Der Listening Walk – Achtsam Zuhören und Verstehen
TL;DR: Der Listening Walk ist eine Methode für tiefes Zuhören und Verstehen. Zwei Personen sprechen abwechselnd über eine Frage, unterbrochen von stillen Gehphasen. Dies fördert Empathie und reduziert den Drang zur sofortigen Problemlösung, indem es Raum für authentische Wahrnehmung schafft.
Worum geht es?
In dieser Episode stellt Lena Marbacher, Mitgründerin des Magazins „Neue Narrative“, eine transformative Methode vor, die den Fokus auf achtsames Zuhören und Verstehen legt: den Listening Walk. Fernab von Wachstumsorientierung und Leistungsdruck geht es um neue Arbeits- und Wirtschaftsformen. Die Methode ist eine Einladung, sich bewusst dem Gespräch zu widmen, ohne sofort reagieren oder Probleme lösen zu müssen. Stattdessen werden Raum und Stille geschaffen, um Gedanken und Gefühle auf einer tieferen Ebene wahrzunehmen und zu validieren.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Workshops, Meetings, Retrospektiven, 1-on-1 Gespräche, auch digital (Sprachnachrichten) |
| Zielgruppe / Größe | Zwei Personen |
| Dauer | Ca. 20-30 Minuten (optional Schweigephasen auf 3 Minuten verkürzbar) |
| Material | Uhr (Timer), idealerweise Spaziergang (im Freien) |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel bis Hoch (wegen Schweigephasen und dem Verzicht auf sofortige Reaktion) |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Schafft Raum für echtes Sprechen und aufmerksames Zuhören ohne den Druck, sofort reagieren zu müssen.
- Fördert ein tieferes Verständnis für die Anliegen und die Gefühlswelt des Gegenübers.
- Reduziert den automatischen Impuls zur sofortigen Problemlösung und Ratschlaggebung.
- Ermöglicht die Validierung von Gefühlen und Herausforderungen durch reine Präsenz und Wahrnehmung.
- Kann zu mehr Ruhe und Zufriedenheit im Umgang miteinander führen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Paar bilden: Zwei Personen finden sich für den Listening Walk zusammen.
- Fragestellung wählen: Beide einigen sich auf eine gemeinsame oder wählen jeweils eine individuelle Frage, die sie umkreisen möchten (z.B. „Was bewegt mich gerade im Team?“, „Was macht mir gerade Angst?“).
- Uhr stellen: Ein Timer wird für die einzelnen Phasen eingestellt.
- Rollenverteilung festlegen: Person A beginnt zu sprechen, Person B hört zu und achtet auf die Zeit.
- Phase 1 (Sprechen Person A): Person A spricht für fünf Minuten im Monolog über ihre Fragestellung. Es geht darum, Gedanken, Gefühle und Assoziationen zu teilen, nicht unbedingt um eine direkte Beantwortung. Person B hört aktiv und achtsam zu, ohne zu unterbrechen, zu kommentieren oder zu reagieren. Der Fokus liegt auf der Verstandes- und Gefühlsebene.
- Phase 2 (Schweigen): Nach fünf Minuten Sprechzeit klingelt der Wecker, und beide schweigen für fünf Minuten (optional drei Minuten). Man geht weiter nebeneinander und lässt das Gehörte und die eigenen inneren Reaktionen wirken.
- Phase 3 (Sprechen Person B): Nun spricht Person B für fünf Minuten über die ursprüngliche Fragestellung. Es ist erlaubt, aber nicht zwingend, auf das vorher von Person A Gesagte Bezug zu nehmen. Der Fokus liegt weiterhin auf dem eigenen Monolog.
- Wiederholen: Die Abfolge „Sprechen (5 Min.) – Schweigen (5 Min.)“ wird dreimal im Wechsel wiederholt. Dies führt zu insgesamt 20 Minuten Gesprächsdauer und fördert ein tieferes Eintauchen in das Thema.
- Abschluss: Nach den drei Zyklen ist der Listening Walk beendet.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Die größte Herausforderung des Listening Walks liegt in den Schweigephasen und dem Verzicht auf sofortige Reaktion. Viele Menschen sind es nicht gewohnt, längere Zeit miteinander zu schweigen oder einfach nur zuzuhören, ohne Ratschläge zu geben oder Probleme lösen zu wollen. Es ist wichtig, den Teilnehmenden zu vermitteln, dass es nicht darum geht, eine Lösung zu finden, sondern darum, wahrzunehmen und zu validieren. Falls fünf Minuten Schweigen zu Beginn zu viel erscheinen, kann die Phase auf drei Minuten verkürzt werden. Auch der „Downloading“-Effekt, bei dem man von den Erzählungen des anderen sofort zu eigenen Assoziationen wechselt, ist eine Herausforderung; hier hilft die bewusste Konzentration auf den Sprechenden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Kern des Listening Walk?
Der Kern ist das achtsame Zuhören und das Schaffen von Raum für Gedanken und Gefühle, ohne den sofortigen Drang zur Reaktion oder Problemlösung.
Warum sollte man dabei spazieren gehen?
Das Spazierengehen verhindert direkten Augenkontakt, wodurch die sprechende Person mehr bei sich bleiben kann und die zuhörende Person weniger versucht, Reaktionen zu deuten.
Wie lange dauern die einzelnen Phasen?
Eine Sprechphase dauert 5 Minuten, gefolgt von einer 5-minütigen Schweigephase. Dieser Zyklus wird dreimal wiederholt.
Darf ich auf das Gesagte meines Gegenübers eingehen?
Ja, es ist nicht verboten, Bezug zu nehmen, aber der Fokus sollte auf dem eigenen Monolog zur Fragestellung liegen.
Der Kopf hinter dem Impuls
Lena Marbacher ist Mitgründerin des Magazins „Neue Narrative“. Das Magazin widmet sich Themen rund um neue Arbeits- und Wirtschaftsformen, jenseits des traditionellen Fokus auf Wachstum und Rendite.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Ein Spaziergang für die Ohren mit Lena Marbacher
Diese Woche bringt uns Lena Marbacher, Mitgründerin des Magazins „Neue Narrative“, eine Methode mit, mit der wir unsere Themen und Probleme besser ergründen können – indem wir Schweigen und Zuhören!
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