Agile Hafenkneipe #1: Zu Gast sind Sabine und Ansgar

Monkey Management für mehr Team-Autonomie – Verantwortung abgeben und Empowerment fördern

TL;DR: Monkey Management ist eine Retrospektiven-Methode, die Teammitglieder dazu anregt, Eigenverantwortung für ihre Probleme zu übernehmen. Sie hilft Führungskräften und Coaches, das Abwälzen von „Affen“ zu vermeiden und stattdessen das Team zur Entwicklung eigener Lösungen zu befähigen, um Selbstorganisation und nachhaltige Motivation zu fördern.

Worum geht es?

In der agilen Welt ist die Förderung von Selbstorganisation und intrinsischer Motivation entscheidend. Doch oft neigen Teams dazu, Probleme bei ihren Coaches oder Führungskräften abzuladen – ein Phänomen, das als „Papa Schlumpf-Syndrom“ bekannt ist. Monkey Management bietet einen spielerischen Ansatz, um diese Dynamik zu durchbrechen und Teams dabei zu unterstützen, ihre Herausforderungen selbst in die Hand zu nehmen.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Retrospektiven, Coaching, Teamführung
Zielgruppe / Größe Teams, Führungskräfte, Coaches
Dauer Nicht spezifiziert (als Teil einer Retrospektive)
Material Ein kleiner Affe (symbolisch, optional physisch auf den Tisch stellen)
Schwierigkeitsgrad Mittel (erfordert eine bewusste Haltungsänderung des Coaches/der Führungskraft)

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Fördert die Selbstorganisation und Eigenverantwortung der Teammitglieder.
  • Hilft dem Team, Probleme und Herausforderungen proaktiv anzugehen und eigene Lösungen zu entwickeln.
  • Verhindert, dass Führungskräfte oder Coaches in die Rolle des „Papa Schlumpfs“ geraten, der alle Probleme selbst löst.
  • Schafft Klarheit über die Verantwortlichkeiten innerhalb des Teams.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. „Affen“ identifizieren: Beobachten Sie als Coach oder Führungskraft, wann Teammitglieder Probleme oder Aufgaben bei Ihnen „abladen“ wollen, anstatt selbst dafür die Verantwortung zu übernehmen.
  2. Den „Affen“ in den Raum stellen: Machen Sie visuell oder sprachlich deutlich (z.B. durch das Platzieren einer Affenfigur), dass es sich um ein Problem handelt, dessen Verantwortung beim Team liegt. Sabine beschreibt dies mit „hier ist der Affe und den nehme ich nicht, den nehme ich nicht auf den Schuss, das ist euer Affe.“
  3. Verantwortung ablehnen: Lehnt das Übernehmen des Problems explizit ab, um die Botschaft zu verstärken, dass das Team selbst am Zug ist.
  4. Lösungsfindung unterstützen: Anstatt Lösungen vorzugeben, ermutigen Sie das Team, über eigene Ansätze und nächste Schritte nachzudenken („Jetzt müssen wir wieder über unsere Themen selber nachdenken“). Begleiten Sie den Prozess durch gezielte Fragen, ohne die Verantwortung zu übernehmen.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Ein häufiger Stolperstein ist der Widerstand des Teams, wenn es gewohnt ist, dass der Coach oder die Führungskraft die Probleme löst („Jetzt kommt sie wieder nicht mit einer Beratung und einer Lösung. Nein, jetzt müssen wir wieder über unsere Themen selber nachdenken. So ein Mist auch.“). Hier ist eine konsistente Haltung des Coaches entscheidend. Eine weitere Herausforderung ist das eigene „Papa Schlumpf-Syndrom“ des Coaches, also die Neigung, aus helfender Absicht die Verantwortung an sich zu ziehen.

Ein wertvoller Tipp ist, sich als Coach oder Führungskraft in die Rolle des „Alfred“ zu versetzen, statt die des „Batman“. Das bedeutet, die Helden sind die anderen (das Team), und der Coach ist derjenige, der im Hintergrund unterstützt, die Anzüge heil macht und die richtigen Fragen stellt, damit das Team selbst auf die Lösungen kommt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist das „Papa Schlumpf-Syndrom“?

Das „Papa Schlumpf-Syndrom“ beschreibt die Situation, in der ein Scrum Master oder eine Führungskraft dazu neigt, dem Team alle Probleme aus dem Weg zu räumen und sämtliche Hindernisse zu beseitigen, anstatt das Team zu befähigen, dies selbst zu tun. Dies kann dazu führen, dass das Team passiv wird und keine Eigenverantwortung entwickelt.

Was bedeutet es, einen „Affen abzuladen“?

Einen „Affen abzuladen“ bedeutet, eine Aufgabe oder ein Problem, für das man selbst verantwortlich ist, an eine andere Person (oft eine Führungskraft oder einen Coach) zu delegieren, ohne dabei die Verantwortung für die Lösung abzugeben. Dies führt zu einer Überlastung der anderen Person mit den „Affen“ der Teammitglieder.

Wie hilft Monkey Management einem Team?

Monkey Management hilft einem Team, indem es die Übernahme von Eigenverantwortung fördert. Es macht sichtbar, welche Probleme bei wem liegen und ermutigt Teammitglieder, ihre eigenen „Affen“ zu behalten und Lösungen zu finden. Dies stärkt die Selbstorganisation und Problemlösungskompetenz des Teams.

Kann Monkey Management in Retrospektiven angewendet werden?

Ja, Sabine beschreibt Monkey Management explizit als eine Methode, die sie in Retrospektiven eingesetzt hat, um mit Teamthemen umzugehen. Es ist besonders nützlich, um die Verantwortlichkeiten für identifizierte Verbesserungen klar zuzuweisen.

Der Kopf hinter dem Impuls

Sabine Seewald ist Agile Coach bei Otto und verfügt über eine langjährige Erfahrung in der agilen Begleitung von Teams und Organisationen. Sie war eine der ersten Gäste des Podcasts und ist bekannt dafür, das „Papa Schlumpf-Syndrom“ bei Scrum Mastern diagnostiziert und die Monkey Management Methode erfolgreich in Retrospektiven eingesetzt zu haben, um Teams zur Eigenverantwortung zu befähigen.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Agile Hafenkneipe #1: Zu Gast sind Sabine und Ansgar

Gläserklirren, knirschende Barhocker und steile Stammtischparolen – Willkommen in der Agilen Hafenkneipe von Jan und Florian. Die beiden haben sich Sabine Seewald und Ansgar Wimmer an die Theke geholt und sprechen ohne Zeitlimit über Agile Themen. Nehmt euch einen Drink und hört rein!

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