Auf einer besonderen Insel mit Anne Feuß

Evit Kep Sorter Insel-Retrospektive – Sprints kreativ und ganzheitlich reflektieren

TL;DR: Die Evit Kep Sorter Insel-Retrospektive ist eine kreative und bildhafte Methode, inspiriert von Walter Mörs‘ Käpt’n Blaubär, um erfahrene agile Teams neu für die Sprint-Reflektion zu begeistern. Sie bietet eine ganzheitliche Vogelperspektive auf den vergangenen Sprint, fördert das Loslassen von Belastungen und mündet in gemeinsam gestalteten Maßnahmen für die Zukunft.

Worum geht es?

Die von Anne vorgestellte Evit Kep Sorter Insel-Retrospektive ist eine innovative Methode, um Teams, die bereits lange mit Scrum arbeiten und viele Standard-Retrospektiven kennen, neu zu inspirieren. Basierend auf der bildreichen Welt von Käpt’n Blaubär, nimmt sie das Team mit auf eine gemeinsame Entdeckungsreise. Durch Storytelling und die Gestaltung einer visuellen Landkarte wird eine ganzheitliche Sicht auf den Sprint geschaffen, die sowohl online als auch offline funktioniert und auf den fünf Phasen der Retrospektive nach Esther Derby und Diana Larsen aufbaut.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Retrospektiven
Zielgruppe / Größe Teams, die bereits lange mit Scrum arbeiten und viele Standard-Retrospektiven kennen
Dauer Nicht spezifiziert
Material Post-its, große Landkarten-Vorlage (physisch oder digital), Stifte
Schwierigkeitsgrad Nicht spezifiziert

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Die Methode ermöglicht es, sich aus den aktuellen Herausforderungen wegzuträumen und auf eine kreative Entdeckungsreise zu begeben.
  • Sie schafft eine ganzheitliche Vogelperspektive auf den letzten Sprint und fördert das gemeinsame Gestalten eines grafischen Bildes.
  • Das Team kann Themen bewusst loslassen (verzichbare Herausforderungen) und neue Energiequellen identifizieren.
  • Sie führt zu realitätsnahen und umsetzbaren Maßnahmen für den nächsten Sprint, die das Team selbst mitgestaltet und committed.
  • Durch den grafischen Kontext wird eine andere Bewusstseinsebene angesprochen als nur das Schreiben von Post-its.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Vorbereitung: Die Insel gestalten

    Visualisiert eine Insel mit einem sich durchziehenden Fluss. Platziert folgende Elemente:

    • Sprintdorf: In der Mitte der Insel, am Flussufer (noch ohne Namen).
    • Lager von Arbeitspaketen: Gegenüber dem Sprintdorf (optional, repräsentiert den Backlog).
    • Spiegelwald der vergangenen Retrospektiven: Auf einer Seite der Insel.
    • Hafen mit Schiff: Am anderen Ende der Insel (das Schiff bringt zum nächsten Sprint, noch ohne Ladung).
    • Vier verschiedene Gegenden rund um das Dorf:
      • Wüste der verschwundenen Energiereserven (negativ belastet)
      • Sumpf der verzichtbaren Themen und Herausforderungen (negativ belastet)
      • Gebirge der Zukunftswünsche (positiv, optional)
      • Baum des neuen Sprintprobierens (positiv)

      Der Scrum Master kann diese Gegenden je nach Teamsituation anpassen.

  2. Phase 1: Set the Stage – Das Sprintdorf benennen

    • Fragt das Team, welchen Namen jeder Einzelne dem Dorf geben würde, um den letzten Sprint zu symbolisieren.
    • Jeder Teilnehmer schreibt seinen Namen auf ein Post-it, klebt es an das Dorf und erklärt seine Wahl.
    • Lasst das gestaltete Dorf wirken und debrieft: „Was fällt euch auf, wenn ihr auf das Dorf schaut?“ (oft unterschiedliche Namen, die individuelle Perspektiven zeigen).
    • Erinnert an die Prime Directive, um einen sicheren Rahmen zu schaffen.
  3. Phase 2: Gather Data – Die Insel erkunden

    • Spiegelwald der vergangenen Retrospektiven: Fragt das Team nach den Retro-Maßnahmen des letzten Sprints und wie diese umgesetzt wurden, um deren Wirksamkeit zu reflektieren.
    • Wüste der verschwundenen Energiereserven: Das Team pinnt Post-its zu Situationen an, in denen viel unnötige Energie verbraucht wurde oder viel Zeit gekostet hat.
    • Sumpf der verzichtbaren Themen und Herausforderungen: Hierhin kommen Post-its mit Themen, die das Team nach diesem Sprint nicht mehr erleben oder sehen möchte (Loslassen).
    • Energiefluss: Fragt, was dem Team im Sprint oder generell Energie gibt (z.B. Auszeiten, virtuelle Kaffeerunden).
    • Gebirge der Zukunftswünsche (optional): Das Team kann Wünsche für den nächsten Sprint oder darüber hinaus äußern (z.B. Lernfelder, Einbindung des Product Owners).
    • Lager der Arbeitspakete (optional): Hier können teamrelevante Themen zum Backlog-Management transparent gemacht und besprochen werden.
    • Ablauf: Jeder schreibt Karten, zieht sie auf das jeweilige Feld und sagt etwas dazu. Achtet auf Übersichtlichkeit (Kartengröße, farbliche Kodierung).
    • Clustering & Voting: Clustert die gesammelten Themen und lasst das Team über die wichtigsten abstimmen, um sie weiter zu besprechen.
  4. Phase 3: Generate Insights – Ursachenforschung

    • Triggert das Team, darüber nachzudenken, was im nächsten Sprint erneut auf die Füße fallen könnte und welche Maßnahmen benötigt werden.
    • Diskutiert die ausgewählten Themen offen, gegebenenfalls in Breakout-Sessions, um tiefere Ursachen zu erforschen.
  5. Phase 4: Decide What to Do – Ressourcen für die Reise

    • Baum des neuen Sprintprobierens: Maßnahmen, die das Team im nächsten Sprint umsetzen möchte, werden als „Ressourcen“ auf den Baum gehängt.
    • Ermahnt das Team, das „Schiff“ nicht zu überladen; die Maßnahmen sollten klein, realistisch und umsetzbar sein.
    • Das Team committet sich auf ausgewählte Maßnahmen und zieht die entsprechenden Post-its symbolisch auf das Schiff im Hafen.
  6. Phase 5: Close the Retrospective – Abfahrt vom Hafen

    • Stellt abschließende Fragen wie:
      • „Mit welcher Art von Boot verlassen wir diese Insel nach der Retrospektive? (Segelschiff, kleines Beiboot, riesiger Frachter)“
      • „Was seht ihr am Horizont? Wie sieht die nächste Sprintinsel aus?“
      • „Wie geht es euch jetzt, wenn ihr diese Insel betrachtet? Hat euch diese Karte Power gegeben?“

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Achtet auf die Übersichtlichkeit der Landkarte, da viele bunte Post-its schnell unübersichtlich werden können. Wählt eine ausreichend große Kartenfläche und überlegt euch eine farbliche Kodierung oder gebt bestimmte Farben für die Post-its vor, um die Orientierung zu erleichtern. Stellt sicher, dass die vom Team gewählten Maßnahmen realistisch und umsetzbar sind, um das Schiff für den nächsten Sprint nicht zu überladen. Es ist entscheidend, dass der ursprüngliche Zweck der Retrospektive – die Reflexion und Verbesserung des Sprints – im Vordergrund bleibt und die Methode nicht zum Selbstzweck wird.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Für welche Teams ist die Evit Kep Sorter Insel-Retrospektive besonders geeignet?

Die Methode ist besonders gut für Teams geeignet, die schon länger mit Scrum arbeiten und die gängigen Standard-Retrospektiven bereits kennen. Sie bietet eine neue, kreative Perspektive, um die Reflexion wieder spannend zu machen.

Kann diese Methode sowohl remote als auch vor Ort durchgeführt werden?

Ja, die Evit Kep Sorter Insel-Retrospektive funktioniert sowohl online (z.B. mit digitalen Whiteboards) als auch offline mit physischen Karten und Post-its.

Was ist die Hauptinspiration hinter dieser Retrospektiven-Methode?

Die Inspiration für die Methode stammt aus dem Buch „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ von Walter Mörs, dessen bildreiche Welt genutzt wird, um eine Fantasiereise für das Team zu gestalten.

Was ist das übergeordnete Ziel der Insel-Retrospektive?

Das Ziel ist es, eine ganzheitliche Sicht auf den letzten Sprint zu schaffen, das Team durch Storytelling zu begeistern, es zur Reflexion anzuregen und gemeinsam eine „Dokumentationslandkarte“ des Sprints zu erstellen, die konkrete Maßnahmen für die Zukunft liefert.

Der Kopf hinter dem Impuls

Anne arbeitet als Agile Coach und Scrum Master bei der Lufthansa Industry Solutions (LHIN). Ihre Aufgabe ist es, bei verschiedenen Kundenprojekten, die häufig agil stattfinden, die Rolle als Scrum Master und Agile Coach wahrzunehmen. Sie achtet darauf, dass Scrum möglichst effizient und pragmatisch eingesetzt wird, wobei Retrospektiven für sie eine ganz wichtige Rolle spielen.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

Auf einer besonderen Insel mit Anne Feuß

Heute geht es für uns auf eine ganz besondere Insel: Auf „Evit Kep Sorter“ (lies den Namen mal rückwärts!) erwartet uns eine spannende Methode, die uns heute Anne mitbringt.

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