Die 5 Säulen der Selbstorganisation – Wo Teams wirklich ansetzen sollten
TL;DR: Bernard Eickenbergs Modell zerlegt Selbstorganisation in sechs Bausteine: Vertrauen als Fundament und darauf fünf Säulen – Selbstbestimmung, Alignment, Transparenz, Motivation und Kompetenz. Damit lassen sich Probleme gezielt diagnostizieren und Interventionen dort ansetzen, wo der größte Hebel liegt.
Worum geht es?
Bernard begleitet Unternehmen dabei, Selbstorganisation und Eigenverantwortung aufzubauen – mit oder ohne agile Methoden. Er hat immer wieder beobachtet: Auch hoch motivierte agile Teams liefern nicht automatisch das, was das Unternehmen gerade braucht, weil die Rahmenbedingungen fehlen.
Aus der Beobachtung vieler Teams hat er ein Schema gebaut. Wenn es in der Selbstorganisation reibt, hilft es, eine gute Theorie aufzustellen, woran es liegen könnte und wie man es beheben kann.
Die Methode auf einen Blick (Methoden-Steckbrief)
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Einsatzgebiet | Diagnose in selbstorganisierten Teams, Organisationsentwicklung, Auswahl von Interventionen |
| Zielgruppe / Größe | Agile Coaches, Organisationsentwickler:innen, Führungskräfte; Teams und Abteilungen |
| Dauer | Nicht spezifiziert |
| Material | Nicht spezifiziert |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel |
Das Modell: fünf Säulen und ein Fundament
- Vertrauen (Fundament): offen reden und Kritik äußern können, ohne die Beziehung oder die Karriere zu gefährden.
- Selbstbestimmung: Wer Verantwortung erwartet, muss sie wirklich übergeben – nicht nur verleihen und bei Missfallen wieder an sich ziehen.
- Alignment: gemeinsame Ziele und Arbeitsprozesse, zu denen es ein gemeinschaftliches Commitment gibt.
- Transparenz: zeitnahes, verwertbares Feedback auf die Arbeit – wie beim Tennis, wo man sehen muss, wo der Ball aufspringt.
- Motivation: Lust auf die Arbeit und auf Selbstorganisation, die auch mehr Konflikte mit sich bringt.
- Kompetenz: fachlich und zwischenmenschlich, etwa um Konflikte selbst auszutragen und Kritik zu geben und anzunehmen.
Der konkrete Mehrwert für das Team
- Klarer Suchraum: Statt alles auf den Seziertisch zu legen, gibt es sechs Stellen, an denen man hinschaut.
- Besprechbar: Etwas Abstraktes wie Organisationsentwicklung wird greifbar.
- Gezielte Interventionen: Methoden landen dort, wo der limitierende Faktor liegt.
- Lernen durch Experimente: Hypothesen werden in kleinen Schritten überprüft.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Beobachten: Typische Problemsymptome sammeln: Wo hat das Team Herausforderungen?
- Fundament prüfen: Zuerst sicherstellen, dass Vertrauen da ist.
- Hypothesen bilden: An welcher der fünf Säulen könnte es liegen? Häufig sind es ein, zwei Säulen.
- Intervention wählen: Überlegen, was sich verändern lässt und welche Methode passt.
- Experimentieren: In kleinen Experimenten prüfen. Bringt die Methode nichts, war sie vielleicht schlecht umgesetzt – oder es war gar nicht das Problem.
Stolpersteine & Tipps für die Moderation
Bernard erlebt häufig, dass Menschen eine tolle Methode mitbringen und sich wundern, dass sich nichts ändert. Meist liegt die Methode auf einer Säule, die schon stabil ist.
Ein Beispiel: Eine Führungskraft verteilte vorbildlich Kudo-Karten. Weil das Vertrauensverhältnis fehlte, wirkte das wie Lob von oben herab statt wie Wertschätzung unter Gleichen.
Jan ergänzt: Teams arbeiten gern dort, wo sie schon stark sind, weil der Veränderungsschmerz dort klein ist. Dort liegt aber nicht der größte Hebel.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche fünf Säulen gibt es?
Selbstbestimmung, Alignment, Transparenz, Motivation und Kompetenz. Das Fundament ist Vertrauen.
Wo liegen die Probleme am häufigsten?
Bernard findet sie meist in ein, zwei Säulen, sehr häufig beim Alignment, manchmal bei der Kompetenz – etwa Feedback- und Kritikkompetenz – oder bei der Transparenz.
Warum wirkt eine gute Methode manchmal nicht?
Weil sie auf einer Säule ansetzt, die schon stabil ist, während der limitierende Faktor woanders liegt – zum Beispiel beim Vertrauen.
Warum heißt das Fundament Vertrauen und nicht psychologische Sicherheit?
Bernard nennt es Vertrauen, weil der Begriff für die meisten Menschen zugänglicher ist.
Der Kopf hinter dem Impuls
Bernard Eickenberg ist Coach für Agilität und Selbstorganisation in Unternehmen und hostet den Podcast „Neue Arbeit, Neues Führen“. Empfohlen hat ihn Dana, die in einer früheren Folge zu Gast war.
Tiefer eintauchen: Die komplette Folge
Die 5 Säulen der Selbstorganisation – mit Bernard Eickenberg
Selbstorganisation klingt oft einfacher, als sie in der Praxis ist. Gemeinsam mit Bernard schauen Jan und Florian auf die fünf Säulen erfolgreicher Selbstorganisation: Selbstbestimmung, Alignment, Transparenz, Motivation und Kompetenz – und auf das Fundament, ohne das keine davon trägt: Vertrauen. Ein Modell, das dabei hilft, Probleme in Teams gezielter zu diagnostizieren und Interventionen dort anzusetzen, wo tatsächlich der größte Hebel liegt.
