Das ROGER-Prinzip – Mitarbeitende in Krisen wirksam begleiten
TL;DR: Das ROGER-Prinzip ist ein Akronym, das Führungskräften eine klare Struktur bietet, um auf Verhaltensänderungen und psychische Belastungen bei Mitarbeitenden zu reagieren. Es unterstützt dabei, krisenbetroffene Personen nicht reflexhaft, sondern bewusst und offen zu begleiten. Ziel ist es, die Eigenverantwortung und Handlungsfähigkeit der Person zu stärken, indem passende Unterstützung und Ressourcen angeboten werden.
Worum geht es?
In dieser Podcast-Folge stellt Lukas Steurer das ROGER-Prinzip vor, ein Akronym, das ursprünglich zur Unterstützung von Menschen in Krisen entwickelt wurde. Es bietet Führungskräften einen praktischen Leitfaden, um mit Mitarbeitenden umzugehen, die möglicherweise in einer Krise stecken oder psychische Belastungen zeigen. Das Prinzip hilft dabei, Beobachtungen von Verhaltensänderungen konstruktiv anzugehen und einen unterstützenden Raum zu schaffen, ohne die Verantwortung für die Überwindung der Krise vollständig zu übernehmen.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Begleitung von Personen in Krisensituationen, Führungskräfteentwicklung, Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz, Sterbe- und Trauerbegleitung |
| Zielgruppe / Größe | Führungskräfte (disziplinarisch, fachlich, prozessual wie Scrum Master, Teamleiter) im Umgang mit einzelnen Mitarbeitenden |
| Dauer | Nicht spezifiziert |
| Material | Nicht spezifiziert |
| Schwierigkeitsgrad | Nicht spezifiziert |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Bietet Führungskräften eine klare Struktur und Leichtigkeit im Umgang mit Mitarbeitenden in Krisensituationen.
- Fördert eine bewusste und offene Herangehensweise, indem nicht reflexhaft, sondern überlegt reagiert wird.
- Stärkt die Eigenverantwortung der betroffenen Person, indem Unterstützung und Ressourcen angeboten werden, ohne die Last der Problemlösung zu übernehmen.
- Ermöglicht es Führungskräften, gezielte Hilfsangebote zu vermitteln und Brücken zu spezialisierten Expertinnen und Experten zu bauen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- R – Reaktion (Reacting): Beobachte Verhaltensveränderungen bei Mitarbeitenden. Wenn du merkst, dass es einer Person nicht gut geht, reagiere bewusst darauf. Das bedeutet, ins Gespräch zu gehen und einen Raum zu öffnen, um das Thema anzusprechen.
- O – Offenheit (Openness): Schaffe eine Atmosphäre der Offenheit, in der die Person frei über ihre Situation sprechen kann. Verzichte auf Bewertungen oder Interpretationen; höre zunächst aufmerksam zu, was die Person mit sich trägt.
- G – Unterstützung und Informieren (Give Support): Prüfe, welche Art von Unterstützung du als Führungskraft leisten kannst und welche Möglichkeiten das Unternehmen bietet (z.B. Eskalationsstufen, interne/externe Hilfsangebote). Biete konkrete Unterstützungsleistungen an und baue Brücken zu spezialisierten Expertinnen und Experten.
- E – Ermutigung (Encouragement): Stehe der Person bei und stärke ihr den Rücken, damit sie aktiv Schritte zur Bewältigung ihrer Situation unternimmt. Ermutige sie, über die Themen zu sprechen und sich der Herausforderung zu stellen.
- R – Ressourcen (Resources): Identifiziere und biete zusätzliche externe Ressourcen an. Noch wichtiger ist es, die eigenen Ressourcen und Stärken der Person zu benennen und hervorzuheben. Dies hilft der Person, wieder in ihre eigene Handlungsfähigkeit zu kommen und das Gefühl der Ohnmacht zu überwinden.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Ein häufiger Stolperstein ist der Reflex, sofort Unterstützung anzubieten, ohne zuvor ausreichend zuzuhören und die Situation zu verstehen. Das ROGER-Prinzip betont, wie wichtig es ist, zunächst zu reagieren und Offenheit zu schaffen. Vermeide Bewertungen oder Interpretationen der Situation. Das Beispiel mit dem Taschentuch verdeutlicht: Stelle Ressourcen bereit, aber lass die betroffene Person selbst danach greifen, um ihren Prozess nicht zu unterbrechen.
Reflektiere zudem, was die Situation mit dir als begleitende Person macht. Es ist entscheidend zu verstehen, dass deine Rolle darin besteht, Unterstützung anzubieten und einen Rahmen zu schaffen, aber nicht, die Krise für die andere Person zu lösen oder die vollständige Verantwortung für deren Überwindung zu tragen. Dies schafft sowohl für die betroffene Person als auch für dich selbst eine gesunde Distanz und Leichtigkeit.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wofür steht das Akronym ROGER?
ROGER steht für: Reaktion (Reacting), Offenheit (Openness), Give Support (Unterstützung und Informieren), Ermutigung (Encouragement) und Ressourcen (Resources). Es bietet eine strukturierte Vorgehensweise zur Begleitung von Menschen in Krisen.
Ist die Reihenfolge der ROGER-Schritte zwingend einzuhalten?
Ja, der Ablauf der Buchstaben ist als zeitlicher, chronologischer Prozess gedacht. Es ist wichtig, zuerst zu reagieren und Offenheit zu schaffen, bevor man Unterstützung anbietet, um reflexhafte und möglicherweise nicht hilfreiche Interventionen zu vermeiden.
Was ist meine Rolle als Führungskraft im ROGER-Prinzip?
Deine Rolle ist die einer unterstützenden Begleitung. Du schaffst einen sicheren Raum, hörst zu, ermutigst und zeigst Wege zu professionellen Hilfsangeboten oder Ressourcen auf. Du bist jedoch nicht dafür verantwortlich, die Krise der anderen Person zu lösen, sondern ihr dabei zu helfen, wieder in die eigene Handlungsfähigkeit zu kommen.
Kann das ROGER-Prinzip auch in anderen Kontexten angewendet werden?
Ja, Lukas Steurer nutzt das Prinzip auch ehrenamtlich in der Sterbe- und Trauerbegleitung. Es ist ein vielseitiges Modell, um Menschen in unterschiedlichen persönlichen Krisen zu begleiten und ihre eigenen Stärken zu mobilisieren.
Der Kopf hinter dem Impuls
Lukas Steurer ist seit neun Jahren Teil der Beratung Jüder in Andresen. Ihm ist es wichtig, einen Raum zu gestalten, wo ein Miteinander entsteht und die Anliegen aller Personen und der Organisation im Kontext Beruf gesehen werden. Er ist zudem ehrenamtlich in der Sterbe- und Trauerbegleitung tätig und nutzt das ROGER-Prinzip regelmäßig in verschiedenen Kontexten, um Menschen in herausfordernden Lebenslagen zu unterstützen.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Das ROGER-Prinzip: Krisen souverän begleiten mit Lukas Steurer
Wie gehst du als Führungskraft mit Mitarbeitenden in Krisensituationen um? In dieser Folge stellt Lukas das ROGER-Prinzip vor – ein einfaches, aber wirkungsvolles Modell, um in herausfordernden Momenten angemessen zu reagieren. Dabei wird deutlich: Gute Unterstützung beginnt nicht mit Lösungen, sondern mit echter Offenheit und Präsenz.