Ein besonderes Gespräch mit Thomas Dugaro

Die ganze Person zur Arbeit mitbringen – Authentizität & Vertrauen im Team stärken

TL;DR: Der Artikel beleuchtet die Bedeutung von Verletzlichkeit und Authentizität im Arbeitsumfeld. Thomas teilt eine persönliche Krise und zeigt auf, wie das Teilen privater Belastungen Vertrauen schafft und Teams menschlicher zusammenarbeiten lässt, während es gleichzeitig Führungskräfte ermutigt, Vorbild zu sein.

Worum geht es?

In dieser besonderen Folge des Methoden-Montags teilt Thomas Dugaro, Agile Coach in the Making bei Gruner und Jahr, eine tief persönliche und herausfordernde Erfahrung aus seinem Familienumfeld. Er nutzt die Plattform, um nicht nur eine wichtige Botschaft über den Umgang mit sensiblen Themen zu senden, sondern auch um die fundamentale Idee zu beleuchten, dass wir als ‚ganze Menschen‘ zur Arbeit kommen sollten. Es geht darum, Verletzlichkeit zu zeigen, Vertrauen zu schaffen und eine Kultur der Offenheit und Unterstützung im Team zu etablieren.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Teamkultur, Führung, Kommunikation, Umgang mit persönlichen Krisen
Zielgruppe / Größe Alle Teammitglieder, Führungskräfte
Dauer Nicht spezifiziert (kontinuierliche Haltung)
Material Offenheit, Empathie, Vertrauen
Schwierigkeitsgrad Mittel (erfordert persönliche Überwindung und ein sicheres Umfeld)

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Fördert Vertrauen und Nähe: Das Zeigen von Verletzlichkeit und das Teilen persönlicher Erlebnisse kann ein starkes Fundament für Vertrauen innerhalb des Teams legen.
  • Ermöglicht menschlichen Umgang: Wenn Teammitglieder um die persönlichen Herausforderungen anderer wissen, können sie empathischer und unterstützender reagieren.
  • Schafft ein unterstützendes Umfeld: Offenheit ermutigt Kollegen, Hilfe anzubieten und anzunehmen, was den Zusammenhalt stärkt und Entlastung ermöglicht.
  • Fördert Augenhöhe und Authentizität: Wenn Führungskräfte und Teammitglieder sich als ganze Menschen zeigen, wird die Hierarchie flacher und die Kommunikation ehrlicher.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Reflektiere deine Haltung: Überlege bewusst, wie viel du von dir selbst am Arbeitsplatz zeigst und inwiefern das zu deiner Rolle und Persönlichkeit passt.
  2. Sei ein Vorbild (besonders als Führungskraft): Lebe Offenheit und zeige selbst Verletzlichkeit, um Vertrauen zu schaffen und andere Teammitglieder zu ermutigen, es dir gleichzutun.
  3. Teile persönliche Belastungen (wenn du dich bereit fühlst): Wenn dich private Themen stark beschäftigen und du dich in einem unterstützenden Umfeld befindest, sprich sie an, um Verständnis zu schaffen und gegebenenfalls Unterstützung zu erhalten.
  4. Schaffe Raum für Austausch: Ermögliche Teammitgliedern, persönliche Themen anzusprechen, ohne dass dies zu einer therapeutischen Gruppensitzung wird. Kläre dabei die Grenzen.
  5. Biete und nimm Unterstützung an: Frage aktiv Kollegen, wie du helfen kannst, und erlaube dir selbst, Hilfe anzunehmen, wenn du sie brauchst.
  6. Sensibler Umgang mit Kindeswohl (spezifisches Beispiel): Im Kontext von sexualisierter Gewalt an Kindern: Stärke die Kinder, nimm kleinste Signale ernst, sprich mit ihnen, sei die Person, die handelt, und wende dich an professionelle Hilfe (z.B. Präventionsbeauftragte, Dunkelziffer e.V.). Wichtiger Leitsatz hierbei: Entlasten, nicht ermitteln.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Stolperstein 1: Beschwichtigung und Untätigkeit: Es ist oft einfacher, unangenehme oder schwierige Themen herunterzuspielen, zu beschwichtigen oder nichts zu tun. Dies kann dazu führen, dass Probleme ignoriert oder verschlimmert werden, insbesondere im Kontext von Kindeswohl.

Tipp: Sei die Person, die handelt. Setze dich durch und werde aktiv. Nutze bestehende Hilfsangebote und wende dich an Profis, um die Situation klar einzuschätzen und adäquat zu reagieren. Wichtig ist es, zu agieren statt zu reagieren.

Stolperstein 2: Überforderung des Teams oder der Rolle: Offenheit bedeutet nicht, das Team zu einer therapeutischen Gruppe zu machen oder eine professionelle Grenze zu überschreiten. Es kann auch Unsicherheit entstehen, wie viel man teilen soll oder wie man reagieren soll.

Tipp: Kommuniziere klar, dass es darum geht, den ganzen Menschen zu sehen, nicht aber um Therapie am Arbeitsplatz. Jeder entscheidet für sich selbst, wie viel er preisgibt. Als Führungskraft ist es wichtig, die Vorbildfunktion zu leben, aber auch zu signalisieren, dass professionelle Unterstützung für spezifische Themen von außen geholt werden sollte, wo es nötig ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum sollte ich als „ganzer Mensch“ zur Arbeit kommen?

Es schafft Augenhöhe, Vertrauen und Nähe im Team und ermöglicht einen menschlicheren Umgang miteinander, besonders in schwierigen Zeiten. Es hilft, Verständnis für die aktuelle Situation von Kollegen zu entwickeln und ein unterstützendes Umfeld zu schaffen.

Wie gehe ich mit sehr privaten Belastungen im beruflichen Umfeld um?

Wenn es dir gut tut und du ein unterstützendes Umfeld hast, teile deine Belastungen, um Verständnis zu schaffen und gegebenenfalls Unterstützung von Kollegen zu erhalten. Es hilft, dich selbst zu entlasten und zu zeigen, dass du ein ganzer Mensch mit allen Facetten bist, was die Teamdynamik positiv beeinflussen kann.

Ist es immer ratsam, alles Persönliche mit Kollegen zu teilen?

Nein, jeder sollte für sich selbst entscheiden, wie viel er von sich preisgibt. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen und die des professionellen Umfelds zu respektieren. Die Botschaft ist, die Möglichkeit dazu zu haben und ein Klima zu schaffen, in dem es möglich ist, nicht aber die Verpflichtung, alles zu teilen.

Welche Hilfsangebote gibt es bei sexualisierter Gewalt an Kindern?

Im Falle von sexualisierter Gewalt an Kindern sollte man sich an Präventionsbeauftragte von Sportvereinen oder Organisationen wie Dunkelziffer e.V. in Hamburg wenden, die professionelle Hilfe und Orientierung bieten. Wichtig ist, das Kind zu entlasten und nicht selbst zu ermitteln, um weitere Traumatisierungen zu vermeiden und eine korrekte Beweisführung zu ermöglichen.

Der Kopf hinter dem Impuls

Thomas Dugaro ist in der IT bei Gruner und Jahr tätig, leitet dort eine Gruppe von Mitarbeiter:innen, die sich um Zusammenarbeit und Projektmanagement kümmern, und ist als Agile Coach in the Making in Ausbildung. Er hat diese Plattform genutzt, um eine zutiefst persönliche und wichtige Botschaft zu teilen.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Ein besonderes Gespräch mit Thomas Dugaro

[Triggerwarnung sexualisierte Gewalt]

Eigentlich wollte uns Thomas eine Methode vorstellen. Kurz vor der Aufzeichnung dieser Folge hat er uns dann gesagt, dass er den Podcast gerne nutzen würde, um eine wichtige Botschaft zu verbreiten. Entstanden ist eine besondere und besonders wichtige Folge.

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