Spazieren, Schweigen, Zuhören: Eine Methode mit Wirkung

Walk and Listen – Aktives Zuhören durch Schweigen und Gehen

TL;DR: Walk and Listen ist eine einfache, aber wirkungsvolle Methode, bei der Führungskräfte im gemeinsamen Spaziergang bewusst schweigen, um Teammitgliedern maximalen Raum für Reflexion und Ausdruck zu geben. Sie fördert tiefgehende Gespräche und Verständnis, besonders in Veränderungsprozessen.

Worum geht es?

In dieser Folge stellt Jan die von New York Masterskills abgewandelte Methode „Walk and Listen“ vor. Sie ist eine kleine, aber feine Methode, die bewusst Raum für Stille und intensives Zuhören schafft. Besonders in Zeiten der Veränderung bietet sie Führungskräften als People Lead die Möglichkeit, sich bewusst Zeit zu nehmen, um Teammitgliedern zuzuhören und ihre Perspektiven, Gedanken und Emotionen zu verstehen. Es geht darum, durch das Zurücknehmen der eigenen Redezeit dem Gegenüber den vollen Raum zu geben.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Mitarbeitergespräche, Teamreflexion in Veränderungsprozessen
Zielgruppe / Größe Führungskraft im Einzelgespräch mit Teammitglied
Dauer Mindestens 30 Minuten pro Gespräch, mit geblockter Pufferzeit danach
Material Gute raumöffnende Fragen
Schwierigkeitsgrad Mittel (erfordert Disziplin beim Schweigen und Empathie)

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Schafft einen geschützten Raum für offene Gespräche und den Ausdruck von Emotionen.
  • Ermöglicht der Führungskraft, intensiver und aufmerksamkeitsstärker zuzuhören.
  • Bietet Teammitgliedern die Möglichkeit, tief in sich zu gehen und ihre Gedanken zu formulieren.
  • Fördert das Gefühl der Wertschätzung und ein besonderes Erlebnis durch das bewusste Schweigen.
  • Trägt zu einem besseren Verständnis der aktuellen Situation und individuellen Empfindungen bei.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Zeit blocken: Plane ausreichend Zeit (mindestens 30 Minuten) für jeden Spaziergang im Kalender ein und blocke zusätzliche Pufferzeit im Anschluss, um aufkommende Emotionen halten zu können.
  2. Fragen vorbereiten: Überlege dir raumöffnende Fragen, die nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden können (z.B. „Was macht die aktuelle Situation mit dir?“). ChatGPT kann dabei unterstützen.
  3. Den Rahmen schaffen: Gehe mit dem Teammitglied spazieren. Dies hilft, den Blick schweifen zu lassen und Stille besser auszuhalten.
  4. Die Stille ankündigen: Stelle die Frage und kündige an, dass du für die nächsten drei, fünf oder sogar zehn Minuten schweigen wirst, um dem Gesprächspartner Raum zu geben, die Frage zu beantworten.
  5. Aktives Schweigen & Zuhören: Halte dich an die angekündigte Stille. Auch wenn es am Anfang ungewohnt ist und Widerstand hervorrufen kann, gib dem Gegenüber den Raum, seine Gedanken zu ordnen und auszudrücken.
  6. Verständnis prüfen: Wenn der Gesprächspartner fertig ist, wiederhole in eigenen Worten, was du verstanden hast, und frage nach, ob dies korrekt ist, bevor du die nächste Frage stellst.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Das Aushalten von Stille kann anfangs sowohl für die Führungskraft als auch für das Teammitglied sehr seltsam und unangenehm sein. Es erfordert Disziplin und das Vertrauen, dass sich der Raum mit der Zeit füllen wird. Wichtig ist, dem Gesprächspartner diesen Freiraum bewusst zu geben und sich als Führungskraft zurückzunehmen. Da intensive Gespräche Emotionen hervorrufen können, ist es entscheidend, ausreichend Pufferzeit nach dem Walk and Listen einzuplanen. So kannst du den entstandenen Raum auch halten und nachbereiten, falls dies nötig ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum ist Spazierengehen für diese Methode so gut geeignet?

Beim Spazierengehen kann man den Blick schweifen lassen, was hilft, Stille länger auszuhalten. Zudem fördert die Bewegung den Gedankenfluss und erleichtert es, sich zu öffnen und tiefgehende Themen zu besprechen, ohne direkten Blickkontakt halten zu müssen.

Wie lange sollte ich schweigen, nachdem ich eine Frage gestellt habe?

Es wird empfohlen, zunächst für drei, fünf oder sogar zehn Minuten bewusst zu schweigen. Die genaue Dauer hängt davon ab, wie der Raum vom Gesprächspartner gefüllt wird. Wichtig ist, die Stille auszuhalten, auch wenn es sich zunächst ungewohnt anfühlt.

Was, wenn mein Gesprächspartner nichts sagt?

Am Anfang kann es schwierig sein, und es können Aussagen wie „Was soll ich denn jetzt sagen?“ kommen. Hier ist es wichtig, die Stille weiterhin zu halten. Oft öffnen sich dann nach einer Weile Räume, und der Gesprächspartner fängt an, seine Gedanken und Gefühle zu teilen, die sonst verborgen geblieben wären.

Muss ich eine Coaching-Ausbildung haben, um Walk and Listen durchzuführen?

Nein. Auch wenn eine Coaching-Ausbildung hilfreich sein kann, um gute raumöffnende Fragen zu formulieren, kannst du Tools wie ChatGPT nutzen, um dir zehn passende Fragen zu einem spezifischen Thema und eurer Teamsituation generieren zu lassen.

Der Kopf hinter dem Impuls

Jan ist Gastgeber des Methodenmontag-Podcasts und People Lead. Er teilt seine persönlichen Erfahrungen mit der abgewandelten Walk and Listen Methode, die er für die Begleitung seines Teams in Veränderungsprozessen nutzt.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Spazieren, Schweigen, Zuhören: Eine Methode mit Wirkung

In dieser Folge stellt Jan die Methode Walk and Listen vor – ein bewusst stilles, aber tiefgehendes Format zur Teamreflexion. Beim gemeinsamen Spaziergang schenkt die Führungskraft volle Aufmerksamkeit, stellt raumöffnende Fragen und schafft so einen geschützten Raum für echte Gespräche und Emotionen. Eine einfache Methode mit überraschender Wirkung.

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