„Was akzeptieren wir eigentlich?“ – Teamregeln sichtbar machen

Akzeptanz-Tabelle im Team – Ungeschriebene Regeln sichtbar machen

TL;DR: Die Akzeptanz-Tabelle ist eine Methode, um unausgesprochene Teamregeln und Verhaltensweisen zu identifizieren. Sie macht sichtbar, was von jedem Teammitglied akzeptiert oder nicht akzeptiert wird und hilft, bewusste Entscheidungen für gemeinsame Verhaltensweisen und Teamregeln zu treffen. Ziel ist es, Missverständnisse zu beseitigen und die Zusammenarbeit zu stärken.

Worum geht es?

In dieser Folge des Methoden-Montags stellt Jan eine von Michael und Svante bei New Red Master Skills gelernte Methode vor, die darauf abzielt, „Bad Habits“ oder ungeschriebene Regeln in Teams aufzudecken. Besonders wenn Teams lange zusammenarbeiten, schleichen sich Verhaltensweisen ein, über die man sich nie wirklich ausgetauscht hat. Die Methode bietet eine strukturierte Möglichkeit, individuelle Akzeptanzgrenzen zu klären und daraus gemeinsame Teamregeln abzuleiten, um die Zusammenarbeit bewusster und effektiver zu gestalten.

Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)

Kriterium Details
Einsatzgebiet Initiales Teambuilding, Team-Offsites, Workshops, Retrospektiven, zur Klärung von Zusammenarbeit und Verhaltensweisen
Zielgruppe / Größe Teams (sowohl neu zusammengestellte als auch langjährig bestehende Teams)
Dauer Nicht spezifiziert
Material Tabelle (analog DIN-A3-Blatt), Post-its, Stifte
Schwierigkeitsgrad Nicht spezifiziert

Der konkrete Mehrwert für das Team

  • Macht ungeschriebene Regeln und „Bad Habits“ im Team sichtbar und besprechbar.
  • Schafft Klarheit darüber, welche Verhaltensweisen von den Teammitgliedern akzeptiert oder nicht akzeptiert werden.
  • Ermöglicht das Ableiten verbindlicher Teamregeln und Commitments auf Basis eines gemeinsamen Konsenses.
  • Hilft, individuelle Grenzen und Bedürfnisse zu erkennen und zu respektieren (z.B. persönliche Begrüßungsrituale).
  • Bietet eine Struktur, um störende Verhaltensmuster oder Intransparenz konstruktiv anzusprechen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Tabelle vorbereiten: Erstelle eine Tabelle mit zwei Zeilen: „akzeptiert“ und „nicht akzeptiert“.
  2. Spalten definieren: Lege gemeinsam die Spalten für die Bereiche der Zusammenarbeit fest, die besprochen werden sollen (z.B. „Moderation von Meetings“, „Zusammenarbeit im Team“, „Umgang mit Führungskräften“, „Dokumentation“). Limitiere die Anzahl der Spalten beim ersten Durchlauf auf maximal fünf.
  3. Individuelle Reflexion: Jede Person erhält die Tabelle und schreibt auf Post-its, was sie in den jeweiligen Spalten akzeptiert und was sie nicht akzeptiert. Beispiele sind Pünktlichkeit, körperliche Berührungen oder die Verwendung von Spitznamen im Team und außerhalb.
  4. Zusammenführen der Ergebnisse: Im Idealfall persönlich vor Ort, kleben alle Teammitglieder ihre Post-its auf eine große gemeinsame Tabelle.
  5. Sortieren und Konsens bilden: Geht Spalte für Spalte durch. Sortiert Post-its, die Konsens darstellen (also von allen akzeptiert oder nicht akzeptiert werden), zusammen. Identifiziert und sortiert Dissens aus (wo es unterschiedliche Meinungen gibt).
  6. Priorisieren der Diskussionsthemen: Votiert, über welche Themen zuerst gesprochen werden soll, insbesondere über die Bereiche mit Dissens.
  7. Regeln und Commitments ableiten:
    • Für teamweite Themen: Erarbeitet gemeinsame Teamregeln oder Commitments (z.B. „Unpünktlichkeit ist okay bei wichtigem Grund, wenn erklärt“).
    • Für individuelle Grenzen: Erkennt an, dass manche Themen nur Konsequenzen für einzelne Personen haben. Die betroffene Person darf dann entscheiden (z.B. keine Umarmung für eine Person, wenn diese es nicht möchte, auch wenn es für alle anderen okay wäre).
  8. Externe Rahmenbedingungen klären: Besprecht, ob bestimmte Verhaltensweisen durch externe Rahmenbedingungen (z.B. Führungskräfteentscheidungen) vorgegeben sind, auch wenn sie intern Reflexe auslösen.

Stolpersteine & Tipps für die Moderation

Die Methode kann „relativ viel Energie freisetzen“, da lange schwelende Konflikte oder Frustrationen ans Licht kommen können. Es ist entscheidend, dass der Moderator darauf achtet, dass die Diskussionen über Situationen und Verhaltensweisen (die Sache) geführt werden und nicht in persönliche Angriffe oder Schuldzuweisungen münden. Eine klare Haltung des Moderators, den Fokus auf die Sachebene zu lenken, ist essenziell, um einen konstruktiven Austausch zu gewährleisten und wirkliche Lösungen zu erarbeiten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann ist der beste Zeitpunkt, um die Akzeptanz-Tabelle einzusetzen?

Die Methode eignet sich sowohl für den Start eines neuen Teams, um von Beginn an klare Regeln zu etablieren, als auch für etablierte Teams, beispielsweise bei einem Offsite, um eingeschliffene Verhaltensweisen zu reflektieren und bei Bedarf anzupassen.

Welche Art von Verhaltensweisen kann man mit dieser Methode ansprechen?

Es können alle Aspekte der Teamzusammenarbeit besprochen werden, von Pünktlichkeit bei Meetings über den Umgang miteinander (z.B. physische Berührungen, Spitznamen) bis hin zu Kommunikations- und Dokumentationsgewohnheiten.

Was passiert, wenn es bei einem Thema großen Dissens gibt?

Bei Meinungsverschiedenheiten wird zuerst darüber gesprochen. Für teamweite Themen muss ein Commitment oder eine Teamregel gefunden werden. Bei individuellen Bedürfnissen hat die betroffene Person das letzte Wort, und ihre Grenze wird respektiert, auch wenn die Mehrheit eine andere Meinung hat.

Kann diese Methode auch in Remote-Teams angewendet werden?

Obwohl eine Durchführung „klassischerweise wirklich vor Ort in Person“ empfohlen wird, um die volle Dynamik zu nutzen, kann die Methode mit digitalen Whiteboards (Miro, Mural) adaptiert werden, um die Tabelle und Post-its virtuell darzustellen und zu sortieren.

Der Kopf hinter dem Impuls

Jan hat diese Methode bei einer Weiterbildung von New Red Master Skills gelernt und von Michael und Svante erhalten. Er stellt sie im Podcast vor und hat Überlegungen zur Weiterentwicklung eingebracht.

Tiefer eintauchen: Die komplette Folge

„Was akzeptieren wir eigentlich?“ – Teamregeln sichtbar machen

In dieser Folge stellt Jan eine Methode vor, die hilft, unausgesprochene Regeln und Verhaltensweisen im Team sichtbar zu machen. Gemeinsam mit Florian diskutiert er, wie sich aus persönlichen Akzeptanzgrenzen gemeinsame Teamregeln ableiten lassen – ideal für neue Teams oder für ein Offsite mit eingespielten Gruppen.

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