Retro-Dart: Wöchentliche Reflexion und Feedback spielerisch sammeln
TL;DR: Retro-Dart ist eine spielerische Methode zur wöchentlichen Team-Reflexion. Mittels einer visuellen Dartscheibe werden Erfolge und Herausforderungen anonym gesammelt, priorisiert und als Basis für tiefere Diskussionen oder Content-Ideen genutzt. Es fördert eine positive Fehlerkultur und optimiert die Teamentwicklung.
Worum geht es?
Willkommen zu einer Methode, die aus der Not geboren wurde, alteingesessene Check-ins mit frischem Wind zu beleben. Viele Teams kennen die Herausforderung, in wöchentlichen Reflexionsrunden echte Learnings und relevante Themen auf den Tisch zu bringen. Die Berater von Quäntchen und Glück haben für ihren internen „Schontag“, einen wöchentlichen Tag für Teamentwicklung und interne Organisation, das Retro-Dart entwickelt. Es ersetzt die Frage „Was hast du letzte Woche gelernt?“ durch ein strukturiertes, visuelles und spielerisches Format, das jedem Teammitglied hilft, wichtige Ereignisse der letzten Woche zu reflektieren und gemeinsam zu priorisieren.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Retrospektiven, wöchentliche Team-Check-ins, Team-Reflexion |
| Zielgruppe / Größe | Teams (speziell 6-7 Personen erwähnt) |
| Dauer | 10-15 Minuten |
| Material | Whiteboard (digital oder physisch), Post-its |
| Schwierigkeitsgrad | Einfach |
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Strukturierte Reflexion: Durch den Kalender-Check zu Beginn erinnern sich alle an konkrete Ereignisse der letzten Woche, was zu relevanteren Beiträgen führt.
- Anonymes Sammeln: Der „Private-Modus“ beim Schreiben der Post-its ermöglicht eine offene und ehrliche Reflexion ohne frühe Beeinflussung durch andere.
- Team-Priorisierung: Das gemeinsame Markieren der interessantesten Themen stellt sicher, dass die Diskussionen auf die Anliegen der gesamten Gruppe abzielen.
- Impulse für Wissens-Sharing: Die Methode identifiziert gezielt Themen für externe Kommunikation (LinkedIn, Newsletter) oder interne Wissensvermittlung (Werkschau-Sessions).
- Positive Fehlerkultur: Durch die Moderationsregel, zuerst Herausforderungen und dann Erfolge zu besprechen, endet die Runde mit einer positiven Note und stärkt die Teamstimmung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Stille Reflexion (ca. 1-2 Minuten): Jedes Teammitglied schaut in den eigenen Kalender der letzten Woche, um sich an relevante Termine und Ereignisse zu erinnern, die reflektiert werden sollen.
- Verdecktes Schreiben & Positionieren (ca. 1-2 Minuten): Auf einem Whiteboard, auf dem eine Dartscheibe visualisiert ist, schreiben die Teilnehmenden im „Private-Modus“ (z.B. in Mural oder Miro) 1-3 Post-its. Diese werden dann auf der Dartscheibe positioniert: Ein „Volltreffer“ (Mitte) für Erfolge und besonders gute Erfahrungen, „Daneben“ (Außenring) für Herausforderungen oder Dinge, die nicht gut liefen.
- Aufdecken & Lesen: Die Post-its werden für alle sichtbar gemacht, und alle Teilnehmenden lesen sich die Beiträge in Ruhe durch.
- Markieren & Priorisieren: Jede Person markiert ein Post-it (z.B. mit einem Rahmen oder einem visuellen Marker), über das sie mehr erfahren möchte oder das für sie besonders relevant erscheint.
- Erzählen & Diskutieren (1 Minute pro Post-it): Die Person, deren Post-it markiert wurde, hat 1 Minute Zeit, um darüber zu erzählen. Wichtig: Die Moderation startet immer mit Post-its aus den äußeren Ringen (Herausforderungen/Fails) und arbeitet sich dann zu den Erfolgen (Volltreffer) in der Mitte vor.
- Potenzial identifizieren: In der letzten Minute wird gefragt, welche der besprochenen Themen Potenzial für Content (z.B. LinkedIn-Beiträge, Newsletter-Inhalte, Snackables) oder eine vertiefende Werkschau-Session am Nachmittag haben, falls 1 Minute Diskussionszeit nicht ausreichte.
- Abschluss: Die Runde wird mit einem „Konfetti“ (visueller oder verbaler Abschluss) beendet.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Ein entscheidender Tipp für die Moderation ist die Reihenfolge der Besprechung: Startet immer mit den „Fails“ oder „nicht so guten Sachen“ (Post-its aus den äußeren Ringen) und nähert euch den „Volltreffern“ (Post-its in der Mitte) an. Dies stellt sicher, dass die Runde mit einer positiven Note endet, selbst wenn schwierige Themen besprochen wurden, und verhindert, dass die Stimmung zum Schluss „runtergerissen“ wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was genau ist das Retro-Dart?
Das Retro-Dart ist eine agile Methode zur wöchentlichen Reflexion im Team, bei der Erfolge und Herausforderungen spielerisch auf einer virtuellen Dartscheibe visualisiert und strukturiert besprochen werden.
Was ist der „Schontag“ im Kontext dieser Methode?
Der „Schontag“ ist ein wöchentlicher interner Tag bei Quäntchen und Glück, an dem sich das Team einschließt, um sich zu organisieren, interne Meetings abzuhalten und an der Teamentwicklung zu arbeiten, ungestört von Kundenanfragen.
Wer sind die „Quäntchen“?
„Quäntchen“ ist die Eigenbezeichnung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsfirma Quäntchen und Glück.
Kann das Retro-Dart auch digital eingesetzt werden?
Ja, das Retro-Dart eignet sich hervorragend für den digitalen Einsatz mit Whiteboard-Tools wie Mural oder Miro, insbesondere durch deren „Private-Modus“ für das verdeckte Schreiben von Post-its.
Der Kopf hinter dem Impuls
Jakob Komi ist Mitarbeiter bei der Beratungsfirma Quäntchen und Glück in Darmstadt. Darüber hinaus ist er Host der „Facilitation Rundschau“ und Mitgründer der „Taverne“, einer Rollenspiel- und Facilitation-Community, die spielerische Aspekte aus Rollen- und Brettspielen in die Arbeitswelt überträgt.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Retro-Dart mit Jacob Chromy
Bulls Eye oder voll daneben? Mit seinem Retro-Dart schafft Jacob in seinem Team eine Menge Raum für das, was das Team bewegt – und das spielerisch und mit einer eingänglichen Metapher. Wie genau das Retro-Dart funktioniert, erzählt er im heutigen Podcast.