Inside-Out-Methode für psychologische Sicherheit – Offenheit im Team fördern
TL;DR: Die Inside-Out-Methode ist eine Retrospektiven-Methode, um psychologische Sicherheit explizit im Team zu thematisieren. Sie hilft Teams, gemeinsam gewünschte Verhaltensweisen für Offenheit zu definieren und schrittweise in den Arbeitsalltag zu integrieren, um eine angstfreie und wirksame Zusammenarbeit zu fördern.
Worum geht es?
Psychologische Sicherheit ist ein essenzieller Faktor für effektive und innovative Teams. Doch der Begriff bleibt oft abstrakt. In dieser Podcast-Episode stellt André Kaeding, inspiriert von Amy Edmondsons „Die angstfreie Organisation“, eine praxistaugliche Retro-Methode vor. Sein Ziel: Psychologische Sicherheit greifbar machen und Teams dabei unterstützen, eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens bewusst zu etablieren.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Retrospektiven, Teambegleitung im agilen Setting |
| Zielgruppe / Größe | Teams |
| Dauer | Nicht spezifiziert (Start-Retro mit Impuls, dann als Routine-Element mit weniger Raum) |
| Material | Nicht spezifiziert (impliziert Notizen, Whiteboard für Kreise) |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Macht das Konzept der psychologischen Sicherheit explizit und besprechbar.
- Fördert aktiv Verhaltensweisen wie offenes Fragenstellen, Feedback geben und Fehler eingestehen.
- Etabliert gemeinsam vereinbarte Regeln und Verhaltensweisen für eine angstfreie Zusammenarbeit.
- Schafft eine lebendige Dokumentation der gewünschten und unerwünschten Teamdynamiken.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Einführung und Impuls: Der Moderator gibt einen kurzen Impuls zu psychologischer Sicherheit: Was ist es und warum ist es für das Team sinnvoll?
- Datensammeln mit der Inside-Out-Methode:
- Stellen Sie die Frage: „Welches Verhalten wollen wir in unserem Team haben, um Offenheit bzw. psychologische Sicherheit zu fördern?“
- Zeichnen Sie einen großen Kreis. Alles, was gewollt ist, kommt in den inneren Bereich; alles, was nicht so gut ist, in den äußeren Bereich.
- Lassen Sie die Teilnehmer Beispiele für gewolltes Verhalten notieren (z.B. „Fragen stellen“, „Feedback ist willkommen“).
- Die Teilnehmer können kurz erläutern, was sie mit ihren Formulierungen meinen.
- Priorisierung und Voting: Führen Sie ein Voting durch, um herauszufinden, welches der identifizierten Verhaltensweisen für die Teilnehmer am wichtigsten oder am einfachsten zu erreichen ist, um es bis zur nächsten Retro auszuprobieren.
- Optional – Vertiefung (empfohlen): Nehmen Sie sich das gewählte Verhalten und gehen Sie in die Tiefe:
- Bitten Sie die Teilnehmer, sich in die Zukunft zu versetzen: „Wie fühlt es sich an, wenn dieses Verhalten etabliert ist und Normalität für euch geworden ist?“
- Fragen Sie: „Wie erinnert ihr euch daran, wenn es nicht klappt?“
- Fragen Sie: „Welche Regeln habt ihr vereinbart, um dieses Verhalten zu leben?“
- Lassen Sie die Teilnehmer dies aufschreiben. Mit diesen „Zukunfts-Regeln“ startet das Team in die Umsetzung.
- Dokumentation: Die entstandene Liste der Verhaltensweisen (innerer und äußerer Kreis) sollte als lebendige Dokumentation für das Team weitergeführt werden.
- Routine in folgenden Retros:
- In jeder folgenden Retro wird kurz reflektiert: „Wie hat die Umsetzung geklappt?“ „Was hat gut funktioniert?“ „Was nicht?“ „Gibt es etwas, das euch zurückgehalten hat?“
- Darüber wird reflektiert, gegebenenfalls nachgeschärft.
- Es wird gefragt: „Wollt ihr das nächste Verhalten angehen?“
- Dieser Prozess wird zur Routine und nimmt mit der Zeit immer weniger Raum in der Retro ein.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Ein wesentlicher Tipp aus der Episode ist, psychologische Sicherheit explizit zu machen. Oft wird versucht, sie implizit durch andere Methoden zu fördern, doch die direkte Ansprache des Konzepts schafft Klarheit und Bewusstsein im Team. Es ist wichtig, dass das Team prinzipiell offen für die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist, um die Methode wirksam anzuwenden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet psychologische Sicherheit?
Psychologische Sicherheit beschreibt einen Zustand im Team, in dem sich Mitglieder sicher fühlen, Risiken einzugehen, Fehler zuzugeben, Fragen zu stellen und offen ihre Meinungen zu äußern, ohne negative Konsequenzen oder Bloßstellung befürchten zu müssen.
Warum ist psychologische Sicherheit für Teams wichtig?
Sie ist entscheidend für eine offene Kommunikations- und Feedbackkultur, fördert Lernbereitschaft aus Fehlern, unterstützt das Stellen von kritischen Fragen und führt letztlich zu innovativeren und leistungsfähigeren Teams, da kein Wissen oder Bedenken zurückgehalten wird.
Was ist das Besondere an der Inside-Out-Methode in diesem Kontext?
Die Inside-Out-Methode ermöglicht es, den abstrakten Begriff der psychologischen Sicherheit in konkrete, handhabbare Verhaltensweisen zu übersetzen. Sie hilft Teams, explizit zu definieren, welche Verhaltensweisen sie fördern möchten, um eine angstfreie Umgebung zu schaffen.
Wie oft sollte das Thema psychologische Sicherheit im Team besprochen werden?
Nach einem initialen Impuls und der ersten Anwendung der Methode sollte das Thema psychologische Sicherheit als Routine in nachfolgenden Retrospektiven wieder aufgegriffen werden. Der Aufwand hierfür wird mit der Zeit geringer, da sich die vereinbarten Verhaltensweisen etablieren.
Der Kopf hinter dem Impuls
André Kaeding ist H.I. Coach, Teambegleiter und Psychologe aus Berlin. Als großer Fan des Podcasts kam er über seine Arbeit im Teamcoaching und seine psychologische Expertise zu dem Thema psychologische Sicherheit und entwickelte die vorgestellte Methode.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Eine Retro zu psychologischer Sicherheit mit André Kaeding
In diesem Podcast ging es schon das ein oder andere Mal um psychologische Sicherheit – Agile Coach André hat ein komplettes Retro-Konzept hierzu entwickelt. Wie diese Retro abläuft, erfahrt ihr in der heutigen Folge.
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