aufzudecken, die sonst ignoriert würden, und schafft einen sicheren, oft humorvollen Raum für Kritik und Verbesserungen.
Kann ich die Methode anpassen?
Ja, Axel Genz betont, dass er kein Mega-Fan davon ist, nach Anleitungen zu moderieren. Man kann eigene Zutaten hinzufügen und die Methode an den Kontext und die Reife des Teams anpassen, solange die grundlegenden Prinzipien und die Moderations-Basics beherrscht werden.
Der Kopf hinter dem Impuls
Axel Genz ist Wahlkölner, freiberuflicher Produktcoach und Agile Coach. Er hilft überwiegend Software-Teams dabei, bessere Software-Produkte zu bauen. Zusammen mit Robin Moran moderiert er den Podcast „Die Abteilungsleiter der Liebe“, einen humorigen Podcast, der sich um Leadership, Bürowelt und Office-Themen dreht.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Alles kaputtmachen mit Axel Genz
Wann habt ihr das letzte Mal mutwillig alles kaputtgemacht? Unser heutiger Gast Axel Genz bringt euch eine Methode mit, in der eure Team-Mitglieder genau das tun dürfen – um daraus konkret etwas zu lernen. Wie es geht? Erfahrt ihr in dieser Folge.
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